Bild: Universal Pictures

45 Prozent der Top 100 Blockbuster aus 2015 bestehen den Bechdeltest nicht. Das zeigt eine Analyse von Kelsey McKinney bei "Fusion" (Zum Artikel bei "Fusion").

Was ist der Bechdeltest?

Der Test lässt sich unter anderem auf Filme und Bücher anwenden. Der Test wurde von Allison Bechdel in ihrer Comicreihe "Dykes to Watch Out For" erfunden und besteht aus drei Fragen:

  1. Gibt es in der Geschichte mindestens zwei Frauen, die einen Namen haben?
  2. Unterhalten sich diese zwei Frauen miteinander?
  3. Geht es in ihrer Unterhaltung um etwas anderes als einen Mann?

Können alle drei Fragen mit "Ja" beantwortet werden, ist der Test bestanden. Klingt einfach. Scheint es für Hollywood aber nicht zu sein.

Die "Fusion"-Analyse bezieht sich auf die 100 Kinofilme aus 2015 mit den höchsten Einspielsummen (laut Box Office Mojo). Auf bechdeltest.com prüfte McKinney, wie viele von ihnen den Bechdeltest bestehen. Einen Film sparte sie aus, weil es sich um eine Dokumentation über Affen handelte.

Das Ergebnis

Von den übrigen 99 Filmen fielen 45 beim Bechdeltest durch.

Wie "extrem" die Filme durchfallen, ist unterschiedlich. "Entourage" fiel beispielsweise durch, weil die weiblichen Charaktere des Films miteinander nur über Männer sprechen. "Mission Impossible: Rogue Nation" hat nur eine einzige (benannte) weibliche Rolle und scheitert somit in allen drei Punkten.

Die Zahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert: McKinney unterzog die Topfilme bereits 2014 dem Bechdeltest. 42 der 80 Filme bestanden, 38 fielen durch. (Zum Artikel bei Vox.com)

Positiv bemerkt McKinney die Veränderung von Actionfilmen. 2014 seien "American Sniper", "The Hobbit: The Battle of the Five Armies", und "X-Men: Days of Future Past" allesamt durchgefallen. Die großen Actionfilme aus 2015 – "Jurassic World", "Star Wars: The Force Awakens", "Furious 7" und "Avengers: Age of Ultron" – bestehen den Test.

Die (naja) "gute" Nachricht

Wenn 45 Filme durchfallen (und einer sich mit Affen beschäftigt), heißt das auch, dass 54 Filme den Test bestehen. Das klingt gut.

Allerdings untersucht der Bechdeltest nicht, ob ein Film sexistisch ist, oder ob Frauen darin objektifiziert werden, oder wie wichtig Frauen für den Inhalt eines Films sind. Es reicht schon aus, wenn in einer einzigen Szene zwei Frauen auftauchen, die miteinander über Make-up sprechen. Im gesamten Rest des Films können nur Männer auftauchen, der Bechdeltest wäre trotzdem bestanden.

Ein Beispiel: Fifty Shades of Grey besteht den Test, weil die Protagonistin Ana sich erstens mit ihrer Mutter über ihren Abschluss und zweitens mit ihrer Mitbewohnerin über ihren kaputten Laptop unterhält.

Tatsächlich etwas Mut machen die Top Ten. Unter den zehn Filmen mit den höchsten Einspielsummen ist nur einer, der den Test nicht besteht: "Spectre". 2014 fielen drei der zehn Top-Filme durch.

Übrigens spielen Filme, die den Bechdeltest bestehen, nicht weniger Geld ein als Filme, die durchfallen. Das zeigte eine Analyse von Walter Hickey aus dem Jahr 2013. Hickey untersuchte 1794 Filme, die zwischen 1970 und 2013 erschienen sind. Rund die Hälfte der Filme bestand den Bechdeltest, die Einspielsummen der Filme unterschieden sich nicht. (Zum Artikel bei "FiveThirtyEight")