Bild: Netflix

Ja, wir stellen hier jetzt eine Serie mit einem sprechenden Pferd vor. Warum? Ganz einfach: Sie ist ziemlich witzig. Und ziemlich böse. Sie kann es in Sachen Emotionalität und Tiefgang locker mit Konkurrenten wie "Mad Men" und "Breaking Bad" aufnehmen.

Die Rede ist natürlich von "BoJack Horseman":
Warum soll ich mir das antun, fragst du jetzt.

Also. Der Plot ist geil:

Anthropomorphe Tiere leben gleichberechtigt neben Menschen. Pferdemensch BoJack ist ein Hollywood-Schauspieler auf dem absteigenden Ast. Als Star der Neunziger-Sitcom "Horsin' Around" gehörte er einst zu den Großen – doch das ist lange her. Seinen Kummer über den Karriereknick betäubt der alternde BoJack konsequent und hollywoodüblich mit Alkohol und Drogen. Seine letzte Chance: Eine Autobiographie soll ihm zum Comeback verhelfen – doch statt sich darauf zu konzentrieren, verknallt er sich erstmal in seine Ghostwriterin Leslie. Immer an seiner Seite: sein nichtsnutziger Mitbewohner Todd und seine Agentin Princess Carolyn.

In der Slideshow: So sieht die dritte Staffel "BoJack Horseman" aus
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Ist das nicht eine Kinderserie?

Also. Mit Kinderfernsehen hat das nichts zu tun.

"BoJack Horseman" wäre wohl eher dazu geeignet, Kinder zu traumatisieren und richtet sich ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Dabei ist die Serie einen Schritt weiter als Zeichentrick-Klassiker wie "Die Simpsons“ oder "South Park". Probleme lassen sich hier nicht innerhalb von 25 Minuten mit ein paar markigen Pointen lösen. "BoJack Horseman" ist zynisch, absurd und unvorhersehbar. Klassischer Humor wird nur eingesetzt, um die schwermütigen Momente der Handlung auszugleichen. Und davon gibt es viele, denn der Protagonist ist depressiv und hat einen Hang zu Egoismus und Selbstzerstörung. (Hallo, Don Draper!)

Eine Kostprobe:

BoJack spricht mit einem Hollywood-Kollegen, der sich an seinen Oscar-Gewinn erinnert.

Jeffrey Wright: "Ich erinnere mich, wie ich auf der Bühne stand und die Trophäe anschaut und dachte: 'Das sollte der glücklichste Moment meines Lebens sein, aber ich habe mich nie schlechter gefühlt.'"

BoJack: "Oh, weil du trocken bist?"

(Bild: Giphy )
Zieht mich die Serie nicht runter?

Also. Bei aller Melancholie ist "BoJack Horseman" bemerkenswert bunt und leichtfüßig. In der Weihnachtsfolge sehen wir beispielsweise eine ganze Episode aus BoJacks fiktiver Sitcom "Horsin' Around". Zwischendrin gibt es immer wieder Witze darüber, dass Tiere hier wie Menschen agieren.

(Bild: Giphy )
Damit kann ich mich doch null identifizieren!

Also. Sind wir nicht irgendwie alle ein bisschen BoJack?

Was diesen Narzissten sympathisch macht, ist die Tatsache, dass er stets nur ein paar Schritte von der Läuterung entfernt scheint. BoJacks Sprecher Will Arnett bringt es auf den Punkt: "Er ist auf der Suche nach einer Verbindung mit jemandem. Er will wirklich glücklich sein. Er hat all diese Beziehungen, die auch ziemlich intim sind, aber ich glaube, erst wenn er innehalten und sich damit auseinandersetzen kann, wer er ist, wird er etwas haben können, was von Dauer ist." (Vulture)

Im Laufe der Serie wird für BoJack zunehmend klar, dass er Fehler gemacht hat. Ab und zu rafft er sich auf und versucht, sie auszubügeln. Meist scheitert er allerdings. Es sind diese Momente, in denen man sich BoJack besonders nahe fühlt. In seiner Unzulänglichkeit wird der Pferdemensch – menschlich.

Jeder, der sich schon einmal gewünscht hat, etwas zurücknehmen oder neu anzufangen, kann mit BoJack mitfühlen.

Reicht die Story für drei Staffeln?

Ja. Serienerfinder Raphael Bob-Waksberg sorgt für fantastisches Storytelling, nicht zu flach, nicht zu langsam und tolle, entwickelte (Frauen)Charaktere. Die Synchronsprecher machen einen fabelhaften Job, neben Will Arnett als BoJack ist auch "Breaking Bad"-Star Aaron Paul am Start. Die Erzählung übernehmen abwechselnd Comedians oder Gaststars.

Vielleicht hast du auch hiervon schon gehört: die Unterwasserfolge aus der 3. Staffel "Fish Out of Water". Die ist nämlich wirklich der Hammer. Hier muss sich BoJack in einer leicht verqueren Unterwasserwelt zurechtfinden, die an Bikini Bottom aus dem schrillen "Spongebob Schwammkopf" erinnert.

Da der Pferdemensch die Sprache der Meeresbewohner nicht spricht und zu allem Übel auch noch einen schalldichten Helm tragen muss, um unter Wasser atmen zu können, ist er auf sich allein gestellt und heillos überfordert, als er ein verlorenes Seepferd-Baby am Straßenrand findet.

Die Folge ist nicht nur optisch beeindruckend, sie kommt auch fast komplett ohne Dialoge aus.

Also ja, und versprochen: Die dritte Staffel bleibt durchgehend auf hohem Niveau.

Wo kann ich das sehen?

Ha, also doch neugierig!

"BoJack Horseman" umfasst bisher drei Staffeln mit insgesamt 37 Episoden. Eine vierte Staffel ist für 2017 angekündigt. Die Serie läuft auf Englisch und Deutsch auf Netflix.

Wirklich nicht dein Fall? Dann ist hier vielleicht was dabei:
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