Das vermuten wir zumindest, nachdem wir die erste Folge geschaut haben.

Die Daily Soap gilt nicht unbedingt als Königsklasse des Fernsehens. Kenner des Genres wissen aber um ihre Vorzüge: In Folgen erträglicher Länge werden tagtäglich Geschichten erträglicher Komplexität erzählt. Dabei geht es ausschließlich um Dinge, mit denen sich wirklich jeder identifizieren kann (Liebe! Eifersucht! Probleme in der Schule! Auftragsmord! Was passiert, wenn man aus Versehen mit dem eigenen Vater schläft!). 

Umso besser also, dass Sat.1 mit "Alles oder nichts" eine neue Serie ins Rennen schickt, die ab sofort montags bis freitags um 18.30 Uhr die Lücke zwischen "Unter uns" und "Alles was zählt" füllt. Und von Letzterem zumindest vom Namen her nur minimal abweicht, so dass Zuschauerinnen und Zuschauer hoffentlich beste Vorabend-Unterhaltung erwarten.

Darum geht's in "Alles oder nichts":

Ein Flugzeug stürzt ab, mit ihm ein schwerreicher Geschäftsmann. Sein Tod bleibt, natürlich, nicht ohne Folgen. Denn der gute Mann hinterlässt in Berlin nicht nur seine Familie, sondern auch allerlei uneheliche Kinder, die nun neben einer Identitätskrise auch noch ein unverhoffter Geldsegen erwartet. 

Und wird das so gut wie "GZSZ" und andere Qualitäts-Soaps?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich schwer zu sagen. Aber die erste Folge haben wir uns angeschaut – und es spricht schon einiges dafür:

1 Der gut verständliche Konflikt

Das Leben ist wirklich kompliziert genug. Schön, wenn man wenigstens im Fernsehen immer weiß, wo oben und unten ist. Bei "Alles oder nichts" klappt das wunderbar. Die wichtigsten Pole heißen hier: arm und reich. Und sind glücklicherweise sehr gut auseinander zu halten.

  • Die Armen wohnen im Fliesentisch-Ambiente und teilen sich einen einzigen Computer. Sie haben Jobs wie "Klo-Putzerin", "Obdachloser" oder "Currywurst-Verkäufer".
  • Bei den Reichen zuhause ist hingegen alles aus purem Gold. Ihre Hobbys sind Champagner trinken oder mit Aktionären reden.

Zuhause bei McMoneys.

(Bild: Sat.1)

Dass es zwischen diesen beiden Welten zu Reibereien kommen wird, ist so offensichtlich wie die Absichten von Jo Gerner und auch der Grund, dass wir uns jetzt schon die Hände reiben.

2 Die Sympathieträgerin: Tough Jenni

Achtung, gleich kommt der Finger!

(Bild: Sat.1)

Jenni möchte man von Anfang an einfach nur zujubeln. Gleich bei ihrem ersten Auftritt vermöbelt die preisgekrönte Boxerin einen zwielichtigen Kerl, der ihren Arsch filmt. Das Level kann sie im weiteren Verlauf der Folge mühelos halten, nach und nach rechnet sie mit ihrem Chef, ihrem Bruder, ihrem Vater und ihrer Mutter ab. Selbst wenn es irgendetwas geben würde, dass uns an Tough Jenni nicht gefällt, würden wir es nicht äußern. Aus Angst.

Ein Zitat, das alles über sie aussagt: "Ihr könnt mich mal."

3 Das Hassobjekt: Goldjäckchen Schleimhaar

Ja, er trägt wirklich Goldjäckchen.

(Bild: Sat.1)

Goldjäckchen Schleimhaar heißt eigentlich anders (entweder Volker oder Sean, oder vielleicht auch ganz anders) und ist einfach das Letzte. Sein Vater ist gerade gestorben, er geht trotzdem erst mal in den Club. Dort zwinkert er dem Kellner zu, während er Champagner bestellt, und hat die ganze Zeit eine Sonnenbrille im Haar stecken. DIE GANZE ZEIT.

Ein Zitat, das alles über ihn aussagt: "Ich bräuchte noch Geld. So tausend Euro müssten reichen."

4 Der Jo-Gerner-hafte Bösewicht

An dieser Stelle schwächelt "Alles oder nichts" noch: Eigentlich hat der Kerl, der am Flughafen sitzt und wichtig wirkende Informationen über den Verbleib einer mysteriösen Geldsumme ins Telefon bellt, das Potenzial zum gewieften Strippenzieher. Erste Zweifel kommen jedoch auf, als er bei WhatsApp verdächtig viele Herzchen- und Kuss-Emojis verschickt. Vollständig verpufft die Hoffnung, als er in der nächsten Szene mit einem Flugzeug im Meer versinkt. 

Schade. Wir hätten gern mehr von dem Mann mit dem Siegelring gesehen.

Ein Zitat, das alles über ihn aussagt: "Ich hab das Geld, verdammt."

5 Der Gänsehaut-Moment

Soaps sind nichts ohne große Gefühle. Wenn ich nicht mindestens einmal pro Folge Gänsehaut habe, bin ich raus.

Aber auch hier liefert "Alles oder nichts" ab. Schon bei 1:55 ist es so weit. Die Mittel sind zwar denkbar einfach (Frau sieht Bilder von einem Flugzeugabsturz, jemand kommt auf sie zu, sagt nur "Ihr Mann…", sie weiß gleich, was sich der andere nicht zu sagen traut, Schock und das Ringen um Fassung spiegeln sich in ihrem Olivia-Wilde-gleichen Gesicht…). Aber hey – Gänsehaut ist Gänsehaut.

6 Die Liebesprognose

Kein Mensch will eine Daily Soap sehen, in der nicht geliebt wird. Bei "Alles oder nichts" versprechen vor allem zwei Paarungen große Gefühle:

  • Tough Jenni und der Anzugheini: Nachdem sich Jenni in unsere Herzen geboxt hat, interessiert uns natürlich besonders, wem sie ihr Herz schenken wird. Schon am Ende der ersten Folge wird klar: Der Glückliche wird Anzugheini sein, ein enger Vertrauten der schwerreichen Witwe.

    Unsere Prognose:
    Er im Anzug, sie im Boxring: Diese Liebe wird es nicht leicht haben. Vermutlich muss er erst mal seine tussige PR-Beraterinnen-Freundin verlassen, um dann irgendwann zu merken, dass Tough Jenni diejenige ist, der sein Herz gehört, weil sie die einzige ist, die ihn so liebt, wie er ist, seiner dunklen Vergangenheit (Waisenkind, Identitätsraub, Cum-Ex-Geschäfte) zum Trotz.

Only youuuuu...

(Bild: Sat.1)
  • Stripperanja und ihr Freund mit den Tattoos und dem ausgedacht klingenden Namen: Auf den ersten Blick scheint hier alles in Ordnung. Shopping, Clubbing, Strippen – die zwei machen einfach alles zusammen. Doch es gibt auch Wolken am Horizont. Stripperanjas unerfüllten Kinderwunsch zum Beispiel. Oder die Tatsache, dass ihr Freund sich offenbar weigert, auch in Außenräumen irgendetwas anderes als ein Unterhemd zu tragen.

    Unsere Prognose: Stripperanja wird mit den neuen finanziellen Möglichkeiten "etwas aus sich machen" wollen und die Strapse an den Nagel hängen. Ihr Freund mit den Tattoos und dem ausgedacht klingenden Namen wird Schwierigkeiten haben, mit seiner Freundin mitzuhalten, und sich in eine unwahrscheinliche, aber umso leidenschaftlichere Affäre mit einer anderen Frau (die trauernde Milliardärswitwe? ihre minderjährige Tochter?) stürzen.

Okay – und wer sollte nun "Alles oder nichts" schauen?

Die Liste zeigt: "Alles oder nichts" hat eigentlich alles, was eine gute Soap ausmacht. Im Kern ist es "Alles was zählt", nur eben ohne die nervige Eishalle.

AON, wie wir es von nun an nennen werden, könnte aber möglicherweise ein bisschen krasser werden als andere Soaps: Auf der einen Seite die boxende Jenni, auf der anderen die Bonzen im Trumptower-Pendant. Die soziale Kluft klafft kilometerweit. Gleich in der ersten Folge wird geprügelt, demoliert, der Stinkefinger gezeigt.

Wird "Alles oder nichts" das "GZSZ" für alle, die schon immer mal Jo Gerner in die Fresse schlagen wollten?

Wir bleiben dran.

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Vier Fragen und vier Antworten zu der Kunstaktion

"Überall droht Gefahr. In Parks, auf öffentlichen Plätzen, sogar in den eigenen vier Wänden – nirgendwo ist es sicher. Die drohende Gefahr lauert überall." 

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