20.000 getrennte Paare, 65 aufgelöste Verlobungen, 75 Scheidungen. 

Das ist die Bilanz von Daniel Sloss' Comedy Programm "Jigsaw", das seit Ende 2018 auf Netflix verfügbar ist – zumindest, wenn man den Zahlen des Comedians vertraut. Der 28-jährige ist Schotte, hat einen Hang zu düsterem Humor und hat, so scheint es, den Selbstzerstörungsknopf für moderne Beziehungen gefunden. In seiner Show verbreitet er jetzt Anleitungen, wie man ihn findet. Und bittet Zuschauer, sich bei ihm zu melden, wenn sie sich trennen. 

„Um ehrlich zu sein, gefällt es mir gerade einfach, die Welt brennen zu sehen.“
Daniel Sloss am 18. September 2018 auf Twitter – als der Zähler noch bei 4.500 Trennungen stand.

Seither erzählen Menschen, wie Sloss' Show ihr Leben verändert hat – und empfehlen sie weiter. Im November kommt der Comedian auch nach Deutschland. Und wir wollten wissen: 

Wie gefährlich ist es für Paare, sich die Show von Daniel Sloss anzuschauen?

Und wie effektiv ist die Methode wirklich? 

Um das zu testen, hat die Redaktion uns, das wohl ekelhaft romantischste Ehepaar der Redaktion gebeten, das Programm unvorbereitet zu gucken: Wir, das sind Video-Redakteur Basti und Isi, ebenfalls Journalistin. Die bento-Kolleginnen und Kollegen haben uns dafür ein paar Fragen gestellt:

Basti und Isi. 

(Bild: Fenja Hardel / aufmdach )

Wie fühlt ihr beide euch gerade, vor dem Schauen? 

Basti: Etwas aufgeregt. Sich wegen eines Comedy-Programms zu trennen, wäre schon ziemlich bekloppt. Andererseits würde mir nichts einfallen, über das wir beide nicht schon geredet haben. Nichts, womit Sloss mich schocken könnte. Wir sind ja seit fünf Jahren zusammen... 

Isi: ... und seit eineinhalb davon verheiratet. Wir sind uns einig, was Wünsche für Karriere und Kinder angeht. Und ich freue mich schon auf Bastis silberne Haare und möchte mit ihm gemeinsam als altes Ehepaar Händchen haltend auf einer Heizdecke kuscheln. Schön kitschig eben.

Wie würdet ihr eure Beziehung auf einer Skala von 1 bis 100 bewerten?

Basti: 100. 

Isi: 180. 

Warum so viel? 

Isi: Basti ist einfach mein Prinz Charming. Er braucht mich nur anzuschauen und mein Herz klopft ganz doll. Wenn ich nach Hause komme, zaubert er uns schon ein leckeres Curry oder hat mir eine Badewanne eingelassen. Egal wie schlecht mein Tag war, Basti weiß immer genau, wie er mich glücklich machen kann. Eigentlich kennt er mich besser, als ich mich selbst.

Basti: Wir reden über alles, vertrauen uns zu 100 Prozent und sind seehr ... ich sage mal 'körperlich'. Wir knutschen in jedem Supermarkt und können offen unsere sexuellen Wünsche ansprechen. Außerdem ist Isi sauwitzig und hat einen hervorragenden Meme-Geschmack.

Isi: Also, falls wir uns gleich doch trennen sollten, war es eine gute Zeit.

Basti: Die beste.

Das Programm geht los. Wir haben uns währenddessen Notizen gemacht – ohne miteinander zu reden, das war der Auftrag.

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vorhast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.


Minute 1 bis 30

Sloss spricht darüber, dass er sich gerne wie ein Arschloch benimmt. 

Basti: Also den Anfang finde ich eher langweilig. Veganer-Witze in Richtung: 'Haha, ich esse etwas Blutiges, um Veganer zu ärgern.' Wann kommt die Stelle mit den Beziehungen? Oh Mist, Isi lacht über den Vegan-Witz. Ist das schon der Beziehungstest?

