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Es hätte alles so schön sein können.

Viele Serien haben eigentlich alle Voraussetzungen zum perfekten Binge-Watching-Material: gute Schauspieler, interessante Charaktere und einen spannenden Plot. Doch manche entpuppen sich nach wenigen Folgen oder Staffeln als Enttäuschung. Als Zuschauer wundert man sich: Da war doch so viel Potential! Was ist nur passiert? Wird es nicht doch noch mal besser? 

Unsere Redakteurinnen und Redakteure mussten die Erfahrung machen: Manchmal leider nicht. Und vielleicht können sie euch mit dieser Liste vor einer zeitfressenden Serien-Enttäuschung bewahren.

Diese fünf beliebten Serien konnten unsere Erwartungen leider nicht erfüllen:

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Thembi rollt bei "Girls" mit den Augen.

Lena Dunhams "Girls" hatte versprochen, genau wie unser Leben zu sein: normale Körper, schlechter Sex, Scheitern, Kater und jede Menge Anfang-20-Weltschmerz. All das bekamen wir. Okay, die "Girls" trugen auch Designerpullis, tranken teuren Kaffee und wohnten in fancy Wohnungen, für die sie offenbar nie arbeiten mussten. Aber egal: Hannah dabei zuzuschauen, wie sie zur "Stimme ihrer Generation" oder wenigstens "eine Stimme einer Generation" werden wollte, war witzig, zynisch, klug und unterhaltsam. Nur fehlte etwas: die New Yorker. Als "Girls" gedreht wurde, lebten in New York je ein Viertel Afroamerikaner und Hispanics, jeder zehnte war asiatisch-amerikanisch.

Die "Girls"-Figuren waren dagegen fast komplett weiß und bürgerlich. Mitte der ersten Staffel durften eine Szene lang drei Latina-Nannys für die naive Jesse einen seltsamen Vortrag über gerechte Bezahlung halten, dann ging es wieder um die eigentlichen Themen der Sendung: Sex und Freundschaft. Das ist okay. Aber trotz viel Kritik schaffte es Dunham auch in den späteren Staffeln nicht, sich Charaktere auszudenken, die nicht weiß und privilegiert waren. Stattdessen bekam Shoshana einen Anfall kultureller Aneignung, in dem sie nach Japan zog und sich fortan kleidete wie eine Manga-Figur. 

In Staffel 6 soll Dunham Nicht-Weiße für Klischee-Nebenrollen wie Surflehrer oder Kioskbesitzer gefunden haben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon aufgegeben.

Korinna fand "Arrested Development" eher verwirrend als lustig.

Eine Kollegin empfahl mir "Arrested Development". Sie schwärmte von der hochkarätigen Besetzung (Jason Bateman, Portia de Rossi, Will Arnett) und diesen krassen Witzen. In der Serie geht es um eine wohlhabende Familie, in der wirklich jedes Familienmitglied irgendwie exzentrisch ist. Als der Familienvater wegen Veruntreuung ins Gefängnis muss, versucht einer der Söhne, die Familie zusammen zu halten. Meine Kollegin hatte Lachtränen in den Augen, als sie mir davon erzählte. Auch im Internet fand ich viele gute Kritiken. Also sah ich mir die die ersten anderthalb Staffeln an. Und es war einfach zu viel. 

Die Charaktere sind alle so extrem, dass ich für keinen von ihnen Sympathie entwickeln konnte – geschweige denn mich mit ihnen identifizieren. Ohne Bezugsperson neige ich dazu, nicht mehr richtig aufzupassen. Gab es eine zusammenhängende Handlung? Ich bin mir nicht sicher. Plötzlich waren die Charaktere wieder in irgendeiner merkwürdigen Situation. Und ich daddelte auf meinem Smartphone herum. 

Phil reicht eine Staffel "Man in the High Castle" mehr als aus.

Was wäre, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen und zusammen mit Japan die USA eingenommen hätten? Ganz New York in Hakenkreuz-Flaggen gehüllt? Polizisten in SS-Uniformen? Dieses neue dystopische Szenario inszeniert "Man in the High Castle" wahnsinnig gut. Und genau das ist das Problem. Denn bis auf eine außergewöhnliche Idee und der Faszination am Grauen hat die Serie rein gar nichts zu bieten. Die flache Story fällt in der ersten Staffel bloß nicht sofort auf, weil das Setting so spannend ist.

Ein Beispiel: Eine klassische amerikanische Sechzigerjahre-Familie frühstückt bei strahlendem Sonnenschein Pancakes. Der Vater kommt herein, nimmt sich ein Glas Orangensaft – und trägt dabei Hakenkreuzbinde und SS-Uniform. Absurde Bilder, die fesseln. Doch dieser Effekt lässt nach der ersten Staffel nach, und man beginnt auf die Geschichte zu achten – die flacher ist als bei jedem drittklassigen Krimi auf Tele5. 

Mein Tipp: Erste Staffel gucken und danach abschalten, besser wird es nicht mehr.

Marc ist entäuscht von der Entwicklung von "The Walking Dead".

Die meisten Zombiefilme zeigen immer nur, wie eine Zombieapokalypse ausbricht – nie, was dann passiert. Anders "The Walking Dead". Die Serie spielt Jahre nach dem Ausbruch und thematisiert, wie Menschen immer noch überleben. Dabei geht es um die große Frage: Wie zivilisiert sind wir noch, wenn es die Zivilisation nicht mehr gibt?

Im Mittelpunkt der Serie steht Rick Grimes, der mit seiner Gruppe Überlebender mal mehr, mal weniger moralisch handelt, aber immer auf Gegner trifft, die noch abgestumpfter sind: Hobby-Diktatoren, Panzer-Freaks, Kannibalen. Der Fieseste von allen ist Negan, dem ich aus den Comics schon lange entgegen fieberte. Doch als er dann in Staffel 7 endlich richtig auftrat – wurde es plötzlich langweilig. Die Serie verlor sich in kleinteiligen und langatmigen Scharmützeln. 

Negan wird zwar von Jeffrey Dean Morgan großartig gespielt. Er bekommt nur einfach nicht den Raum, den er verdient. Das liegt wahrscheinlich daran, dass einfach zu viele Charaktere da sind. Und das ist ein Problem. Ab Satffel 6 wuchs der Cast immer weiter an, ohne dass all die Figuren spannend waren. 

Vielleicht braucht es einfach mal wieder eine gute Ladung Tote – immerhin geht es ja hier um die Zombieapokalypse.

Susan bereut ihre an "Pretty Little Liars" verschwendete Lebenszeit.

Ich glaube, es begann an einem verregneten Tag in meinen Semesterferien. Ich sah die erste Folge von "Pretty Little Liars" und dann noch eine und noch eine und noch eine. In der Serie geht es um vier, beziehungsweise fünf Schülerinnen – eine von ihnen ist vor einem Jahr nämlich spurlos verschwunden. Und die anderen stecken da irgendwie mit drin. 

Ich erwartete mir zunächst nur ein wenig schmutzige Unterhaltung. Nach ein paar Folgen dann aber eine ganz große Geschichte. Denn die ehemaligen besten Freundinnen bekommen perfide Drohungen von einer geheimnisvollen Person. Deren Pläne waren so gut durchdacht, dass ich mir einfach nicht erklären konnte, wer dahinter steckte und begeistert miträtselte. 

Die Macherinnen und Macher der Serie wussten allerdings offenbar selbst nicht, wie das alles enden sollte. Die Story wird deshalb immer absurder, Handlungsstränge blieben offen oder widersprachen sich. 

Das Ganze zieht sich über unglaubliche sieben Staffeln. Irgendwann sah ich die Serie nur noch nebenher, beim Spülen oder Kochen. Weil ich aber unbedingt wissen wollte, wer am Ende hinter allem steckt, blieb ich dran. Diese Lebenszeit hätte ich jetzt wirklich gerne wieder zurück.


Streaming

Reeewind: Was passierte nochmal in den ersten beiden Staffeln "Stranger Things"?
Sorry, Netflix: Dein Videorückblick ist maximal verwirrend

Endlich geht es mit "Stranger Things" weiter. Am Donnerstag startete die dritte Staffel der erfolgreichen Netflix-Serie. Die Fans mussten lange warten: Es sind fast zwei Jahre vergangen, seit wir das letzte Mal aus Hawkins gehört haben – die zweite Staffel erschien weltweit am 27. Oktober 2017 (bento). 

Zum Glück zeigt Netflix zu Beginn der neuen Staffel einen Rückblick auf die Ereignisse zuvor. Blöd nur, dass dieser Recap maximal kryptisch ausfällt. Aber keine Angst: Wir lassen dich und deinen Kopf voller Fragen nicht allein.

Hier kommt unsere ultimative Zusammenfassung der ersten beiden Staffeln "Stranger Things".