Bild: Netflix

Eine alternative Realität, in der man sich all seine Erinnerungen wieder und wieder ansehen kann, eine Welt, in der dicke Menschen zu Personen zweiter Klasse werden und ein britische Premierminister, der vor die Wahl gestellt wird: Entweder er hat vor laufender Kamera Sex mit einem Schwein oder ein Mitglied der Königsfamilie muss sterben. Seit 2011 versetzt eine britische Serie Fernsehkritikerinnen und Medienwissenschaftler in Begeisterung: "Black Mirror" war damals auf dem britischen TV-Sender Channel 4 gestartet, der Erfinder Charlie Brooker wurde für die düsteren Zukunftsszenarien gefeiert, die er in der Serie entworfen hatte.

Auf Netflix ist nun die fünfte Staffel von "Black Mirror" gestartet – und von der Genialität ist wenig geblieben. 

In früheren Staffeln bestach die Serie häufig mit dystopischen Elementen, die teilweise erschreckend nahe an der Realität waren und die Zuschauer verstört zurückließen. 

Solche Momente gibt es in der fünften Staffel der Serie nicht. In der ersten Episode geht es um zwei Kumpels, die in einem Virtual-Reality-Game Sex haben, woran die reale Beziehung des einen droht zu scheitern. In der zweiten Folge wird sehr plakativ Kritik an großen Sozialen Medien und ihrer Macht geübt – in einer spannend erzählten Story, die am Ende einen recht unspektakulären Twist bereit hält. 

In ihrer letzten Folge,  endet die ohnehin lahme neue Staffel schließlich an einem Tiefpunkt. Mit "Rachel, Jack and Ashley Too", einem merkwürdigen Mix aus Coming-of-Age-Drama und Dystopie mit Miley Cyrus in der Hauptrolle, parodiert sich "Black Mirror" beinahe selbst. 

Cyrus spielt die Popsängerin Ashley O. Ihre reale Persönlichkeit unterscheidet sich erheblich von der öffentlichen Ashley O –  von welcher eine KI-Version auf den Markt gebracht wird, quasi eine singende Alexa, die sich auch noch bewegen kann. Parallel wird die Geschichte von Rachel erzählt. In der KI namens "Ashley Too" findet die 15-Jährige nach dem Tod ihrer Mutter eine Freundin und einen Weg, ihre Einsamkeit zu überwinden. Der Mini-Roboter zeigt ihr Dancemoves, gibt Schminktipps und motiviert sie, vor der Schule den Tanz aus den Ashley-O-Musikvideos aufzuführen – inklusive Phrasen wie "Wenn du es wirklich willst, kannst du es auch schaffen". 

Rachel mit "Ashley Too".

(Bild: Netflix)

Die echte Ashley O hat unterdessen ihre eigenen Probleme: Sie wird von ihrer profitgeilen Tante gemanagt, die Ashley (und ihre Depression) mit Medikamenten unter ihre Kontrolle bringen will – wogegen sich Ashley jedoch  zu wehren versucht. Damit scheitert der Popstar und ihre Tante versetzt sie in ein künstliches Koma.

Damit soll die Karriere der Ashley O allerdings nicht beendet sein: In ihren Träumen, die sie in ihrem Koma hat, komponiert sie munter weiter Songs, die ihre Tante mithilfe von Technologie aus dem Gehirn extrahieren kann. Mithilfe einer Holografie soll der Popstar auch weiter auftreten – und der Tante Geld einbringen.

Das alles klingt schon reichlich absurd und ist selbst für "Black Mirror"-Verhältnisse nur schwer nachvollziehbar. Doch es geht noch weiter:

Als Rachels KI-Ashley schließlich mitbekommt, dass die echte Ashley O im Koma liegt, löst das eine Störung in ihr aus und sie funktioniert nicht mehr richtig. Gemeinsam mit ihrer Schwester versucht Rachel sie zu reparieren. Dabei finden sie heraus, dass eine Begrenzung in Ashley Too eingebaut wurde. Als sie diese entfernen, kommt auch in der KI die echte Persönlichkeit von Ashley O zum Vorschein – nicht mehr der pefekte Bubblegum-Popstar, sondern die depressive und herumfluchende Ashley, die eigentlich ernsthaftere Musik machen wollte.

"Rachel, Jack and Ashley Too" lässt kein Klischee aus: Eine 15-Jährige ohne Freunde, die sich in eine virtuelle Freundschaft flüchtet, ihre davon genervte ältere Punkrock-Schwester, die gierige Tante, die das Talent ihrer Nichte ausbeutet.

Fans verteidigen das alles damit, wie "meta" die Episode ja sei – "Black Mirror"-Mastermind Charlie Brooker habe genau die negativen Reaktionen hervorbringen wollen und so den Fans den Spiegel vorhalten wollen. Er spiele nur mit den Erwartungen, die Zuschauerinnen und Zuschauer an die Serie hätten. 

Selbstverständlich muss "Black Mirror"-Mastermind Charlie Brooker beim Schreiben bewusst gewesen sein, dass er sich in neues Territorium begibt. Dass zumindest die zweite Hälfte von "Rachel, Jack and Ashley Too" fast genauso auf dem Disney Channel hätte laufen können – wenn man einmal von der vulgären Sprache von Ashley Too absieht. 

Aber meta allein macht noch kein gutes Fernsehen. Natürlich gibt es in gewisser Hinsicht auch in dieser Episode dystopische Elemente – die Ausnutzung von Teenie-Stars durch Erwachsene, wie es sie auch in der realen Welt gibt, wird hier bis zum ultimativen Freiheitsentzug auf die Spitze getrieben. Doch diese Erkenntnis verbirgt sich hinter einer vollkommen absurden Story.

"Black Mirror" hat in der Vergangenheit gezeigt, dass die Folgen auch nicht immer nach dem gleichen Schema ablaufen müssen, dass sie uns nicht immer verstören müssen, um zu beeindrucken: Die Episode "San Junipero" aus Staffel 3 etwa zeigt mögliche positive Seiten von Zukunfts-Technologien: eine simulierte Realität, in der Verstorbene weiterleben können – gelobt wurde die Folge insbesondere für ihren positiven Ton. 

Trotzdem entfernt sich die Serie in ihrer fünften Staffel immer weiter von ihren ehemaligen Strukturen. Klar, bei "Black Mirror" varrieren die Themen und Genres der einzelnen Episoden schon immer erheblich. Doch eines gaben sie den Zuschauerinnen und Zuschauern immer mit: etwas zum Nachdenken. Ob über Social-Score-Systeme, wie sie in China bereits zum Einsatz kommen oder die Gefahren von Künstlicher Intelligenz. Doch Themen, die zum wirklichen Nachdenken anregen, gibt es in den neuen Folgen nur wenige – und bei der letzten möchte man vor allem eins: Abschalten.


Fühlen

Ikea baut die Einrichtung der "Simpsons" und aus "Friends" nach – brauchen wir das wirklich?

Vor ein paar Tagen hat Ikea in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine neue Werbekampagne gelaunched, die wohl vor allem für Serien-Fans gedacht ist: 

Wer auf die "Simpsons", "Friends" oder "Stranger Things" steht, soll mithilfe der passenden Ikea-Möbel und etwas Farbe die weltberühmten Wohnzimmer aus den Serien theoretisch einfach nachbauen können. Ein Leben im Filmset quasi. Oder ein Leben im geliebten Serienuniversum. Alle Möbel stammen aus dem bereits existierenden Sortiment des Einrichtungskonzerns – und die gibt es auch hier in Deutschland.

So sehen die "Iconic Living Rooms" aus, also die Ikea-Wohnzimmer aus bekannten TV-Serien: