Bild: © Frédéric Batier/X Filme 2017

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vor hast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Die Folgen drei und vier von "Babylon Berlin" kurz zusammengefasst 

Gereon Rath weiß immer noch nicht mehr über den Schmuddelfilm, hat sich aber einen Mordfall aufgehalst. Lotte will ihm helfen (und Polizistin werden). Bruno belästigt beide und will sie gegeneinander ausspielen. 

Ansonsten: Armut, Krankheit, Blutmai in Berlin. Auf der Oberfläche und im Trailer mögen glitzernde Partybilder dominieren, aber darunter überwiegen das Elend und die Kloake.

Alle sind so allein. 

Das ist wahrscheinlich das Allerschlimmste. Wenn die größte Wärme und Nähe, die in den beiden Folgen zwischen zwei Figuren auszumachen ist, per Brief kommuniziert wird, dann sagt das ziemlich viel über das Verhältnis der Figuren untereinander. 

Zwar wechseln Gereon und seine Vermieterin Elisabeth bei einem Schnaps ehrliche Worte über Kriegserfahrung und Leid, aber später tuschelt sie mit einem anderen Mieter darüber, ob man sich von Gereon in Acht nehmen muss.


(Bild: © Frédéric Batier/X Filme 2017)

Lotte ist von ihrer Familie isoliert und sitzt alleine, weinend, in einem Kino voller lachender Menschen. Später sucht Oberkommissar Bruno Wolter sie im Moka Efti auf, und diese Szene ist auf ganzer Linie schlichtweg eklig: 

Denn hier wird Macht auf widerwärtige Weise ausgenutzt. Die Macht zwischen Mann und Frau, die Macht zwischen Polizist und Zivilist, die Macht zwischen Wohlhabend und Arm.

Und die Hoffnung, Gereon und Lotte könnten so etwas wie Vertrauen aufbauen? Sie geht verloren, als Bruno Lotte instrumentalisiert, um Gereon auszuspionieren. So allein, so allein. 

(Bild: © Frédéric Batier/X Filme 2017)

Alles ist ocker.

Statt die Serie mit Glitzer zu überziehen, haben die Macher sie in ocker gestrichen: Die Büros im Präsidium, die Zimmer im Haus von Elisabeth, die Wohnung der Wolters: Alles ist braun und orange und zugestellt. Manchmal wünscht man sich fast, Babylon Berlin wäre ein bisschen weniger real. 

Ein bisschen schöner. Ein bisschen berauschender. 

Leiche im Fluss? Stört (fast) keinen.

Der Lokführer aus dem Zug voller Gold ist jetzt tot. Und es stört keinen. Ist ja nur ein Russe. 

Die politischen Parallelen zur Gegenwart sind unheimlich.

Der Polizeipräsident bereitet seine Belegschaft auf den ersten Mai vor. „Radikale Kräfte versuchen seit Jahren unseren Staat zu unterhöhlen“, sagt er, und irgendwie hört sich das viel näher an. Ist das 1929 oder 2017?

Hier steht eine Stadt, und dahinter wohl ein Land, auf der Kippe zwischen Demokratie und Extremismus. Unschuldige werden erschossen. Wer helfen will, so wie etwa eine Armenärztin, muss sich dafür von Ordnungshütern beschimpfen lassen. Das alles scheint unheimlich und beklemmend bekannt. 

Die Handlung bei "Babylon Berlin" stockt.

Am Ende von Folge 4 wissen wir kaum mehr über das große Ganze der Handlung als nach den ersten beiden Episoden. Gereon ist in seinem Fall nicht wirklich weitergekommen, der Besuch bei „Mutti“ war wenig befriedigend (pun intended).

Statt seinen ersten Fall zu verfolgen, halst sich Gereon einen zweiten auf. So wie Bruno ihn dabei sabotiert, wird das Fortkommen hier wohn auch mühsam sein.

Nicht nur der Zug voll Gold liegt auf halber Strecke.

… und warum das alles gar nicht schlimm ist

Es dürfte nun auch dem letzten klar sein, dass Babylon Berlin bei weitem nicht so rasant ist, wie der Trailer es vermuten ließ. 

Dass den Figuren Vertraute fehlen, macht es schwer, einen Zugang zu ihnen zu finden, und die stockende Handlung ist frustrierend. Die Farbgebung ist fad und die politische Situation in Berlin nicht nur auf historische Weise deprimierend.

Und das ist okay. Das ist sogar gut.

1/12

Genauso, wie jede der Figuren (gezwungenermaßen) auf sich gestellt, macht auch die Serie ihr eigenes Ding. Klar, viele Elemente erinnern an andere, aber Babylon Berlin ist kein Remake. Oder, noch schlimmer, ein zusammengewürfelter Cocktail dessen, was anderswo funktioniert hat. 

Sie greift nicht nur Entwicklungen des Genres auf, sondern versucht diese weiterzuspinnen, auf ihre eigene Art – und dafür hätte sie das Berlinerisch gar nicht so dick auftragen müssen. 

Babylon Berlin versucht nicht zwanghaft, zu gefallen. Und das macht sie Serie über die eigentliche, bisher noch nicht wahnsinnig ergiebige Handlung hinaus, sehr, sehr spannend.


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