Bild: Amazon/bento
Wir haben die erste Folge von "The Tick", "I love Dick" und "Jean Claude Van Johnson" angeschaut

Was wird das nächste große Ding? Amazon lässt regelmäßig seine Serien-Junkies mitentscheiden. Im Rahmen der sogenannten Pilot Season veröffentlicht der Streaming-Dienst neue Pilotfolgen, von denen allerdings nur die beliebtesten auch tatsächlich in Serie gehen.

Aus dieser Abstimmung ging 2015 "The Man in the High Castle" hervor, die Romanverfilmung der Nazi-Dystopie kam bei den meisten Zuschauern an. (Hollywood Reporter) Nach einer erfolgreichen ersten Staffel produziert der Streaming-Dienst nun eine zweite, die im Dezember erscheint.

Demnächst wird Amazon den Gewinner bekannt geben, entschieden wird zwischen diesen drei Komödien:

Wir haben die Pilotfolgen für euch angeschaut und geben eine Kurz-Prognose ab:
"The Tick"
(Bild: Amazon)

Worum geht's?

"The Tick″ ist eine der langlebigsten Superhelden-Parodien überhaupt. Amazon könnte nun der Kultfigur einen Reboot spendieren. In der Welt von ″The Tick″ gehören Superhelden und -schurken zum Alltag, doch der Held der Serie hat keine Superkräfte: Arthur Everest (Griffin Newman) ist ein einfacher Angestellter, der überzeugt ist, dass seine Stadt heimlich von einem totgeglaubten Bösewicht kontrolliert wird. Während alle anderen ihn als verrückt abstempeln, macht Arthur sich daran, die Wahrheit aufzudecken. Dabei begegnet er einem spleenigen Superhelden-Klischee namens The Tick (Peter Serafinowicz). Und das blaue Muskelpaket will Arthur zu seinem Sidekick machen.

Autor Ben Edlund, Erfinder von ″The Tick″, schreibt auch für die neue Amazon-Serie. Man darf also davon ausgehen, dass die Welt des überdrehten Superhelden hier auch so dargestellt wird, wie er sich das vorstellt.

Was halten wir davon?

"The Tick" ist ein fleischgewordener Cartoon. Alles ist bunt, laut und immer eine Spur too much, ohne, dass einer der überzogenen Charaktere sich daran stören würde. Das macht den Protagonisten Arthur gleich noch sympathischer – Newman spielt ihn als ängstlichen, leicht neurotischen Durchschnittstypen, der durch eben diese Eigenschaften zu einer der normalsten Figuren in "The Tick" wird. In Arthur kann sich jeder hineinversetzen. Im krassen Gegensatz dazu steht Titelheld Tick, der nur in Plattitüden spricht und mit Vorliebe die Muskeln spielen lässt – seit Adam West Batman verkörperte, war ein Superheld wohl nicht mehr so drüber. Aber: Arthur und Tick geben ein grandios seltsames Paar ab und hätten eine Serie sicher verdient.

In der Slideshow: So sieht "The Tick" aus
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"Jean Claude Van Johnson"
(Bild: Amazon)

Worum geht's?

Unter dem Decknamen Johnson war Action-Star Jean Claude Van Damme jahrelang auch als Privatdetektiv und Agent für besonders brenzlige Fälle tätig und verteilte dabei natürlich auch so manchen Roundhouse-Kick. Inzwischen ist der alternde Van Damme im Ruhestand. Doch als seine verflossene Geliebte Vanessa (Kat Foster) eines Tages auf der Matte steht, erklärt Van Johnson sich bereit, für eine letzte Mission zurückzukehren.

Was halten wir davon?

Schon in der überraschend starken Tragikkomödie ″JCVD″ zeigte Van Damme, dass er am besten ist, wenn er sich selbst spielt. Genau dieses Konzept geht auch im Amazon-Piloten direkt auf. Van Damme genießt die Rolle des exzentrischen Alt-Stars sichtlich, macht aber auch als martialischer Geheimagent eine gute Figur. Seine Kicks können sich jedenfalls immer noch sehen lassen.

Die Story ist natürlich hanebüchen – das macht aber nichts, weil sie nicht im Vordergrund steht. "Jean Claude Van Johnson" bietet vor allem markige Sprüche und deftige Action im Stil der Achtzigerjahre. "Keiner wird sterben", verspricht Van Damme beispielsweise, während er sich auf seine Rückkehr ins Agenten-Geschäft vorbereitet. "Außer all den Leuten, die ich töten werde".

Was Stallone, Schwarzenegger und natürlich Van Damme selbst früher als bitteren Ernst verkauften, wird hier aufgewärmt und aufs Korn genommen. Diese Ironie könnte "Jean Claude Van Johnson" zu Action-Unterhaltung für all jene machen, denen Action-Unterhaltung normalerweise zu stumpf ist. Ob das Konzept aufgeht, wird der Erfolg des Piloten zeigen.

Im Video: Der Trailer zu ″Jean Claude Van Johnson″
"I love Dick"
(Bild: Amazon)

Worum geht's?

Die Romanverfilmung "I Love Dick" ist gar nicht so pubertär wie der eindeutig zweideutige Titel vermuten lässt. Die Serie erzählt die Geschichte von Chris Kraus (Kathyrn Hahn), die mit ihrem gediegen-langweiligen Ehemann Sylvere (Griffin Dune) nach Texas zieht – und sich dort direkt in den coolen Dick verknallt. Den alternden Badboy spielt Kevin Bacon.

"I Love Dick" gilt als feministischer Schlüsselroman. Es bleibt abzuwarten, ob die Amazon-Adaption mithalten kann. Mit der vielfach ausgezeichneten "Transparent″-Schöpferin Jill Soloway ist jedenfalls schon mal ein starker kreativer Kopf an Bord.

Was halten wir davon?

Viel mehr als ein Kennenlernen der Hauptfiguren hat die Pilotfolge nicht zu bieten. Mehr braucht sie aber auch nicht, denn die Chemie der Charaktere fesselt von Anfang an.

Bacon könnte in Dick die Rolle seines Lebens gefunden haben. Er ist zugleich smart und schleimig, tiefsinnig und oberflächlich, interessant und abstoßend. Wenn Dick erläutert, er habe seit zehn Jahren kein Buch gelesen und betrachte sich selbst als “post-Idee”, fragt man sich zwar, wie jemand solchen Schwachsinn von sich geben kann, findet das Statement aber trotzdem irgendwie cool. Als Zuschauer kann man erschreckend einfach nachvollziehen, warum Chris sich in Dick verguckt. Ebenso instinktiv ahnt man allerdings auch, dass die Sache schief gehen muss. Am liebsten möchte man nach der Episode direkt weiterschauen.

Im Video: Der Trailer zu "I love Dick"
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