Der Serien-Showdown

Sie hatten Visionen, kämpften gegen Dämonen und verdrehten so manchem überirdischen Wächter den Kopf: Die drei Schwestern aus "Charmed" gehören zu den wohl bekanntesten Hexen der vergangenen Jahrzehnte. In den Neunzigern und frühen Zweitausendern zogen sie Millionen in ihren Bann. Nun bekommen die Mächtigen Drei mächtig Konkurrenz: Die Serie "Shadowhunters", in der Menschen mit Engelsblut ebenfalls das Böse bekämpfen.

Aber kann auch "Shadowhunters" mit dem magischen Trio mithalten? Oder bleiben Fans des Magischen doch besser bei "Charmed"?
Runde 1: Der Plot-Check

In "Charmed" dreht sich alles um die drei Halliwell-Schwestern Prue (Shannon Doherty), Piper (Holly Marie Combs) und Phoebe (Alyssa Milano). Als die drei erfahren, dass sie die letzten Nachkommen eines uralten Hexengeschlechts sind, wird ihre Welt von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt: Die ungleichen Schwestern müssen sich zusammenraufen, um gemeinsam gegen Hexenmeister, Monster und Dämonen zu bestehen. Unterstützt werden die drei dabei von Leo (Brian Krause), ihrem engelsgleichen Wächter des Lichts.

"Shadowhunters" sind Menschen mit Engelsblut, die dazu auserkoren sind, die Welt vor Dämonen zu schützen. Pünktlich zum 18. Geburtstag erfährt die nichtsahnende Clary Fray (Katherine McNamara), dass sie ein solcher Shadowhunter ist. Gleichzeitig wird ihre Mutter gekidnappt. Der Entführer: Clarys tot geglaubter Vater Valentine Morgenstern (Alan Van Sprang), ein größenwahnsinniger Shadowhunter mit Weltherrschaftsplänen. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Simon (Alberto Rosende) und Shadowhunter Jace (Dominic Sherwood) muss Clary sich nun in die magische Welt einfinden und ihre Kräfte entdecken.

Im Video: Der Trailer zu "Shadowhunters"
Die Runde geht an...

"Shadowhunters“. "Charmed“ ist Kult, aber "Shadowhunters“ feuert von Anfang an aus allen Rohren. Bei den ganzen Verwicklungen könnte nicht mal "Desperate Housewives" mithalten. Da ist jede Menge Potenzial. 1:0!

In der Slideshow: So zauberhaft war "Charmed"
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Runde 2: Der Stimmungs-Check

Die Mächtigen Drei aus "Charmed" haben erst mal genug mit sich selbst zu tun. Es geht zum Beispiel um Pipers Traum vom eigenen Club, um Prues schwierige Job-Suche oder auch darum, wer Traumtyp Leo für sich gewinnen kann. Man könnte vielleicht von "Gilmore Girls" mit Zauberkräften sprechen.

Die wechselnden magischen Gegner sind zumindest in den frühen Staffeln meist klassisches "Monster of the Week"-Material und dienen eher als Kanonenfutter.

Richtig spannend wird es immer dann, wenn Alltägliches und Fantastisches zusammengeführt wird. Zu den stärksten und langlebigsten Geschichten der Serie zählt etwa Phoebes verbotene Liebe zu Halb-Dämon Cole Turner (Julian McMahon), die die Haliwells auf eine harte Probe stellt.

(Bild: Giphy )

Allerdings wird im Verlauf von "Charmed" auch klar: Die Serie weiß nicht so richtig, wo sie mit ihren fantastischen Elementen hin will. So kommt etwa die Quelle des Bösen, die in späteren Staffeln als "Big Bad" eingeführt wird, völlig aus dem Nichts – die Schwestern tun aber, als wäre diese Bedrohung ihnen schon immer bekannt. Auch die Jagd nach Excalibur, dem legendären Schwert König Arthurs, wirkt irgendwie deplatziert.

(Bild: Giphy )

"Shadowhunters" dagegen weiß ganz genau, wohin die Reise geht. Schon in den ersten Folgen werden dem Zuschauer derart viele Konzepte, Namen und Fantasiewesen entgegen geschleudert, dass einem beinahe schwindelig wird. Vom Vampir über den Werwolf bis hin zum Dämon ist hier alles vertreten, was das Fantasy-Genre hergibt. Die Welt von "Shadowhunters" ist weit verzweigt und bis ins Kleinste verstrickt.

Allein die Hintergrundgeschichte von Heldin Clary bietet Erzählstoff für Jahre: Sie muss nicht nur ihre Kräfte beherrschen lernen, sondern auch ihrem fanatischen Vater trotzen, der der Hauptantagonist der Serie ist. Aber auch das persönliche Gefühlschaos muss bewältigt werden: Clary ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Kumpel Simon und ihrem Jäger-Kollegen Jace – eine Dreiecksbeziehung, die mit der Zeit zunehmend komplizierter wird.

In der Slideshow: Die Welt von "Shadowhunters"
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Manchmal kommt "Shadowhunters" vielleicht etwas zu ambitioniert daher. Den verworrenen Handlungs- und Beziehungssträngen zu folgen, ist durchaus eine Herausforderung. Das macht nicht immer Spaß, denn die Serie nimmt sich selbst extrem ernst – ein Augenzwinkern hier und da hätte dem Spannungsbogen sicher keinen Abbruch getan.

Die Runde geht an...

"Shadowhunters". Als Fantasy-Serie ist der Newcomer hier klar überlegen. "Shadowhunters" erzält eine epische Geschichte, die sich alle Konventionen des Genres zu Nutze macht. 2:0!