Minute 30 bis 40

Sloss kommt jetzt zu dem Part, für den er berühmt wurde. Die Grundidee stammt von seinem Vater: Der glaubt, das Leben jedes Menschen sei wie ein Puzzle, bei dem man die Box mit dem Bild nicht mehr hat – und komplett ratlos ist. Man fängt daher mit den Ecken an: Familie, Freundschaft, Hobbys und Job. Von dort arbeitet man sich in die Mitte vor. Das Mittelstück, so denkt zumindest Sloss' Vater, sei der Partner. 

Isi: Ich finde die Puzzle-Metapher treffend. Mein Partner ist mein Lebensmittelpunkt. Seit ich Teenager war, gab es nur eine kurze Phase, in der ich solo war und in der Zeit habe ich mich tatsächlich etwas unvollständig gefühlt. Ich kenne aber auch Langzeit-Singles, die super alleine zurechtkommen. Ohne Partner ist man also nicht zwangsläufig ein "kaputtes Puzzle", wie Sloss zunächst annimmt. 

Es gibt ein Problem, findet der Comedian. Irgendwann merkt man in einer Partnerschaft, dass der andere gar nicht nur ein Puzzleteil ist, sondern ein komplett eigenes Puzzle. Von da an versucht man krampfhaft, Teile des anderen Puzzles in das eigene reinzupressen. 

Basti: Er kritisiert Leute, die aus Angst vor Einsamkeit mit dem Falschen zusammen sind. Lieber scheiden als leiden, da stimme ich ihm zu. Aber das sind eben auch Beziehungen, bei denen Leute sich verstellen. Wer mit seinem Partner nicht offen und ehrlich sein kann, oder grundverschiedene Dinge vom Leben erwartet, hat natürlich ein Problem. Manchmal merkt man ja erst nach einigen Jahren, dass die Beziehung anders ist, als man sie sich wünscht. Oder: Dass man selber gar nicht mehr so ist wie früher.

„Das Schlimmste, was ihr euch antun könnt, ist, mit dem Falschen zusammen zu sein.“
Daniel Sloss, in "Jigsaw"

Minute 40 bis 60

Mit zwei Fragen stellt Daniel Sloss nun jede Beziehung auf die Probe: Muss ich zugeben, dass die letzten fünf Jahre meines Lebens vergeudet waren? Und vergeude ich den Rest meines Lebens, wenn ich in der Beziehung bleibe? 

Isi:  Ich kenne das Gefühl, wenn man langsam mit der Jugendliebe auseinander driftet und plötzlich nach vielen Jahren von vorne anfängt. Natürlich ist es frustrierend, sich einzugestehen, dass man an unterschiedlichen Bildern gebastelt hat. Doch die Trennung tat uns beiden gut. Erst danach habe ich Basti gefunden, der mich genau so akzeptiert und mit dem ich weiter wachsen kann. 

Basti: Manchmal entwickelt man sich natürlich im Laufe einer Beziehung in andere Richtungen – ohne das schnell zu merken. Durch die Arbeit, Freunde oder einfach Langweile kommt man auf neue Ideen und entwickelt neue Ziele. Das berühmte "sich Auseinanderleben". Da kann es schon sehr hilfreich sein, sich Sloss' Fragen zu stellen.

An anderen Stellen übertreibt Sloss aber auch. Zum Beispiel, wenn er sagt, dass man gar keine Kompromisse eingehen sollte. Oder dass man sich selbst hundertprozentig lieben muss, bevor man jemand anderes an sich heranlassen kann. Das ist schon sehr narzisstisch. Man muss sich selbst verstehen und wissen, was man für Macken hat. Und man sollte wissen, was man selbst vom Leben erwartet. Nur dann kann man seinem Partner das kommunizieren.  

Und, was glaubt ihr beide? Werdet ihr euch nun trennen?

Isi: Haha, nein. Wir brauchen keine Scheidungspapiere, seinen Test bestehen wir locker. Ich bin immer noch super verliebt und habe keine Sekunde in unserer Beziehung vergeudet. Im Gegenteil: Ich kriege gar nicht genug von meinem Mann. 

