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Die 16-jährige Lea van Acken ist jetzt im Kino zu sehen

Lea van Acken hat die Rolle der Anne Frank im neuen Film von Hans Steinbichler bekommen. Wir haben die Jungschauspielerin in Hamburg getroffen, um mit ihr über das weltberühmte Tagebuch und ihre Rolle zu sprechen.

Du bist jetzt 16 Jahre alt. Interessierte dich die Geschichte der Anne Frank vor dem Casting überhaupt?

Ich kannte den Namen Anne Frank, ja. Als Vorbereitung habe ich das Tagebuch gelesen und dachte mir: "Was wäre das für eine tolle Rolle? Was für ein unglaubliches Mädchen!" Nach dem dritten Casting habe ich die Zusage bekommen. Das war eine riesige Ehre.

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Regisseur Hans Steinbichler hat das weltberühmte Tagebuch (Original: Het Achterhuis) verfilmt und damit ein unerwartet persönliches Portrait erschaffen. Trotz der Schwere der historischen Ereignisse schreckte er nicht davor zurück, die Geschichte eines außergewöhnlichen Mädchens aus subjektiver Perspektive zu erzählen. Der Zuschauer kommt der schreibenden Anne dadurch sehr nah. Sie erlebt Krieg und schmiedet gleichzeitig Zukunftspläne. Grenzt sich von ihrer Familie ab, um sich ein paar Zimmer weiter zum ersten Mal zu verlieben.

Ist es dir schwergefallen, in Annes Rolle zu schlüpfen?

Ich dachte mir, dass ich mir doch nicht anmaßen kann, das Schicksal eines Mädchens zu spielen, das so Schreckliches durchmachen musste.

Es gab Tage, da habe ich gedacht: Ich schaffe es nicht. Das ging zum Glück wieder weg. Ich konnte mich freimachen, das lag auch an den tollen Kollegen und am Regisseur Hans Steinbichler.

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Wie sind die Dreharbeiten verlaufen?

Ich wusste, ich bin jemand, der sehr selbstkritisch ist. Der aus einer Szene rausgeht und denkt: "Gott, was hab ich da getan?" Aber bei Hans konnte ich mich komplett fallen lassen. Wir hatten so eine gute Verbindung.

Inwiefern konntest du der Person Anne näher gekommen?

Ich habe angefangen, ihr Briefe zu schreiben, um eine Art Freundschaft aufzubauen. Um ihr auch etwas von mir zu erzählen. Ich habe mir ihre Gedanken herausgeschrieben und studiert. Jetzt ist das Tagebuch eine Art Bibel für mich, ich habe das Buch vier Mal gelesen. Anne inspiriert mich.

​Wovon handelt das Tagebuch?

Anne Frank wurde am am 12. Juni 1929 als Kind deutsch-jüdischer Eltern geboren. Sie musste bereits sehr früh erfahren, wie es ist, wegen seines Glaubens verfolgt zu werden. Die Familie emigrierte aus Frankfurt am Main nach Amsterdam, um dort ein normales Leben zu führen. Bis zum Tag, als Annes Schwester Margot ins Arbeitslager deportiert werden soll. Otto Frank beschließt daraufhin, mit seiner Familie unterzutauchen. Mit Hilfe seiner Sekretärin Miep Gies und anderen Mitarbeitern hat er dafür wochenlange Vorbereitungen getroffen. Über zwei Jahre versteckte sich die Familie des Mädchens gemeinsam mit vier weiteren Bekannten. Als Unterschlupf diente das Geschäftshaus des Vaters. Dort schrieb Anne ihre Erfahrungen auf.

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Führst du selbst Tagebuch?

Ich wollte immer schon gerne schreiben, Dinge festhalten. Ich konnte mich aber nie dazu aufraffen. Dann habe ich angefangen - als Vorbereitung - Tagebuch zu schreiben.

Anne war für ihr Alter sehr reflektiert. So hinterfragt sie Gedanken und kritisiert ihre eigenen Tagebucheinträge. "Ich weiß, was gut und nicht gut geschrieben ist. Niemand, der nicht schreibt, weiß, wie fein es ist, zu schreiben."

Ich musste beim Lesen oft überlegen: Wie alt war Anne noch mal? Was sie geschrieben hat und wie sie geschrieben hat, das ist schon unglaublich.

Anne Frank wird aufgrund ihres jüdischen Glaubens ausgegrenzt und verfolgt. Im Stadtbad Mödling, in Niederösterreich, hing Ende Januar ein Zettel, der den Eintritt für "Menschen mit Migrationshintergrund" ausschließlich in Begleitung von "entsprechenden Begleitpersonen" erlaubt.

Das ging nach hinten los - womit das Stadtbad in Mödling grad einen Shitstorm auslöst:

Posted by Wir helfen. on Freitag, 22. Januar 2016

Das ist nicht wirklich passiert? Ich bin grad ein bisschen baff. Ich finde, dass man von Annes Geschichte lernen kann, wohin dumpfe Fremdenfeindlichkeit und Rassismus führen. Unsere Generation hat keine Schuld mehr in dem Sinne, aber wir müssen uns der Geschichte immer bewusst bleiben und es anders machen. Aufpassen, dass es nie wieder passiert. Solche Ereignisse wie in dem österreichischen Schwimmbad zeigen, dass die Menschen leider nicht gelernt haben. Man muss versuchen, dagegen anzugehen, finde ich. Mit Bildung, Filmen und Büchern.

Als Anne Frank in den Auffanglagern ankommt, wird ihr der Kopf geschoren. Wie hast du dich dabei gefühlt?

Das Schädelrasieren war für mich ein Akt der Entweiblichung und Brutalität. Diese schreckliche Atmosphäre, die da geherrscht hat, war unglaublich. Ich stand da in dieser Gruppe und sehe, wie meiner Film-Schwester die Haare geschoren werden. Ich war so fertig, ich konnte nicht mehr. Ich bin rausgegangen und habe hyperventiliert.

Was ist dann passiert?

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, mich doch noch auf diesen Stuhl zu setzen. Nicht, weil ich dachte: "Oh Gott, jetzt werden mir die Haare abrasiert" - sondern weil es so schlimm war, wie Stella auf diesem Stuhl saß und ihr die Haare abrasiert worden sind. In dem Moment fand ich es wichtig, dass Anne etwas Starkes hatte. Dass ich da auch nicht geweint habe. Anne lebt durch ihr Tagebuch weiter.

(Bild: Universal)
Anne wollte eine berühmte Schriftstellerin werden. Das kommt auch im Film rüber. Wie gehst du in der Schule mit deiner eigenen Berühmtheit um?

Es wird schon mal gefragt. Aber in der Schule bin ich komplett Lea. Ich sage nach einem Dreh nicht: "Ich will das jetzt erzählen!" Mir ist das eher unangenehm und frage nach, was ich in Mathe verpasst habe.

Weißt du schon, was du nach dem Abitur machen möchtest?

Im Moment genieße ich es noch, mit den Rollen lernen zu können. Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, ich brauche Technik, oder mehr Erfahrung, dann hätte ich schon Lust auf Schauspielschule. Vielleicht im Ausland.

Wie bist du zum Schauspielern gekommen?

Ich habe 2011 im Freilichttheater eine Komparsenrolle gespielt, bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Da war ich zwölf. Ich fand das faszinierend, habe mich dann bei Agenturen beworben und wurde im Endeffekt genommen.

(Bild: Universal)
Was denkst du. Wirst du jetzt berühmt?

Nein, also ich glaub nicht. Ich kann es nicht einschätzen. Meine Motivation ist, tolle Rollen spielen zu können. Wenn das Bekanntheit bringt, ist das natürlich super.

An welchen Vorbildern orientierst du dich bei deiner Arbeit?

Ich mag Audrey Hepburn sehr gerne. Eine der besten Filme, die ich gesehen habe: Ein Herz und eine Krone. Sie war für mich der Inbegriff von einem Star. Alles an ihr. Ich mag aber auch Jennifer Lawrence sehr gerne, Christoph Walz, Leonardo DiCaprio. Wir haben auch hier in Deutschland super viele tolle Schauspieler. Ich meine junge so wie große: Ulrich Nöthen, Jonas Nay. Ich sitze oft vor dem Fernseher oder im Kino und mir fällt einfach so die Kinnlade runter. Das sind auch tolle Momente.

Hans Steinbichler: Das Tagebuch der Anne Frank
Universal Pictures International Germany
Kinostart: 03. März 2016

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