(Bild: Giphy )
Runde 3: Der Besetzungs-Check

"Charmed" punktet durch wahrhaft zauberhaftes Casting in den Hauptrollen. Die Chemie zwischen Doherty, Combs und Milano stimmt – sie sind nicht nur als Schwestern glaubwürdig, sondern auch als Menschen. Das Gleiche gilt für Rose McGowan, die – Achtung, Spoiler! – später als vierte Halliwell-Schwester dazu stößt und sich einfügt, als hätte sie immer schon dazu gehört. Mit Julian McMahon in der Rolle des dämonischen Cole gesellt sich im Laufe der Serie auch noch ein charismatischer Gegenspieler zu den Power-Frauen.

Diverse Nebendarsteller kommen und gehen und geraten schnell in Vergessenheit, die Kernbesetzung aber ist nahezu perfekt. Nicht umsonst sind alle Beteiligten bis heute für ihre Rollen in "Charmed" berühmt.

(Bild: http://gph.is/22Ygbgp)

"Shadowhunters" verteilt sich auf breitere Schultern. Katherine McNamara ist eine sympathische Heldin, die von ebenso interessanten Gefährten begleitet wird. Kumpel Simon etwa steht Clary auch ohne besondere Kräfte stets zur Seite und legt sich sogar mit einem Rudel Vampire an. So sorgt der nerdige Sympathieträger für die ein oder andere Zitterpartie beim Zuschauer.

Die Serie hat bis jetzt allerdings keine echten Charakter-Highlights zu bieten. Alle Akteure machen einen recht soliden Job aber keine Figur sticht wirklich heraus. Auch hier fällt der fehlende Humor negativ ins Gewicht. Etwas mehr Leichtigkeit hätte den gleichbleibend verbissenen Charakteren gutgetan – und dem Publikum sowieso.

Die Runde geht an...

"Charmed". Die Kernbesetzung ist sowas wie eine moderne Genre-Legende. Bis dahin hat "Shadowhunters" noch einen langen Weg vor sich. 2:1!

Runde 4: Der Suchtfaktor

"Charmed" macht Spaß, braucht aber ein paar Staffeln, um richtig in Gang zu kommen. Bis zum ersten groß angelegten Handlungsbogen muss man sich schon bis zur dritten Staffel gedulden. Mit Cole als Antagonist gewinnt die Serie dann aber schnell an Spannung. Cliffhanger kommen immer wieder mal vor, bleiben aber eher die Ausnahme, als die Regel.

"Shadowhunters" dagegen lebt von dramatischen Enthüllungen und Cliffhangern. Der Zuschauer wird zusammen mit Protagonistin Clary ins kalte Wasser geworfen und muss sich in der komplexen magischen Welt zurechtfinden. Nicht nur die, sondern auch Clarys entführte Mutter gilt es direkt in der ersten Staffel zu retten. Von Anfang an geht es um alles.

Die Runde geht an...

"Shadowhunters". Die Handlung der Serie rollt von der ersten Minute über den Bildschirm wie eine Lawine. Eine Folge geht in die andere über – eine Einladung zum Binge-Watching. 3:1!

Runde 5: Der Background-Check

Mit Power-Frauen kannten die Macher von "Charmed" sich aus: Erfunden wurde die Serie von Constance M. Burge, die auch schon in "Für alle Fälle Amy" und "Ally McBeal" starke weibliche Hauptfiguren schrieb. Produziert wurde "Charmed" durch die Firma des legendären Aaron Spelling, der auch für Serienhits wie "Drei Engel für Charlie" und "Beverly Hills, 90210" verantwortlich zeichnet.

2006 wurde "Charmed" die am längsten laufende Serie mit ausschließlich weiblichen Hauptrollen im US-Fernsehen. Erst 2012 liefen die "Desperate Housewives" den Halliwell-Schwestern den Rang ab, wenn auch nur mit zwei Folgen Vorsprung.

Allerdings ist auch "Shadowhunters" eine Serie mit Stammbaum: Die Serie basiert auf der Jugendroman-Reihe "Die Chroniken der Unterwelt" von Bestseller-Autorin Cassandra Clare. Nach einer misslungenen Kinoverfilmung wurde der Stoff von Produzent Ed Decter fürs Fernsehen adaptiert. Das Wagnis hat sich bezahlt gemacht: In der Serie funktioniert die epische Heldenreise von Clary Fray extrem gut, und dank der Romanvorlage sind die nächsten Staffeln schon jetzt vorgezeichnet.

Power-Frauen mit Erfahrung gegen eine top-moderne Roman-Heldin – wer macht das Rennen?

And the winner is...
(Bild: Giphy )
… "Shadowhunters" mit 3:2!

Die Halliwell-Schwestern sind Kult, keine Frage, aber im Jahr 2016 kommen die Mächtigen Drei hier und da doch etwas angestaubt und klischeehaft rüber. "Charmed“ macht trotzdem Spaß, aber für Fans des Fantasy-Genres ist "Shadowhunters" die qualitativ bessere Wahl. Ein gewisser Kitsch-Faktor ist auch hier nicht von der Hand zu weisen; insgesamt erzählt "Shadowhunters" aber die stärkere Geschichte.

Wo kann ich die Serien sehen?

"Charmed" umfasst acht Staffeln mit 178 Folgen à ca. 45 Minuten. Über einen Reboot oder Revival wird seit Jahren spekuliert, konkret ist aber noch nichts. "Charmed" ist auf DVD erhältlich und läuft aktuell im Nachmittagsprogramm beim TV-Sender SIXX.

Die erste Staffel "Shadowhunters" umfasst 13 ca. 45-minütige Folgen. Eine zweite Staffel ist angekündigt. Die Serie läuft bei Netflix.

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