Bild: Wolf Lux

Die erste deutsche Netflix-Serie Dark ist ein internationaler Erfolg: Auf der einflussreichen Metakritik-Seite "Rotten Tomatoes" wurde sie kürzlich zur besten Netflix-Produktion aller Zeiten gewählt – und deklassierte dabei Konkurrenz wie Black Mirror, House of Cards oder The Crown. (SPIEGEL

Nicht überraschend vielleicht, sorgte die düstere und komplizierte Erzählung um vier Familien in der Kleinstadt Winden doch selbst in den wenig Fremdsprachen-affinen USA 2017 schon für allerhand Service-Artikel, wie man sich denn nun Untertitel einstelle. (bento) Am 27. Juni schließt Netflix das Zeitreise-Spektakel mit der Veröffentlichung der dritten Staffel ab. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jonas Kahnwald, gespielt von Louis Hofmann, der in den Höhlen seiner Heimatsadt eine Passage findet, mit der man durch die Zeit reisen kann. Aus der Sci-Fi-Prämisse entwickeln sich bald philosophische Fragen: Kann er als Vertreter der Jugend die Sünden seiner Eltern auslöschen und drohende Katastrophen verhindern? Oder sind nachfolgende Generationen dazu verdammt, selbst zu den Alten zu werden und den Wandel zu blockieren?

bento hat sich mit Louis Hofmann zum (durch Corona bedingt) virtuellen Interview getroffen und gefragt, was in der Serie an mehr oder minder versteckter Symbolik steckt und wie er selbst über Zukunftsfragen und das schwere Erbe der Vergangenheit denkt.

bento: Die Endzeitserie Dark endet diesen Monat inmitten einer globalen Pandemie. Wie fühlt sich das für dich an? 

Louis Hofmann: Es hat einen bitteren Beigeschmack, dass das Finale einer Serie, die sich um den Weltuntergang dreht, inmitten einer solchen Katastrophe liegt. Denn als die Krankheit ausgebrochen ist und man noch nicht so viel darüber wusste, hatte ich wirklich so ein Gefühl von Apokalypse. Und ich hatte das Gefühl, dass die Menschen so unruhig sind, weil ihre Privilegien in Gefahr sind. Dann fing es mit dem Hamstern an, weil man unvorbereitet war und nicht wusste, wie man sich verhalten muss. Da habe ich mich schon bedroht gefühlt.

Seitdem hat es sich gebessert und ich komme ehrlicherweise relativ gut damit klar. Ich kann mich mit dieser erzwungenen Arbeitslosigkeit relativ gut abfinden, weil ich endlich wieder meinen Hobbys nachgehe.

Louis Hofmann in seiner Rolle als Jonas Kahnwald

(Bild: Netflix)

bento: In Dark spielst du Jonas, eine der Hauptfiguren. Wie würdest du – spoilerfrei – seine Reise zum Ende der Serie beschreiben?

Louis: Es ist der Weg von der Naivität zu einem aktiveren, von Wahrheits- und Gerechtigkeitssinn getriebenen jungen Mann, der immer wieder durch neue Informationen zurückgeworfen wird. Der aber durch die Hoffnung, die ihn antreibt, nie aufhört, zu kämpfen.

bento: Bleiben wir bei dieser Symbolik der Kämpfe. Wie bei Dark geht es auch bei "Fridays for Future" im Kern um einen Kampf zwischen den Generationen. Wie stehst du zu den Positionen der Bewegung und wie jetzt mit dem Thema umgegangen wird?

Louis: Ich unterstütze 'Fridays for Future' sehr, ich finde das genau richtig. Ihre Arbeit ist ein Appell an die Politik, damit die älteren Generationen den Jungen eine Zukunft ermöglichen. Denn die Zukunft wird gerade verspielt.

Ich finde es ganz schön, dass wir während Corona gezeigt haben, wie es andersherum geht: dass die Jungen auf die alten Risikogruppen geachtet haben, indem wir für sie zu Hause geblieben sind, und so deren Gesundheit und Leben geschützt haben.

Beim Klima ist es andersherum, da sind die Jungen die Risikogruppe. Viele Politiker hingegen sind schon über 60, die müssen sich nun darüber im Klaren sein, dass sie unsere Zukunft in der Hand haben und da auch was tun müssen. Ein erster Schritt wäre, die Klimakatastrophe als Katastrophe anzuerkennen, so wie eine Pandemie als Katastrophe anerkannt wurde. Damit Gelder, die für sowas vorgesehen sind, nicht nur für die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, sondern eben auch für den Kampf gegen den Klimawandel eingesetzt werden können.

bento: In der Serie geht es ja auch darum, dass sich die Geschichte wiederholt. Würdest du sagen, dass man das auch als Parabel auf gesellschaftliche Diskussionen der vergangenen Monate und Jahre sehen kann? Zum Beispiel über den latenten und wieder erstarkenden Rassismus?

Louis: Ich bin mir nicht sicher, ob es die Intention war, als Parabel dafür zu stehen. Aber ich glaube schon, dass man es als eine sehen kann. Wenn sich Geschichte wiederholt, gibt es ja Gedanken und Strukturen, die an die nächste Generation weitergegeben werden. Der Rassismus ist nicht im Menschen drin, sondern erlernt und anerzogen, deshalb wiederholt er sich.

bento: Wie genau meinst du das?

Louis: Was im Menschen angelegt sind, sind Dinge wie Hass oder Konkurrenzverhalten, die dafür sorgen, dass man sich anderen gegenüber minderwertig fühlen kann. Das sind Charakterzüge, die durch schlechte Erfahrungen oder gelerntes Verhalten stärker werden können. Und dann werden sie zum Beispiel zu Eifersucht, im schlimmeren Fall zu Rassismus.

Aus diesem Grund kann ich zwar nachvollziehen, warum sich manche Dinge wiederholen. Was ich mir aber für die Zukunft wünsche, ist, dass wir Menschen irgendwie lernen, aus der Vergangenheit zu lernen und anders zu handeln. Wir müssen von diesem enormen Konkurrenzdenken wegkommen. Weiße versuchen seit langer Zeit, Schwarzen einen niedrigeren Wert zuzuordnen, damit sie sich selber besser fühlen. 

„Es ist grausam, schrecklich, und ich glaube, es entstammt einem eigenen Minderwertigkeitsgefühl.“
Louis Hofmann

Diesen Rassismus zu lösen ist nicht Aufgabe der Schwarzen und der People of Color, sondern der Weißen. Wir haben es jetzt in der Hand, dass wir uns informieren, reflektieren, und über Fehler nachdenken. Wir können unsere Gedankenstrukturen verändern. Und so können wir vielleicht die Welt verbessern.


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