Bild: Netflix
Wir haben ihn getestet.

Mit "Black Mirror – Bandersnatch" ist auf Netflix ein Film online gegangen, auf den viele lange gewartet haben (bento). Er ist interaktiv, der Zuschauer kann also aktiv in den Handlungsverlauf eingreifen, indem er Entscheidungen für den Protagonisten fällt – das ist spannend, ein interessantes Experiment. Als Zuschauer aber auch echt anstrengend.

Die Serie "Black Mirror" ist an sich schon keine leichte Kost.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde, "Black Mirror" ist eine gute Serie. Trotzdem habe ich für die ersten vier Staffeln ewig gebraucht. Es gab durchaus Tage, manchmal Wochen, wo ich dachte "Heute war so ein harter Tag, mir geht gerade so viel durch den Kopf – jetzt nicht auch noch eine Folge 'Black Mirror'." 

An anderen Tagen konnte ich es dagegen kaum erwarten, noch so eine spannende Geschichte aus der Serie anzusehen: Bei "Black Mirror" steht jede Folge für sich. Jede Folge erzählt eine abgeschlossene Geschichte mit immer anderen Charakteren. 

Abgesehen von leichten Andeutungen oder kleinen Easter Eggs gibt es nichts, was innerhalb einer Folge an eine andere erinnert. 

In der Serie werden für gewöhnlich düstere Dystopien erzählt. Geschichten über Medien und Technik und welche (ethischen) Auswirkungen sie auf uns und unser Zusammenleben haben. 

Charlie Brooker, der Erfinder der Serie, fragte: "Wenn Technologie eine Droge ist, und genauso fühlt es sich doch an: Was sind die Nebenwirkungen?" (Süddeutsche Zeitung) In "Black Mirror" zeigt er verschiedene Antwortmöglichkeiten auf seine Frage. 

Und jetzt kommt mit "Bandersnatch" also ein interaktiver "Black Mirror"-Film.

"Bandersnatch" soll außerhalb der Serie als eigenständiger Film laufen, er gehört nicht zur für Anfang 2019 erwarteten fünften Staffel

Es wird die Geschichte von Stefan erzählt, einem jungen Programmierer im Jahr 1984, der einen Roman als Videospiel herausgeben möchte. Schon der Roman "Bandersnatch", der seinem Videospiel als Vorlage dient, lebt davon, dass der Leser verschiedene Entscheidungen treffen kann. Er muss dann auf bestimmte Seiten blättern, um dort die Auswirkung seiner Entscheidung auf den weiteren Handlungsverlauf zu lesen.

So in etwa funktioniert "Black Mirror – Bandersnatch" dann auch auf Netflix. Nur dass nicht in einem Buch geblättert wird, sondern auf Netflix. An bestimmten Punkten werden unten im Bildschirm zwei Optionen eingeblendet und der Zuschauer hat wenige Sekunden Zeit, sich zu entscheiden. Tut er es nicht, entscheidet Netflix automatisch.

Die Auswahl beginnt mit einfachen Fragen, wie welche Cornflakes Stefan zum Frühstück essen oder welche Musik er in seinen Walkman einlegen soll. Doch spätestens, wenn es darum geht, ob Stefan einen Job annehmen soll, wird es komplizierter.

Schaut damit also jeder – bedingt durch seine Entscheidungen – einen anderen Film? 

Vielleicht ein bisschen. Denn man kann sich tatsächlich falsch entscheiden und wird dann doch wieder zu einer Ausgangssituation zurückgeleitet, wo man dann die Möglichkeit bekommt, sich nochmal "richtig" zu entscheiden. Beim ersten Schauen war ich nach zehn Minuten fertig. "Bandersnatch" empfahl mir, doch noch mal zurückzugehen und eine andere Entscheidung zu treffen.

Letztendlich wurde "Bandersnatch" von Menschen mit begrenzten Mitteln und begrenzter Zeit gedreht. Darum konnten natürlich nicht zu viele Handlungsverläufe ausführlich parallel produziert werden. Insgesamt liegen aber etwa 300 Minuten Filmmaterial vor, für alle möglichen Handlungsverläufe, nach allen verfügbaren Entscheidungen (bento). 

Manchmal liegen nur 90 Sekunden, manchmal fünf Minuten zwischen den Entscheidungen, die der Zuschauer treffen muss. 

Es lässt sich also selbst ausrechnen, dass da nicht viel Spielraum ist und keine allzu krassen Abweichungen von der Kernhandlung möglich sind.

Und so ist es mir beim Ansehen mehrfach passiert, dass ich Szenen mehrmals gesehen habe (natürlich mit leichten Abwandlungen, denn die Beteiligten hatten plötzlich Déjà-vus), wieder die gleiche Frage gestellt bekommen habe und mich so anders entscheiden konnte. So wurde meine Version von "Bandersnatch" nun also doch in eine vorgegebene Richtung gedrückt – auch wenn es dann doch verschiedene Enden gibt.

Ein interaktiver Film in der Form ist ein spannendes Experiment – aber auch anstrengend.

Dass ich nach einer falschen Entscheidung Szenen nochmal sehe, ist höchstwahrscheinlich dem Vorbild zu verdanken. Ich habe ein Leben verloren, ich darf es nochmal versuchen – halt wie in einem Videospiel, um das es in dem Film ja geht. Ein spannendes Experiment.

Aber seid vorgewarnt: "Bandersnatch" ist nichts, was ihr heute Abend mit euren fünf Freunden mal eben gucken könnt. 

Ohne zu viel von der Handlung verraten zu wollen: Sogar im Film stellen Stefan und sein Kollege fest, dass man manche Spiele am besten alleine entwickelt. Diesen Film guckt man auch am besten alleine. Und konzentriert. 

Aber dann ist er wirklich spannend und ein interessantes Erlebnis.

Hier ist der Trailer zu "Black Mirror – Bandersnatch":



Today

Warum immer mehr junge Menschen mit dem Rauchen aufhören wollen
Funktioniert das? Wir haben nachgefragt.

Pro Jahr sterben in Deutschland 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das entspricht 13,5 Prozent aller Todesfälle. Schon eine Zigarette pro Tag erhöhe das Risiko, eine gefährliche koronare Herzkrankheit zu entwickeln oder einen Schlaganfall zu erleiden (bento). 

Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, haben verschiedene Möglichkeiten: Nikotinpflaster, Akupunktur, Hypnose oder auch Therapie. Eine weitere Möglichkeit: die telefonische Beratung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat vor einigen Jahren eine Rauchentwöhnungs-Hotline eingerichtet und berät mit 13 Angestellten die Anruferinnen und Anrufer. 

Mittlerweile ist die Hotline der BZgA aber so gefragt, dass sie nach Angabe der Bundeszentrale nur rund 80 Prozent der eingehenden Anrufe beantworten könne. 5000 Anrufer gebe es derzeit monatlich, jeder dritte sei "jünger als 20 Jahre", sagte die BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss

Wieso so viele junge Anrufer? Und wie wird ihnen geholfen? Wir haben bei einer Sprecherin der BZgA nachgefragt:

Im Durchschnitt gehen monatlich 5000 Anrufe bei Ihnen ein, gibt es zwischen den Monaten Unterschiede? 

"Es gibt eine gewisse Schwankungsbreite, so differieren die einzelnen Monate in der Anzahl der Anrufe. In den Sommermonaten – vermutlich aufgrund der Ferienzeiten – und auch im Herbst lagen die Zahlen in den Vorjahren etwas höher. Auch der Januar ist ein starker Monat – das hat vermutlich mit den guten Vorsätzen für einen rauchfreien Start ins neue Jahr zu tun."

Vor allem junge Menschen nehmen das Angebot wahr. Gibt es beim Rauchverhalten Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen? 

"Aktuelle Studienergebnisse der BZgA belegen, dass rund 30 Prozent der männlichen und rund 23 Prozent der weiblichen 18- bis 25-Jährigen rauchen. Diese Quote hat sich in den letzten zwanzig Jahren von rund 54 Prozent bei den männlichen und rund 47 Prozent bei den weiblichen jungen Erwachsenen ungefähr halbiert."