Disney hat sich alle Mühe mit dem Hauptdarsteller für den neuen "Aladdin"-Film gegeben. 2000 Schauspieler sahen sich die Filmemacher an – bis sie sich endlich für den in Ägypten geborenen und in Kanada aufgewachsenen Mena Massoud entschieden.

Massoud soll nun Aladdin spielen, den Straßenräuber, der mit Dschinnis Hilfe - Spoiler-Alarm - am Ende das Herz der Sultanstochter erobert.

Der Grund für die lange Suche: Der Schauspieler sollte nicht nur singen und tanzen können, sondern Wurzeln im Nahen Osten haben. Damit der Film echter wirkt und kein käseweißer Schauspieler durch die Souks der fiktiven Stadt Agrabah stolpert.
 
Nette Idee - aber an diesem Film ist überhaupt nichts echt. In "Aladdin" erfährt man ungefähr so viel über den Nahen Osten wie in "König der Löwen" über die Tierwelt Ostafrikas. Warum "Aladdin" nur eine Geschichte ist:

1

"Aladin und die Wunderlampe" wurde von einem Franzosen geschrieben.

Bis heute ist es eine Sammlung von Märchen, die das Bild vom Orient in Europa prägt: 1001 Nacht. Daher kennen wir "Aladin und die Wunderlampe", auch wenn die Geschichte eigentlich gar nicht dazugehört. Als der Orientalist Antoine Galland Anfang des 18. Jahrhunderts mit "Les mille et une nuits" die erste Übersetzung von 1001 Nacht anfertigte, fügte er sie kurzerhand hinzu.

Als Vorlage dienten ihm mündliche Überlieferungen der arabischen Welt, ebenso wie aus den Orient. Oft waren das allerdings Fantasien seiner französischen Landsleute. Heutige arabische Versionen von Aladin sind Übersetzungen des französischen Originals. Nicht andersherum.

2

Aladin stammt nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus China.

Der Straßenräuber im Märchen kommt gar nicht aus der arabischen Welt. Gleich im ersten Satz wird Aladin als Sohn eines Schneiders beschrieben, der "in einer großen Stadt in China lebte". Unklar ist, an welche Region Galland dachte, als er Aladin zum Chinesen machte. Die verbreitetste These: Aladin ist Uighure aus der muslimischen Provinz Xinjiang. Sicher ist auf jeden Fall: Ein Araber ist der Aladin aus Tausendundeiner Nacht nicht.

Aladin in einer deutschen Übersetzung von 1912, gemalt von Max Liebert(Bild: Project Gutenberg )

3

Die Stadt in Disneys Aladdin ist vor allem indisch.

Man kann an dieser Stelle einwenden, dass Disney keine Adaption eines Märchens aus dem 18. Jahrhundert dreht, sondern die Realverfilmung eines Zeichentrickfilms aus den Neunzigern. Von chinesischen Provinzen fehlt im 1992 erschienen "Aladdin"-Film jede Spur. Stattdessen spielt die Geschichte in Agrabah. 

Agrabah ist zwar ausgedacht, was aber einige Menschen nicht davon abhält, die Stadt in Schutt und Asche legen zu wollen. Während des Wahlkamps in den USA wurden 532 Republikaner fieserweise gefragt, ob sie eine Bombardierung Agrabah befürworten würden. 30 Prozent sagten ja. (Guardian)

In der realen Welt wäre dann ein Krieg mit der Atommacht Indien unausweichlich: Denn neben dem iranischen Isfahan und Baghdad im Irak zählten Disneys Zeichner vor allem eine Stadt zu ihren Einflüssen: Agra. Die indische Metropole war nicht nur Namensgeber für Agrabah. Mit ihrem weltbekannte Taj Mahal lieferte sie die Vorlage für Disneys Sultanspalast. 

4

Aladdin ist eigentlich Tom Cruise.

Als bekannt wurde, dass der Brite Tom Hardy für die Rolle des Bösewichts Dschafar im Gespräch war, hagelte es Kritik: "Whitewashing" sei das, ein Weißer würde eine Figur spielen, die ganz offensichtlich gar nicht weiß sei.

Nur lagen die Kritiker damit falsch: Denn die Ursprünge des Oberbösewichts liegen im 1940 erschienenen Film "Der Dieb von Bagdad". Disney hatte die Figur aus dem britischen Abenteuerfilm übernommen, gespielt wurde sie vom deutschen Schauspieler Conrad Veidt.

Auch die Hauptfigur Aladdin ist ein popkulturelles Mash-up und kein authentisches kulturelles Abbild. Der Walt-Disney-Biograf Bob Thomas verriet, dass Disneys Zeichner sich ihre Inspirationen für die Figur des Aladdin vor allem von amerikanischen Teenie-Idolen der Neunziger holten. Aladdins weite Pumphosen seien beispielsweise vom Rapper MC Hammer inspiriert. Und auch im sonstigen Aussehen des Titelhelden steckt kaum arabischer Straßenjunge: Die Vorlage für Aladdin lieferte stattdessen der amerikanischen Schauspieler Tom Cruise.

5

Wenn Märchen authentisch wären, wären sie keine Märchen.

Die ernüchternde Botschaft für alle, die Aladdin bisher für einen Einblick in den Nahen Osten hielten: Der Straßenräuber mit der Lampe ist nicht nur einem westlichen Orient-Klischee, sondern auch noch einem lebenden Hollywood-Beau nachempfunden.

Flieg' mit mir um die Welt
Aladdin

Die gute Nachricht: Der Film probiert erst gar nicht, den Nahen Osten abzubilden. Im Amerikanischen ist von "Middle East" die Rede – und das ist ohnehin nur eine Bezeichnung, die sich ursprünglich das Militär ausgedacht hat. In der Region, die damit gemeint ist, gibt es ganz unterschiedliche Kulturen. Sie reicht von Marokko bis nach China. 

Stattdessen bastelt sich Aladdin eine französisch-­chinesisch-­indisch-­arabisch-­britisch-­amerikanische Patchwork-Welt.


Style

Frauen sollen beim Friseur genauso wenig zahlen wie Männer
Ein Friseur in Kanada hat da ein gutes Konzept.

Meine Haare sind kurz. Meine Haare sind fein. Meine Haare zu schneiden, dauert ungefähr 8 Minuten – das Wichtigste ist mir, dass sie mir nicht ständig ins Gesicht fallen und dass ich nicht völlig verwahrlost aussehe.

Die Haare meines Freundes sind lang. Die Haare meines Freundes sind dick, lockig und zahlreich. Die Haare meines Freundes zu schneiden, dauert ungefähr eine Stunde – weil er ständig meckert, und weil die Frisur für ihn nicht nur Haare, sondern ein Statement sind.

Und trotzdem zahlt er bei jedem Friseur weniger als ich – manchmal sogar die Hälfte. Das finde ich ungerecht.