Aus den Augen, aus dem Sinn: Wenn die alten und kranken Verwandten im Altenheim oder eine Pflegeeinrichtung untergebracht sind, denken viele Menschen nicht mehr an sie, an ihre Wünsche und Ängste. Als wären Oma, Opa, Tante und Onkel einfach verschwunden.

Das neue Video des Regiestudenten Eugen Merher von der Filmakademie Baden-Württemberg zeigt eindringlich, dass das ein Fehler ist. Es geht um die Geschichte eines Ex-Läufer: Im Heim denkt er über die gute alte Zeit und seine gelaufenen Marathons nach, eigentlich sollte es ein Werbevideo für Adidas werden.

Hier ist das Video:

Solche "On-Spec" Videos haben an Filmschulen eine lange Tradition, sie werden ohne Zustimmung der beworbenen Marken produziert. Klar: Gut gemachte Produktionen sind eine hervorragende Übung und gleichzeitig Initiativbewerbung für die Film- und Regiestudenten.

Manchmal klappt das sehr gut, wie im Fall der "Johnny Walker"-Werbung, der ebenfalls an der FABW studierenden Daniel Titz und Dorian Lebherz. Das Video ging viral und wurde international gefeiert.

Anders bei der bitterbösen Werbung über ein Gefahrerkennungs-System in Autos von Mercedes-Benz – und den jungen Adolf Hitler: Das Unternehmen beschwerte sich und wollte nicht damit in Verbindung gebracht werden.

Wir haben mit dem 26-jährigen Stuttgarter Eugen Merher über sein Adidas-Video gesprochen

Erst mal Gratulation zu mehr als zwei Millionen Views! Wie bist du auf die Idee für die Geschichte gekommen?

Die Inspiration bekam ich durch einen Verwandten, der leider im vergangenen Jahr gestorben ist. Er hieß auch Karl, wie der Protagonist im Video, und war auch so ein junger Geist, sehr fit und aktiv, hat gerne Basketballspiele geschaut und ist jeden Tag spazieren gegangen.

Und warum hast du dich gerade für Adidas als Marke entschieden?

Wir hatten uns mehrere Sportartikelhersteller angeschaut und sind letztlich wegen der alten Schuhe bei Adidas hängen geblieben. Zuerst wollte ich eigentlich Nike nehmen, die haben allerdings nicht so eine lange Marathon-Vergangenheit, das wäre also unpassend für meine Idee gewesen.

Adidas selbst hat den Spot aber abgelehnt?

Ja, zweimal. Einmal vor der Produktion und einmal, als der Film fast fertig war. Sie bekämen sehr viele solcher Anfragen, hieß es. Inzwischen haben sich aber Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen bei mir gemeldet und eine Zusammenarbeit angeboten.

Der Film war also für dich tatsächlich die perfekte Bewerbung?

Normalerweise lernt man sich erst mal kennen, das jetzt ging alles sehr schnell. Den Film hatte ich eigentlich schon im März fertig gedreht, er war auch für den Young Directors Award in Cannes nominiert.

Dann bekamen wir den Tipp, die Musik noch einmal zu überarbeiten. Der Komponist Alexander Wolf David hat einen neuen Soundtrack drüber gelegt und wir haben den Film im Dezember neu bei YouTube hochgeladen. Als ihn einige Seiten in den USA entdeckt haben, wurde er auch hier in Europa bekannt. Das ist total verrückt.

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