Bild: ZDF/ Gordon Timpen

Was tust du, wenn dein eigener Bruder sich mit salafistischen Hasspredigern trifft? Wenn dein Bruder plötzlich mehr Trost in der Religion findet als in der Familie? Wenn er bereit ist, für den Islam zu sterben?

Es kann dich alles kosten. So wie Deutschtürkin Sibel in der aufwühlenden Serie "Bruder – Schwarze Macht", die ab Sonntag auf ZDFneo läuft. Sie riskiert nicht nur ihren Job als Polizistin, auch ihre Familie droht zu zerbrechen. 

Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Worum geht es?

Aufgewachsen im selben Land. Erzogen von denselben Eltern. Und trotzdem könnten die beiden Geschwister Sibel und Melih kaum weiter voneinander entfernt sein. 

Sibel lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Hamburg, geht als Polizistin auf Streife. Als ihr Bruder Melih droht, ins Gefängnis zu kommen, nimmt sie ihn zu sich. Unter einem Dach entfremdet er sich noch mehr, findet Halt bei seinem besten Freund, der ihn mit in die Gemeinde eines Hasspredigers nimmt. Melih taucht unter, bricht mit seiner Familie.

Und ist sogar bereit, einen Anschlag zu begehen.

Was ist es, das jemanden dazu bringt, für eine Religion in den Krieg zu ziehen? Die falschen Freunde? Der Verlust des Vaters? Das Gefühl, in einem Land nicht zu Hause zu sein? Menschen, die radikale Gedanken in dir wach rufen? Die Bilder eines Krieges? Der Wunsch danach, etwas von Bedeutung zu tun?

Wer sich "Bruder - Schwarze Macht" anschaut, wird sich genau diese Fragen stellen – und feststellen: Es gibt keine einfache Antwort darauf.

Wer spielt mit?
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  • Sibel Kekilli spielt Sibel Kaya: Die Polizistin aus Leidenschaft meint immer zu wissen, was richtig und falsch ist. Dass sie mit ihrem Verhalten auch die Gefühle der anderen verletzt, bemerkt sie oft zu spät. 
  • Yasin Boynuince spielt Melih Kaya: Er hat sein Abitur gemacht, überlegt zu studieren, arbeitet aber viel lieber in einem illegalen Internet-Geschäft. Dass er immer noch für viele der "Türke" oder der "Kanake" ist, macht ihn aggressiv. Genauso wie seine Schwester, die sich entschieden hat, im Dienste der Polizei zu arbeiten.
  • Bjarne Mädel spielt Kurt: Sibels Ehemann findet mit seiner milden Art noch am besten einen Zugang zu Melih.
  • Rouven Israel spielt Tobi: Der lässt sich als erstes für die salafistische Szene begeistern und zieht auch seinen besten Freund Melih mit hinein.

Während es schwer fällt, Bjarne Mädel nach seinen Rollen in "Stromberg" und als "Tatortreiniger" ernst zu nehmen, leidet man vor allem mit Sibel Kekilli, die sich zerreißt, um ihren Bruder wieder zur Vernunft zu bringen und aus den Fängen der Islamisten zu befreien. Ihre Wut wird auch unsere. 

Yasin Boynuince bleibt hingegen ein Fremder. Wie kann jemand, dessen Familien so sehr um ihn kämpft, so verloren sein?

Warum ist die Serie so wichtig?

Der Krieg, mit dem unsere Generation aufwächst, heißt Terrorismus. Aus Europa und Deutschland wollten junge Menschen in Syrien und dem Irak an der Seite von Dschihadisten ein Kalifat, einen Gottesstaat errichten. Auch hier führen sie ihre Schlachten aus, begehen Anschläge im Namen des IS. 

Sie leben in unseren Städten, sind Nachbarn und vielleicht unsere Brüder. Hamburg ist kein willkürlicher Drehort. Dort lebten die Attentäter vom 11. September und konnten, umgeben von einer weltoffenen Stadt, ihre Anschläge planen. Die Autoren von "Bruder – Schwarze Macht" bringen uns den Konflikt um Radikalisierung ganz nah. Und sie zeigen, dass er eng mit der Frage nach gelungener oder eben nicht gelungener Integration verknüpft ist.

Dennoch lassen vier Folgen à 45 Minuten zu wenig Zeit, um Melihs Geschichte zu verstehen. Er radikalisiert sich nach gefühlt nur wenigen Tagen. Er wirkt einfach nur kühl, schon von Beginn an. 

Wem könnte die Serie gefallen? Wem eher nicht?

Wer einschaltet, muss Bilder von Polizeigewalt, erschreckenden Ritualen und Bomben ertragen können. In den wirklich dramatischen Momenten wird es ganz ruhig. Die Serie fühlt sich an wie ein Blick hinter die Kulissen eines Terroranschlags. Manchmal ist das kaum zu ertragen. 

Einen Moment durchatmen kann man immer dann, wenn die Familie wieder versucht, zueinander zu finden. Und dabei doch scheitert. 

Wem schon "4 Blocks" gefallen hat, der wird auch bei "Bruder" gern zuschauen. Wem aber das Drama im Tatort reicht und Sibel Kekilli als meist besonnene Ermittlern erwartet, ist hier falsch.

Wann läuft die Serie?

Ab 29. Oktober 2017, sonntags um 21.45 Uhr bei ZDFneo. 


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