📚 Ciao, Netflix!

Laptop zuklappen, Tee kochen, Lesebrille aufsetzen, unter die Decke kriechen, Handy weglegen – und abtauchen.

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1 Mitreißend: "Und es schmilzt" von Lize Spit

Eva wächst in einem kleinen Kuhkaff auf, in dem jeder jeden kennt. Dass das nicht immer toll ist, wissen alle, die selbst in einem kleinen Kuhkaff aufgewachsen sind. Alkoholkranke Eltern, brutale Freundschaftsdynamiken und pubertäre Sex-Experimente: Lize Spit lässt nichts aus. Das wohlgestaltete Cover ihres Debütromans "Und es schmilzt" beweist, dass der Verlag an das Buch geglaubt hat. Zu Recht, denn irgendwo zwischen Krimi und Coming-of-Age-Geschichte liegend wurde es ein Bestseller in den Niederlanden und in Belgien, der Heimat der Autorin. Ihr Buch macht nicht froh, aber froh, es gelesen zu haben.

2 Beeindruckend: "Frauenwunderland" von Barbara Achermann

Das Land mit den weltweit meisten Frauen im Parlament ist das kleine Ruanda. In dem ostafrikanischen Entwicklungsstaat sind auch über die Hälfte der Unternehmen in weiblicher Hand. In ihrem Buch begleitet Barbara Achermann die Frauen hinter der Express-Emanzipation, die sich in Ruanda seit dem Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 ereignet hat – und schaut hinter die Kulissen.

3 Emotional: "Call Me by Your Name" von André Aciman

Eigentlich lautet die Regel ja: Erst das Buch lesen, dann den Film gucken. Bei "Call Me by Your Name" ist es andersherum empfehlenswert, denn dann hat man beim Lesen die wunderschönen Gesichter von Timothée Chalamet und Armie Hammer vor Augen. Sie spielen in der Verfilmung des Romans nämlich den 17-jährigen Elio und den 24-jährigen Oliver, die sich 1983 in Italien einer gleichgeschlechtlichen Sommerromanze hingeben. In seinem Buch erzählt André Aciman aus Elios Sicht von den überwältigenden Gefühlen der ersten Liebe und von Begehren, das so groß ist, dass sogar Pfirsiche penetriert werden.

4 Spannend: "Cry Baby" von Gillian Flynn

"Gone Girl" kennt jeder. Gillian Flynns Debütroman "Cry Baby" ist aber mindestens genauso gut – und wurde gerade als Serie mit dem Titel "Sharp Objects" verfilmt. Es geht um die Journalistin Camille Preaker, die in ihre Heimatstadt Wind Gap zurückkehrt, um über den Mord an zwei jungen Mädchen zu berichten. Eine unangenehme, intensive Atmosphäre, tiefgründige Charaktere, ein spannender Kriminalfall – "Cry Baby" hat alles, was ein richtig packender Thriller braucht.

5 Interessant: "Homo Deus" von Yuval Noah Harari

Nachdem Yuval Noah Hararis Sachbuch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" veröffentlicht wurde, sah man damit mindestens drei Personen pro Tag in den öffentlichen Verkehrsmitteln. In "Homo Deus" lässt der israelische Historiker die Vergangenheit der menschlichen Spezies hinter sich und kümmert sich um das, was noch vor uns liegt. Leicht ironisch und leicht verdaulich plaudernd entwirft Yuval Noah Harari das besorgniserregende Bild eines neuen Menschen.

6 Relevant: "Die Gabe" von Naomi Alderman

Was wäre, wenn Frauen das "starke Geschlecht" wären? Wäre eine von Frauen beherrschte Welt eine bessere Welt? Die Londonerin Naomi Alderman hat mit "Die Gabe" eine Zukunftsvision erschaffen, die je nach Blickwinkel Utopie oder Dystopie ist. Denn in ihrem Roman entdecken Frauen überall auf der Welt die "Gabe" in sich, mit Stromstößen andere Menschen verletzen, sogar töten zu können. Und damit sind sie den Männern körperlich überlegen. Die Folge ist eine ganz neue Gesellschaftsordnung.

7 Amüsant: "People of the Twenty-First Century" von Hans Eijkelboom

"Wenn man in Amsterdam in die Kalverstraat geht, sieht man lauter Menschen, die individuelle Statement-T-Shirts tragen. Und dennoch sehen diese Menschen gleich aus, denn sie alle haben T-Shirts an, auf denen Sprüche stehen", sagte der niederländische Fotograf Hans Eijkelboom in einem Interview. Sein Bildband "People of the Twenty-First Century" ist so etwas wie eine empirische Studie über Trends, Individualität und Konsum

Um sie zu erheben, positionierte Hans Eijkelboom sich 20 Jahre lang für ein paar Stunden am Tag in den Straßen dieser Welt und hielt nach bestimmten visuellen Merkmalen Ausschau, die vorbeikommende Menschen gemeinsam hatten. Am 26. September 2005 hat er in Shanghai von 13 Uhr bis 13:45 Uhr beispielsweise zwölf Männer mit gestreiften Polo-Shirts fotografiert, am 25. Oktober 2006 sind ihm in Paris von 16 Uhr bis 17:30 Uhr 15 Damen mit Leoparden-Mantel vor die Linse gelaufen.

Zugegeben, viel zu lesen gibt’s hier nicht, dafür tausende Fotos von Menschen aus aller Welt zu sehen.


Fühlen

Wir haben mit jungen schwarzen Schauspielern über ihre Rollen gesprochen
Wann kommt endlich die erste Traumschiffkapitänin mit Kopftuch?

Schöne Exotin im Traumschiff oder geflüchteter Drogendealer im Polizeiruf: Rollen für Schauspieler, die nicht weiß sind, sind im deutschen Fernsehen oft einfach Klischees.

Jetzt gibt es eine kleine Revolution: Am Sonntag darf zum ersten Mal eine schwarze Kommissarin den Tatort-Mörder fangen: Florence Kasumba spielt in "Das verschwundene Kind“ die Kommissarin Anais Schmitz, an der Seite von Maria Furtwängler.

Mit einem deutschen Nachnamen und hoffentlich ohne Voodoo und Tanzeinlagen.

Okay, der Weg in die deutschen Wohnzimmer war hart. Kasumba musste einen Umweg über Hollywood nehmen. Erst nach ihrem Mega-Erfolg im Oscar-nominierten "Black Panther" bemerkte auch die deutsche Filmindustrie ihr Talent.

Aber wer ist eigentlich Schuld am Einheits-Kartoffelbrei im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Wir haben mit jungen, schwarzen Schauspielern darüber gesprochen, was der neue Tatort für sie bedeutet – und was sich in der Filmindustrie endlich ändern muss.

Langston (Dogs of Berlin) kann sich die Figuren aussuchen, Thandi (Ballhaus Naunynstrasse) bekommt kaum Jobs und Jonathan (Mikel) schreibt sich seine Rollen manchmal einfach selbst.

Langston Uibel, 21: "Gebrochenes Deutsch ist nicht in meinem Repertoire"