Bild: Port au Prince Pictures
Scheißgeschenke, Megadruck und Kekse, die nach Scheiße schmecken.
Worum geht's?

Lara, Alexandra, Timo und Fedja verbringen Weihnachten in der Jugendpsychiatrie: Lara ist auf einem Drogentrip hängen geblieben, Alexandra leidet unter den Ansprüchen ihrer Mutter, Timo ist aggressiv und verliert immer wieder die Kontrolle, Fedja wurde von seinen Mitschülern misshandelt. Alle vier haben eines gemeinsam: Sie finden Weihnachten ziemlich scheiße. Jetzt zwingt sie der Psychiater Dr. Wolff, Heiligabend gemeinsam zu verbringen.

Worum geht's wirklich?

Um die Frage, wie viel Regeln bringen, was angemessenes Verhalten ist – und ob Weihnachten immer dem Klischee entsprechen muss.

(Bild: Port au Prince Pictures)
Pluspunkte
  • Die Dialoge: Auf die Frage "Was kommt euch als erstes in den Sinn, wenn ihr über Weihnachten nachdenkt?" antworten die Vier gnadenlos ehrlich: "Scheißgeschenke", "Megadruck", "Kekse, die nach Scheiße schmecken". Es sind Dialoge wie diese, die jedem aus der Seele sprechen, der schon mal ein schreckliches Weihnachtsfest erlebt hat – und die damit (endlich) ein realistischeres Bild von Weihnachten zeigen, auch auf der Kinoleinwand.
  • Die Besetzung: Der Film lohnt sich schon allein wegen Jella Haase. Sie spielt Lara, ein Mädchen, das am Anfang noch sehr an die prollige Chantal aus "Fack ju Göhte" erinnert: Mütze auf dem Kopf, Kaugummi im Mund, Null-Bock-Ausdruck im Gesicht. Im Laufe des Films wird Lara immer mehr zur Identifikationsfigur, die sich um die anderen Sorgen macht, die sich danach sehnt, von ihren Eltern akzeptiert zu werden – und die eine simple Frage wie "Wie geht's dir?" völlig aus der Fassung bringt. Ebenfalls toll: Jannis Niewöhner, der den aggressiven Timo so spielt, dass man als Zuschauer selbst ein bisschen aggressiv wird – oder Angst bekommt, je nachdem. Und Moritz Leu, der als verängstigter Fedja im ganzen Film kaum spricht und trotzdem überzeugt.
  • Die Umsetzung: Immer wieder nehmen die Hauptfiguren die Kamera selbst in die Hand, allen voran Lara. Daraus entstehen wackelige Sequenzen, die mehr an Handyvideos erinnern als an Kino. "4 Könige" ist ein ruhiger Film, der zwischendurch Stille aushält: Fedja steht unter der Dusche, Timo rennt durch den Wald, Alex sitzt an Timos Bett – und sekundenlang spricht niemand.
  • Weihnachten: Der ganze Film dreht sich um Weihnachten; trotzdem ist das Fest nicht so überpräsent wie in den meisten anderen Weihnachtsfilmen. Ein Stern hängt an der Wand, ein Tannenzweig steht auf dem Tisch, ein Plätzchen wird gegessen – nicht mehr und nicht weniger.
(Bild: Port au Prince Pictures)
Minuspunkte
  • Die Witze: Warum genau Lara einen Weihnachtspimmel bastelt (inklusive goldener Glitzerfäden als Sperma) und ihre bemalten Brüste entblößt (als Weihnachtsgeschenk für Fedja), ist nicht ganz nachvollziehbar. Fest steht: Der Film würde auch ohne diese gezwungen witzigen Szenen auskommen.
  • Das Ende: Fast wünscht man sich am Ende doch ein Happy End für die vier Jugendlichen. Das gibt es aber nicht. Und vielleicht ist das auch besser so.
Wer sollte den Film gucken?

Alle, deren Weihnachten nicht (immer) dem Klischee von Liebe und Geborgenheit entspricht. Und alle, die keine Lust auf noch einen kitschigen Weihnachtsfilm haben.

"4 Könige" läuft ab Donnerstag, 3. Dezember, in den deutschen Kinos. Regie führte Theresa von Eltz.