Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Actionreiche Krimis mit weitreichenden Verschwörungen sind im Kommen. Aktuell laufen gleich zwei: ″The Blacklist“ und ″Blindspot“. Doch welche der beiden Serien ist die bessere Wahl? Der Serien-Showdown findet's raus.

(Bild: Giphy )
Runde 1: Der Plot-Check

"The Blacklist" beginnt mit einem unerwarteten Besucher im FBI-Hauptquartier in Washington, D.C.: Raymond "Red" Reddington (James Spader), die Nummer 1 auf der Fahndungsliste, stellt sich. Er ist sogar bereit, all seine hochrangigen kriminellen Kontakte über die Klinge springen zu lassen – allerdings will er nur mit der neuen Profilerin Elizabeth Keen (Megan Boone) reden. Die Zusammenarbeit der beiden legt nach und nach eine kriminelle Verschwörung offen, in die nicht nur Reddington, sondern auch Elizabeth irgendwie verstrickt zu sein scheinen.

Im Video: Der Trailer zu "The Blacklist"

In "Blindspot" wird Jane Doe (Jaimie Alexander) – eine nicht identifizierbare Person – auf dem New Yorker Time Square entdeckt. Nackt. In einer Tasche. Sie hat keinerlei Erinnerungen, ist aber über und über mit frischen Tätowierungen bedeckt. Auch der Name von FBI-Agent Kurt Weller (Sullivan Stapleton) ist ihr in die Haut gestochen worden. Weller glaubt bald, in der Unbekannten eine verschollene Kindheitsfreundin zu erkennen. Gemeinsam machen die beiden sich daran, die Tattoos der Unbekannten zu entschlüsseln.

Die Runde geht an...

"Blindspot" – wenn auch nur ganz knapp. Beide Serien warten mit einer kreativen Prämisse auf. Etwas spannender wird "Blindspot" dadurch, dass hier anfangs alle Charaktere mit den Zuschauern im Dunkeln tappen. "The Blacklist" hat zumindest Reddington, der das Geheimnis theoretisch lüften könnte. 1:0.

Im Video: Der Trailer zu ″Blindspot“
Runde 2: Der Stimmungs-Check

Sowohl "The Blacklist“ als auch "Blindspot" widmen sich für gewöhnlich in jeder Folge einem neuen Fall. In "The Blacklist“ ist es Reddingtons geheime Liste, die stets zu neuen Verdächtigen führt, in ″Blindspot“ erfüllen die Tattoos der Jane Doe diesen Zweck.

Dabei gehen beide Serien gern aufs Ganze. Jede Folge fühlt sich an wie ein kleiner James-Bond-Film, was nicht zuletzt auch an den überzogenen Antagonisten liegt. So führt Reddington das FBI beispielsweise zu einem bisher unentdeckten Serienkiller, der seine Opfer in Chemikalien auflöst, und einer Organisation, die durch illegale Menschenversuche das Geheimnis der Unsterblichkeit knacken möchte. In "Blindspot" sieht es ähnlich verrückt aus: Janes Tattoos enthüllen unter anderem eine illegale App zur Lokalisierung von Regierungsfahrzeugen und ein geheimes Militärprojekt zur Züchtung von Super-Soldaten.

In der Slideshow: Hinter den Kulissen von "Blindspot"
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Diese wöchentlichen Fälle werden spannend und kreativ aufgezogen, bleiben letztendlich aber schmückendes Beiwerk. Das Rückgrat der Serien bilden die Geheimnisse, die Reddington und Jane umgeben: Was verbindet Reddington mit Elizabeth, und was ist sein Plan? Wer ist Jane wirklich, und warum kann sie sich an nichts erinnern?

Dem aufmerksamen Zuschauer wird schnell klar, dass Reddington seine Liste in einer ganz bestimmten Reihenfolge abarbeitet, und auch zwischen Janes ″Tattoo-Fällen“ ergeben sich mit der Zeit Verbindungen. So werden nach und nach zwar immer mehr Puzzle-Teile aufgedeckt, aber beide Serien sind sparsam mit großen Enthüllungen. Wenn Reddington ein Foto aus dem Haus eines Serienmörders entwendet, muss der Zuschauer sich da schon selbst einen Reim drauf machen. ″Blindspot“ wirft recht schnell Codenamen wie "Daylight“ und "Orion" in den Raum, lässt die Fans dann aber auch erstmal eine ganze Weile damit allein.