Basti: Recht hat sie. Wenn überhaupt, bin ich mir nun noch sicherer. Ich konnte beide Fragen deutlich mit "Nein" beantworten.

Warum?

Basti: Weil er brüchige Beziehungen angreift. Paare, bei denen sich einer oder beide verstellen und einander etwas vormachen. Paare, die aus den falschen Gründen zusammen sind. Das ist bei uns überhaupt nicht der Fall. Ohne zu wissen, worum es im Programm gehen wird, hatte ich ja schon betont, wie ehrlich und offen wir miteinander umgehen.

Welche Note gebt ihr eurer Beziehung nun, nach dem Programm? 

Basti: 180 von 100. 

Isi: Hey, das wollte ich sagen!  

Wie steht ihr zu dem, was Daniel Sloss gesagt hat?

Isi: Sloss’ Angst, keine Frau mehr an sich heranzulassen, weil sie womöglich sein Puzzle zerstören könnte, finde ich traurig. Auch wenn eine Beziehung scheitern kann, sollte man der Liebe eine Chance geben. 

Es kann sich lohnen, sich einer Person zu öffnen und dabei eventuell sogar die eigenen Ansichten zu hinterfragen. Aber eben bloß so weit, wie man sich wohlfühlt. Ein Beispiel: Früher habe ich mir keine Gedanken übers Fleischessen gemacht - bis ich Basti traf, der Vegetarier ist. Inzwischen esse ich bloß ganz selten welches und wundere mich, wie viele Menschen sich angegriffen fühlen, bloß weil er beim Buffet die Fleischplatte ignoriert.

Basti: Die "fremden Puzzlestücke" sind ja auch etwas Gutes, man entwickelt sich in einer Beziehung eben weiter. Ich habe von Isi viel Neues kennengelernt, auch in mir selbst. Wer dadurch an seine Grenzen stößt, und nicht zu Kompromissen in der Lage ist, sollte sich natürlich eher trennen, statt in einer unglücklichen Beziehung festzustecken. Dann soll man sich aber auch nicht beschweren, dass Beziehungen schwer und problematisch sind. Vielleicht ist man manchmal selbst das Problem.  

Sloss denkt ja, dass es als Single meist besser ist. Was denkt ihr?

Isi: Als Single kann man sicherlich sein Glück in anderen Dingen finden. Aber mir persönlich gefällt es zu zweit besser – wenn es so gut passt wie bei Basti und mir.

Basti: Ich war mal fünf Jahre Single und kann sagen: Nein, danke. Da war ich echt einsam. Dafür hatte ich jetzt gerade eine Idee, wie man sein Puzzle-Bild perfektionieren kann. 

Erzähl!

Basti: Die Puzzles sind nicht 2D, sondern 3D. Sie berühren und überschneiden sich an manchen Stellen, andere Teile bleiben für sich. So steckt man zwar zusammen und ergänzt sich perfekt – hat aber trotzdem einen eigenen Kern und eigene Ecken und Kanten. Ich glaube, so sieht eine gute Beziehung aus. 

An die Paare, die so happy sind wie Basti und Isi, hat der von Beziehungen genervte Daniel Sloss am Ende auch noch eine wichtige Message: 

„Glückwunsch und fickt euch!“

Gerechtigkeit

Liebe CDU, euer "Frühwarnsystem für Flüchtlinge" existiert längst – es ist der Klimawandel
Wer Fluchtursachen bekämpfen will, sollte beim Klimaschutz nicht schweigen

Im Notfall Grenzen zu, schnelle Asylverfahren, wenig Geld – und ein "Frühwarnsystem für Flüchtlinge": Möglichst hart will die CDU künftig Flüchtlinge verschrecken. Zwei Tage lang hat die Partei in Berlin dafür über Migration diskutiert. Selbstgewähltes Motto: "Humanität und Härte". 

Die neue Härte gilt auch, wenn in der CDU über Klimaschützerinnen und Klimaschützer geredet wird. Fast zeitgleich zum großen Werkstattgespräch twitterte der junge, neue CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, was er von der 16-jährigen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg aus Schweden und ihrer Kritik an der deutschen Energiepolitik hält: