Bild: Netflix

Netflix hat mal wieder ein dickes Ding rausgehauen. Am Freitag ging "Black Mirror – Bandersnatch" online – ein interaktiver Film, in dem die Zuschauerin oder der Zuschauer für den Protagonisten Eintscheidungen treffen muss (bento). Die Dystopien von "Black Mirror" bedeuten immer ordentlich Brainfuck, doch dieses Mal liegt das nicht nur an der Handlung selbst. Spätestens nach der vierten, fünften oder sechsten Entscheidung, fragt man sich als Handlungslenkerin, ob man nicht doch einen anderen Pfad hätte wählen sollen – und was wohl passiert wäre, wenn. 

Falls du mit deinem Ergebnis unzufrieden bist, kannst du hier andere Erzählpfade und Enden des Films nachlesen.

Wenn du den Film noch nicht gesehen hast, kannst du hier nachlesen, worum es geht. Für alle anderen: Los geht's!

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vor hast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Zunächst: Welche Entscheidungen sind wichtig, welche nicht?

Die ersten Entscheidungsmöglichkeiten drehen sich um die Auswahl des Frühstücks (Frosties oder Sugar Puffs) und der Musik, die Stefan auf dem Weg in die Stadt hört. Beides völlig irrelevant für den weiteren Verlauf der Story. Doch schon Entscheidung Nummer drei kann zu einem vorzeitigen Ende führen – nämlich dann, wenn du ganz enthusiastisch das Angebot der Gaming-Firma annimmst, das Spiel gemeinsam mit einem Team möglichst schnell auf den Markt zu bringen. Es folgt eine Fernsehsendung, die das übereilt produzierte Spiel sehr negativ rezensiert. Ein Flop, Game over. 

Macht nichts: Es geht immer weiter.

Bei jedem Ende wird man an einen vorigen Teil der Geschichte zurückkatapultiert – manchmal mit schnellem Replay der bisherigen Entwicklungen, manchmal ohne – und bekommt die Chance, einen anderen Pfad zu wählen. Gleichzeitig "lernt" die Story aus deinen vorigen Entscheidungen. Die Charaktere wissen also in der Ausgangssituation mehr als beim vorigen Mal und die Wahlmöglichkeiten des Zuschauers verändern sich in vielen Szenarien. 

Beispiel: Für den Safe im Arbeitszimmer des Vaters werden immer zwei mögliche Codes angezeigt, zwischen denen man sich entscheiden muss. Doch je nachdem, welche Szenen der Protagonist zuvor erlebt hat, ändern sich die möglichen Codes – und jeder davon führt wiederum zu einem anderen weiteren Storyverlauf.

Woher wir das wissen?

Erstens: Wir haben diverse Optionen durchgespielt. Und ja, es war anstrengend. 

Zweitens: Es gibt Menschen auf Reddit, die offenbar seeehr viel Lebenszeit und Hirnschmalz in den Film investiert haben. In diesem Thread werden alle möglichen Enden gesammelt und diskutiert und in diesem ausgeklügelten Diagramm haben mehrere User gemeinsam die unterschiedlichen Handlungsstränge aufgezeichnet, inklusive dem jeweiligen Ende. 

Hier ist ein Eindruck. Die volle Auflösung findest du unter dem obigen Link.

Es kristallisieren sich zwölf mögliche Enden heraus:

  1. Das bereits erwähnte Ende, in dem Stefan das Angebot des Unternehmens annimmt und ein überstürzt produziertes Spiel auf den Markt bringt. 
  2. Stefan schüttet Tee über den Computer, statt seinen Vater anzuschreien – Spiel kaputt, Film vorbei. 
  3. Stefan ist Colin in seine Wohnung gefolgt, hat Drogen genommen und ist vom Balkon gesprungen. Ende, weil tot. 
  4. Stefan ist Colin nicht gefolgt, hat aber die von seiner Therapeutin verschriebenen Drogen genommen, anstatt sie wegzuspülen. Ende. Das Spiel wird in der Gaming-Sendung als durchschnittlich bewertet. Nicht aufregend, genau wie dieses Ende.
  5. Stefan ist Colin nicht gefolgt, spült die Tabletten der Therapeutin weg und hat am Abend des Abgabetags einen Nervenzusammenbruch. Er zerstört den Computer. Ende.
  6. Nach einem seiner Zusammenbrüche ruft Stefan "Gib mir ein Zeichen", auf seinem Bildschirm erscheint "Netflix" und der darauf folgende Dialog mit dem Zuschauer. Bei Stefans nächster Sitzung mit der Therapeutin sagt er, sein Leben werde fremdbestimmt und es entsteht eine ziemlich witzige Kampfszene: Karatefilm meets Wolverine. Es endet mit den Worten "How is that for entertainment, you psychiatric fuck?" – an die Zuschauer gerichtet. 
  7. Selbe Ausgangslage, aber Stefan kämpft nicht gegen die Psychiaterin, sondern springt aus dem Fenster. Es folgt eine Metaebene: Stefan steht auf dem Filmset von Netflix und bereitet sich auf die Kampfszene vor.
  8. Andere Ausgangslage: Stefan hat seinen Vater umgebracht und vergräbt den Körper. Der Nachbarshund findet ihn, Stefan sitzt im Gefängnis, die Gaming-Firma geht an der Sache pleite.
  9. In einer anderen Variante tötet Stefan seinen Vater und zerstückelt die Leiche. Das Spiel erscheint, Stefan wird gefeiert. Der Mord wird zwar entdeckt, aber...
  10. ...der Film geht weiter mit einem Sprung in die heutige Zeit, wo eine Programmiererin das Achtzigerjahre-Spiel neu auflegen will. Irgendwas funktioniert nicht, sie rastet aus und zerstört den Computer – Ende.
  11. Stefan öffnet den Safe des Vaters mit dem Code PAC, findet heraus, dass er Teil eines Experiments war und tötet den Vater. Sein Spiel erscheint, kriegt mittelmäßige Rezensionen, Ende.
  12. Stefan öffnet den Safe mit dem Code TOY, reist in die Vergangenheit zurück, geht mit seiner Mutter mit und ändert dadurch die Gegenwart – stirbt im Stuhl bei seiner Therapeutin.

Allerdings: Auf Reddit wird bereits kommentiert, dass es noch mehr Enden gibt als die im Diagramm aufgezeichneten. Lässt man beispielsweise nach einem Ende den Film weiterlaufen und trifft wieder exakt dieselben Entscheidungen, entstehen trotzdem neue Endungen. 

Aber ganz im Ernst, da sind wir raus. 

Das wird langsam zu anstrengend. Apropos anstrengend: Du kannst den ganzen Film über auch faul herumliegen und keine einzige Entscheidung treffen – die Geschichte läuft trotzdem auf ein Ende zu.



Gerechtigkeit

Kino zeigt "Schindlers Liste" – mit freiem Eintritt für AfD-Mitglieder. Die rasten aus
"Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt."

Sind AfD-Wähler Nazis? Diese Frage meint fast jeder einfach beantworten zu können, mit durchaus unterschiedlichem Ausgang. Je nachdem, wen man fragt. Egal, welche Meinung man dazu hat, die Fakten sagen, dass prominente Mitglieder und Anführer der AfD:

Das Kino "Cinexx" im rheinland-pfälzischen Örtchen Hachenburg hat sich daher einen Weg überlegt, wie man auch AfD-Wählern klarmachen kann, welche Grausamkeiten im Dritten Reich verübt wurden: Ende Januar 2019 zeigt das Kino den preisgekrönten Filmklassiker "Schindlers Liste". Eigentlich für sieben Euro pro Karte. 

AfD-Mitglieder erhalten aber freien Eintritt