Dieses Gefühl, ständig nur einen Schritt von der Lösung des Rätsels entfernt zu sein, motiviert natürlich auch dazu, jede Woche wieder einzuschalten.

In der Slideshow: Hinter den Kulissen von "The Blacklist"
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Die Runde geht an...

Beide. Aufbau und Feeling von "Blindspot" und ″The Blacklist“ sind sich so ähnlich, dass eine Unterscheidung ein Ding der Unmöglichkeit ist. Beide Serien sind gleich stark. 2:1!

Runde 3: Der Besetzungs-Check

Das Highlight von "The Blacklist“ ist James Spader als kriminelles Mastermind Reddington. Er ist halb Lex Luthor, halb gealterter James Bond – eine Mischung, die geradezu hypnotisch gut wirkt. Wenn Reddington zu einer seiner zahllosen Anekdoten ansetzt, lauschen nicht nur die anderen Charaktere andächtig, sondern auch das Publikum. Gleichzeitig bleibt er stets ein Stück weit bedrohlich und unberechenbar – auf eine lehrreiche Kindheitsgeschichte kann nämlich direkt ein eiskalter Mord folgen.

Im Video: Reddington erzählt eine Geschichte

Leider kann der Rest des Casts nicht ganz mithalten. Neben Spaders starkem Charakter wirken alle anderen Rollen etwas blass. Megan Boone, die als Elizebeth Keen die zweite Hauptrolle spielt, kommt neben Spader allzuoft mehr als Sidekick rüber. Wenn sie nicht gerade dabei ist, böse Jungs zu verprügeln, hat Boone in ihrer Rolle selten etwas anderes zu tun, als verwirrt oder wütend zu sein.

Auch der Rest der durchaus sympathischen Besetzung kriegt nur wenig Gelegenheit zu glänzen. Sowohl Reddingtons kriminelle Verbündete als auch Keens FBI-Kollegen bleiben ziemlich austauschbar. ″The Blacklist“ macht sich diesen Umstand allerdings auch zunutze, um hier und da durch den plötzlichen Tod einer Figur die Spannung weiter zu erhöhen.

Wenn Reddington etwa einen langjährigen Bediensteten als Verräter entlarvt und verspricht, für dessen Familie zu sorgen, ehe er ihn hinrichtet, sitzt man als Zuschauer mit offenem Mund vor dem Fernseher. Leider stärken solche Momente eben nur Reddington, nicht aber die übrigen Charaktere in ″The Blacklist“.

(Bild: Giphy )

Auch ″Blindspot“ hat mit Jaimie Alexander als Jane Doe ein klares Charakter-Highlight zu bieten. Auf ihre eigene Art ist die Unbekannte mindestens ebenso vielschichtig und interessant wie Reddington. Zu Beginn der Serie erscheint sie desorientiert, verängstigt und verzweifelt, nur um kurz darauf eine Zähigkeit und Stärke zu entdecken, die überrascht. In einer der ersten Folgen der Serie verrät eines der Tattoos, dass Jane früher ein Navy SEAL war – und so, wie Alexander sie spielt, kann man diesen Twist auch problemlos akzeptieren. Jane ist eine komplexe Power-Frau, an der es ständig neue Facetten zu entdecken gibt.

(Bild: Giphy )

Allerdings muss Alexander „Blindspot“ nicht allein tragen. Auch Sullivan Stapleton als emotional vorbelasteter Agent Weller gibt eine gute Figur ab. Nur zu gern will er glauben, dass Jane seine seit Jahren verschwundene Freundin Taylor Shaw ist – vormachen will er sich aber nichts. Weller wird selbst aktiv, stellt Nachforschungen an und schreckt auch vor unangenehmen Wahrheiten nicht zurück. An dieser Stelle soll nichts gespoilert werden, aber: Wellers Gespräch mit seinem todkranken Vater am Ende der ersten Staffel wird so manchem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegziehen.

Hier liegt auch der größte Unterschied zwischen Weller und Elizabeth aus ″The Blacklist“: Welcher hat einen eigenständigen Handlungsbogen, der auch unabhängig von Janes funktioniert.

Die Runde geht an...

"Blindspot". James Spader ist unglaublich gut in "The Blacklist“ und stiehlt regelmäßig die Show. Genau hier liegt aber auch das Problem. "Blindspot“ ist wesentlich ausgeglichener und bietet das stärkere Gesamtpaket, was den Cast angeht. 3:1.

Runde 4: Der Suchtfaktor

Sowohl "The Blacklist“ als auch "Blindspot“ setzen auf ihre zentralen Rätsel, um die Fans Woche für Woche bei der Stange zu halten. Und das funktioniert – wer eine Folge auslässt, könnte einen entscheidenden Hinweis verpassen. ″Wichtige“ Folgen sind nämlich nicht immer von Anfang an als solche erkennbar.

Gerade die letzten Minuten der einzelnen Folgen sind oft sehr interessant: Hier enthüllen beide Serien mit Vorliebe ganz nebenbei neue Informationen oder Charaktere. Klassische Cliffhanger sind dagegen eher selten.

Wer beide Serien verfolgt, stellt jedoch schnell fest: "Blindspot" kommt wesentlich schneller zur Sache. So rückt etwa ″The Blacklist“ auch in der dritten Staffel noch nicht damit raus, in welcher Verbindung Reddington und Elizabeth nun wirklich zueinanderstehen, während ″Blindspot“ schon am Ende der ersten Staffel Janes wahre Identität verrät.

Die Runde geht an...

"Blindspot". Beide Serien sind offensichtlich bis ins Detail durchdacht und toll konstruiert, aber die endlosen unbeantworteten Fragen in "The Blacklist“ können auf die Dauer doch schlauchen. Bei "Blindspot“ fällt es ein ganzes Stück leichter, am Ball zu bleiben. 4:1

(Bild: Giphy )
Runde 5: Der Background-Check

"The Blacklist“ wurde von Autor Jon Bokenkamp erfunden und von einer Reihe im Crime-Genre erfahrener Produzenten umgesetzt. Ganz vorn mit dabei ist auch John Eisendrath, der auch schon bei J.J. Abrams' bahnbrechender Agenten-Serie "Alias“ ausführender Produzent war. "The Blacklist“ ruht also in erfahrenen Händen.

"Blindspot“ wurde erfunden von Martin Gero, der sich bisher vor allem im Science-Fiction-Bereich einen Namen gemacht hat. So schrieb er unter anderem für das ″Stargate“-Franchise und die Serie ″Dark Matter“.

Was "Blindspot“ besonders auszeichnet, ist die unglaubliche Liebe zum Detail in allen Facetten der Serie. So besteht beispielsweise jeder Episodentitel der ersten Staffel aus drei scheinbar sinnlosen Worten. Verändert man jedoch die Reihenfolge der Buchstaben, ergeben sich konkrete Hinweise auf die Handlung – aus ″Woe Has Joined“ wird so etwa ″Who is Jane Doe“. Ein echtes Schmankerl für Fans mit Lust auf mehr!

And the winner is...
(Bild: Giphy )
… "Blindspot“ mit 5:1!

Ein Durchmarsch für "Blindspot“? Ist "The Blacklist“ wirklich so schlecht? Nein, absolut nicht. Fairerweise muss man sagen, dass "Blindspot“ in fast allen Kategorien lediglich um Haaresbreite gewonnen hat. Auch ″The Blacklist“ ist extrem kreativ, spannend und sehenswert – aber "Blindspot“ ist eben ein klein wenig kreativer, spannender und damit vielleicht auch sehenswerter. Für Krimi-Freunde, die neues Material zum Nagelkauen suchen, ist diese Serie nur zu empfehlen.

Wo kann ich die Serien sehen?

"The Blacklist“ läuft mittlerweile in der vierten Staffel. 67 Episoden wurden bisher veröffentlicht. Die Serie gibt es unter anderem bei Netflix, Maxdome und iTunes.

"Blindspot“ hat gerade mit der Ausstrahlung der zweiten Staffel begonnen. Die Serie zählt bisher 24 Folgen. Die finden sich aktuell unter anderem bei Amazon Video, Maxdome und iTunes. Die erste Staffel läuft gerade auf Sat1, donnerstags um 21.15 Uhr.

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