Bild: ZDF / Sammy Hart
Oder: Die Nacht, in der ich mich in Paula Beer verknallte.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Janas Ausdruck ist klar, keine Tränen. "Sie haben mich gefragt, warum ich Karriere machen will", sagt sie. "Ich weiß es nicht. Aber ich brauch es." Das Gespräch ist beendet, Jana eilt davon.

So sieht eine der vielen Szenen in "Bad Banks" aus. Die Serie, die seit einigen Tagen in den Mediatheken von ZDF und Arte steht und so oft angesehen wurde wie wohl keine andere durch öffentlich-rechtlichen Auftrag produzierte Serie der jüngsten Zeit: mehr als eine Million mal. 

Alle wollen sie sehen, die Geschichte der extremen Jana, einer scharfsinnigen Investmentbankerin, die sich Bissen für Bissen durch das perfide System international tätiger Banken frisst und es zerlegt, hochtalentiert. Und so spektakulär respektlos, dass sich in einigen Momenten kaum entscheiden lässt: 

Ist Jana irre oder genial – oder ist sie das eine nicht ohne das andere?

Es lässt sich kaum aushalten: In "Bad Banks" könnte es jede Minute zu Ende sein, dann bricht die Börse zusammen, dann sind Milliarden futsch, dann ist Jana erledigt. Es gibt viele Gründe, warum diese Serie mitreißt.

1. Weil Paula.

Die Nacht, in der ich mich in Paula Beer verknallte, dauerte lang: Ich schaute ihr vier Stunden zu, schlief ein paar Stunden, schaute dann die letzten beiden Folgen vor der Arbeit. Für Paula Beer hatte ich mir den Wecker gestellt.

Sie ist 22, fünf Jahre jünger als ich, doch bringt sie in wenigen Stunden all die Emotionen rüber, die andere in einem ganzen Leben nicht fühlen: Sie ist verliebt, dann rücksichtslos. Der rasante Aufstieg im Job, die Panikattacken, ihre Schreie, die Gehässigkeit. Der kühle Kopf, das Blut, das von überall fließt, als sie verprügelt wird. Die anfängliche Unsicherheit gegenüber der letzten Folge, in der sie mit kalter Härte über die hinwegfegt, die sie behindern.

Jana (Paula Beer) (Bild: ZDF / Sammy Hart)

All das spielt Paula Beer überzeugend, großartig. Das macht sie zum Vorbild, die Rolle zeigt, zu was wir Frauen in der Lage sein können, ob das rein rechtlich nun vertretbar ist oder nicht. Wir können. Und sollten wir nicht viel öfter? In unserem eigenen Job, wenn wir träumen, fragen, tasten? Welchen Preis hat unsere Moral dann?

Wir können. Und sollten wir nicht viel öfter?

Als sie entdeckt wurde, war Paula Beer noch Schülerin, sie hatte Theaterkurse hinter sich, eine mehrjährige Schauspielausbildung machte sie nie. Sie war offenbar auch so gut, nahm sich, was sie wollte und bekam es. Schnell spielte sie große Rollen an der Seite wichtiger Regisseure ("Poll", "4 Könige", "Frantz") und gewann Preise. Das zeigte mir Google, als ich nach meiner durchzechten"Bad Banks"-Nacht das Internet nach dieser mir bisher Unbekannten absuchte. 

Sie hat grüne Augen, spricht auch Französisch, lebt in Berlin und reitet. Bei Instagram konnte ich sie nicht finden, es gibt keine persönlichen Momentaufnahmen von ihr, keine Vlogs, keine Selfies, kaum Details, was Paula Beer noch ein wenig besonderer macht. – Nike Laurenz

2.  Weil es keine Heldinnen gibt – und keine Helden.

Es ist ja nicht nur Paula Beer. Da sind auch Désirée Nosbusch in der Rolle der Finanzchefin Christelle Leblanc und Mai Duong Kieu als Janas Kollegin Thao Hoang: weibliche Charaktere, die eine Branche voller Männer vor sich hertreiben. 

Es ist erfrischend zu sehen, dass sich die emotionalsten Momente ausgerechnet um zwei Männer drehen: um Janas ehemaligen Chef, der sein Herz an eine Bardame verliert und ihren neuen Chef, der in Jana eine verlorene Liebe sieht. 

Es ist ja nicht nur Paula Beer.

Die Frauen wiederum spinnen skrupellos ihre Intrigen, weil die Welt, in der sie leben, genau daraus gemacht ist. Sie passen sich an – und nutzen das System für sich

Trotzdem sind die Frauen von "Bad Banks" keine Heldinnen. Weder Jana, noch Christelle, noch Thao. Sie sind besessen von Macht, davon, zu gewinnen – ganz so, wie ihre männlichen Kollegen. Das ist das Schöne an der Serie: Ob Frau oder Mann, im Grunde macht es keinen Unterschied. Niemand ist nur gut oder böse, eigentlich sind alle Opfer ihres eigenen Egos – und damit alle gleich. – Julia Wadhawan

3. Weil die Rollenbesetzung so gar nicht ans deutsche Fernsehen erinnert. 

Der Typ, der letzte Woche noch im "Tatort" der überforderten Filialleiter eines Supermarkts war, soll heute schon der millionenschwere Finanzmanager im Anzug sein? Manchmal kranken deutsche Fernsehfilme und Serien daran, dass man die Schauspieler schon zu oft in anderen Rollen gesehen hat.

(Bild: ZDF / KNSK / R. V. Palma / S. Hart )

Einem guten Schauspieler nimmt man viel ab. Aber es gehört schon einiges dazu, um als durchtriebener Investmentbanker oder Topmanager glaubwürdig zu wirken. 

Ein gut sitzender Anzug, das passende Vokabular – dafür sorgt die Produktion, die in diesem Fall mit offenbar ordentlich Geld ausgestattet war. Dazu kommen Schauspieler, die entweder unverbraucht sind, oder denen man den Habitus Topmanager gerne abnimmt.

Sie jetten von Paris nach Brüssel und Frankfurt, bewegen sich sicher in Flughafenlounges, Handelsräumen und Sternerestaurants, ohne dass es aufgesetzt und peinlich wirkt. Es passt einfach.

Der eine deutsche Schauspieler, den man schon oft gesehen hat, ist Jörg Schüttauf. Der gibt den etwas trotteligen Oberbürgermeister von Leipzig, der sich mit einem Immobilienprojekt etwas verhoben hat. Aber auch das: passt gut. – Ole Reißmann


Style

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