Bild: Getty Images

Die italienische Lampedusa-Doku "Fuocoammare" ("Feuer auf dem Meer") hat am Wochenende den Goldenen Bären in Berlin gewonnen. Damit geht zum ersten Mal seit 60 Jahren der wichtigste Preis der Berlinale an eine Doku. Die Schauspielerin Meryl Streep, die der Jury vorsitzt, bezeichnete das Werk als "notwendig" und als das "Herzstück der Berlinale". Der 54 Jahre alte Regisseur Gianfranco Rosi hat den Film gedreht.

Das ist der Teaser zum Film:
Worum geht es?

Der Film erzählt vom Leben auf Lampedusa. Wie wohl kaum ein anderer Ort steht die italienische Mittelmeerinsel für die Flüchtlingskrise. Seit Jahrzehnten kommen hier unzählige Flüchtlinge an, entkräftet, traumatisiert, krank, manche schon tot. Aber der Film konzentriert sich nicht allein auf die Flüchtlinge, sondern begleitet Bewohner der Insel durch ihren Alltag. Einen kleinen Jungen und einen Radiomoderator, die beide nicht direkt mit dem Flüchtlingselend in Berührung kommen. Im Kontrast dazu stehen dann der Arzt, der sich um die Toten und Kranken kümmert, und die Einsatzhelfer auf dem Meer.

Hat der Film den Preis verdient?

Ja und nein. Die Entscheidung der Jury ist keine Überraschung. Die Berlinale beansprucht für sich, ein politisches Filmfestival zu sein, wenn nicht sogar das politischste. Da ist es naheliegend und nachvollziehbar einen Film auszuzeichnen, der eines der größten politischen Themen der Zeit behandelt.

Trotzdem wurde über kaum einen anderen Film so heftig diskutiert. Denn die Doku zeigt verstörende, fragwürdige Bilder: sterbende Flüchtlinge, Frauen, die weinend zusammenbrechen, Elend in Nahaufnahme. Das macht den Film so eindringlich. Doch viele haben sich gefragt: Werden da Persönlichkeitsrechte verletzt? Der Regisseur Rosi sagt dazu: "Der Tod kam zu mir. Und ich fragte mich: 'Filme ich weiter oder höre ich auf?' Nein, es war meine Pflicht, es zu filmen."

Wer hat sonst noch gewonnen?

Großer Preis der Jury (quasi der zweite Platz): "Smrt u Sarajevu" ("Tod in Sarajevo") von Dani Tanovics

Alfred-Bauer-Preis für Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet: "Hele sa hiwagang hapis" von Lav Diaz, mit acht Stunden der längste Film mit dem wohl unverständlichsten Namen im Wettbewerb - auch auf Deutsch: Wiegenlied für das leidvolle Mysterium (in etwa)

Beste Regie: "L'Avenir" ("Die Zukunft") von Mia Hansen-Løve

Beste Darstellerin: die Dänin Trine Dyrholm in Tomas Vinterbergs Kommunendrama "Kollektivet".

Bester Darsteller: Majd Mastoura aus dem tunesischen Wettbewerbsbeitrag "Hedi"

Bestes Drehbuch: das polnische Drama "Zjednoczone stany milosci" von Autor und Regisseur Tomasz Wasilewski

Bester queerer Film: "Kater" von Händl Klaus aus Österreich

Generation 14plus: das Jugenddrama "Es esmu šeit" aus Lettland.

Noch mehr Kino