Bild: HBO

Serien sind immer da. Egal, ob "Game of Thrones", "Gilmore Girls" oder "The Big Bang Theory" – unsere Lieblinge versüßen uns den Feierabend. Und wenn wir sie im Originalton gucken, können wir das Ganze auch noch als Weiterbildung verbuchen.

Doch 2017 hatte tatsächlich einige gute, neue Serien hervorgebracht – die uns aktuelle Fragen beantworten oder längst vergessene wieder hervorholen.

Es geht um Vorurteile, um Parallelgesellschaften, internationale Konflikte, um Missbrauch – die bento-Redaktion stellt ihre Lieblingsserien 2017 vor:

Katharina mochte dieses Jahr ganz besonders "4 Blocks".
(Bild: TNT/ Turner/ Wiedemann & Berg Television)

Berlin bleibt eine Stadt voller Geheimnisse. Was passiert wirklich im Berghain im Raum unten links? Wie verbringt Angela Merkel ihre Mittage im Kanzleramt? Und wer sitzt in den Hinterzimmern von Neuköllner Cafés? Um letzteres geht es in "4 Blocks".

Während in der realen Welt einige Polizei-Vertreter die Unterwanderung der Berliner Polizei durch arabische Clans befürchten, erzählt "4 Blocks", wie diese Clans in Berlin überhaupt arbeiten, ihre Drogengeschäfte führen und Schutzgelder einholen. Ein bisschen Fiktion, ein bisschen Wirklichkeit. 

Marc hat sich über "Marvel's The Punisher" mit Jon Bernthal gefreut.
(Bild: Netflix)

Der Comicverlag Marvel baut gemeinsam mit Netflix seit einigen Jahren Comichelden in einem eigenen Serienuniversum auf. Unter anderem "Jessica Jones" und "Daredevil" sind bereits dabei – nun kam der Antiheld Frank Castle dazu, ein Ex-Soldat, der als "Punisher" Selbstjustiz an korrupten Politikern und Gangstern verübt.

Anders als die vielen Comicfilme im Kino ist beim "Punisher" nur wenig bunt und knallig. Castle, wunderbar wütend gespielt von Jon Bernthal, ist ein Ex-Soldat aus Afghanistan, der sich wieder in New York zurechtfinden muss, PTSD im Gepäck. Die Serie ist düster, brutal und dreckig. Wer sie sieht, merkt kaum, dass ein Comic die Vorlage lieferte. 

Castle deckt eine CIA-Verschwörung auf, der Hacker Micro (Ebon Moss-Bachrach) hilft ihm. Es geht um Überwachung, Datenschutz, Terrorismus – und darum, was das mit den Menschen macht, die täglich ihren Kopf für unsere Sicherheit hinhalten. "The Punisher" zeigt: In einer globalen Welt können selbst ferne Konflikte schnell nah sein.

Julia hat "Tote Mädchen lügen nicht" geguckt.
(Bild: Netflix)

Die Schülerin Hannah Baker hinterlässt nach ihrem Suizid mehrere Kassetten auf denen sie erklärt, wem sie daran die Schuld gibt. Die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" basiert auf einem Jugendroman von Jay Asher, der erzählt, welche Auswirkungen Mobbing, Einsamkeit und sexueller Missbrauch auf einen Menschen haben können. 

Was diese Serie zeigt: Hannah könnte jeder Mensch auf jeder Schule sein. Und gleichzeitig könnte jeder Mensch auch etwas dafür tun, dass es Menschen wie Hannah vielleicht etwas besser geht. Es geht darum, wie es sich anfühlt mit einer psychischen Krankheit zu leben und wie schwierig es sein kann, darüber zu sprechen – oder Menschen zu helfen.

Aufgrund des offenen Umgangs mit Themen wie sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung und Suizid wurde die Serie von Ärzten und Gesundheitsorganisationen weltweit kritisiert. Die Macher der Serie argumentierten dagegen: Die Serie konfrontiere den Zuschauer mit der Realität – Suizid sei qualvoller Horror, den man abbilden müsse. (Independent)

"Tote Mädchen lügen nicht" zeigt, dass wir aufmerksamer sein müssen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören und sie ernst zunehmen.

Nadin hat die Spannung von "The Sinner" kaum ausgehalten.
(Bild: USA Network)

Cora Tanetti sitzt mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Ehemann Mason am See, es ist ein heißer Tag. Plötzlich steht sie auf und rammt das Messer, mit dem sie gerade eine Birne zerkleinert hat, einem Fremden in die Brust. 

Cora weiß selbst nicht, woher der Drang kam, den Mann zu töten. In acht Episoden erzählen die Serienmacher, welche Schicksalsereignisse aus ihrer Vergangenheit dazu führten, dass Cora den Mann ermordete. Schauspielerin Jessica Biel spielt die Rolle so überzeugend, dass sie für den Golden Globe nominiert wurde.

"The Sinner" ist eine Serie, die den Zuschauer hinterfragen lässt, wie schnell er andere vorverurteilt und welche Motive und Erlebnisse Menschen zu ihren Taten treiben. Das ist heute noch aktueller denn je – denn wären Coras Mitmenschen vorher besser mit ihr umgegangen, wäre der Mord am Strand vielleicht niemals geschehen. 

Basti hat dieses Jahr bei "Wet Hot American Summer" Tränen gelacht: 
(Bild: Netflix)

Ernste und bedeutsame Serien sind ja schön und gut – aber manchmal will man einfach nur Spaß haben. Der Wahnsinn bei "Wet Hot American Summer" ist da genau richtig. Die Serie basiert auf einem Kinofilm, der 2001 rauskam und in den Achtzigern spielt – eine Hommage und gleichzeitig eine Verarsche der vielen Teenie-Filme, in denen es immer um das erste Mal geht. 

Im Kinofilm spielten viele mit, die damals kurz vor dem Durchbruch standen: Elizabeth Banks, Bradley Cooper, Paul Rudd und Amy Poehler zum Beispiel. Gerade durch dieses glückliche Händchen bei der Schauspielerwahl hat sich um die Meta-Komödie über die Jahre ein wahrer Kult entwickelt.

Worum gehts eigentlich? Eine Gruppe von optisch viel zu alten Schauspielern übernimmt die Rollen von Jugendlichen, die im Ferienlager als Betreuer arbeiten. Inklusive Zellulite, Falten und Altherrenbäuchen, ohne, dass das jemals thematisiert würde. 2015 brachte Netflix mit "First Day of Camp" ein Prequel zum Film raus, mit denselben Schauspielern wie damals, die 14 Jahre älter einfach nochmal die selben Teenie-Rollen übernahmen. 2017 kam noch eine Serienfortsetzung, die nun mitten in den 90ern spielt. 

All das zusammen: Ein organisierter Wahnsinn, voller Sex und Atomwaffen, Lebensweisheiten und mordender US-Präsidenten. 

Ole war fasziniert von "The Leftovers":
(Bild: HBO)

Zwei Prozent der Weltbevölkerung verschwindet. Einfach so, unerklärt. Mit diesem Trauma fängt "The Leftovers" an: Wie mit dem Schmerz umgehen, mit der Ungewissheit? Es geht nicht um das mysteriöse Ereignis, sondern um den Umgang damit.

Die Serie startet in einer Kleinstadt und folgt Nora, die ihre Familie verloren hat, und Kevin, dessen Ehefrau in eine Psychosekte gerät. "The Leftovers" ist vor allem eine Serie über Verzweiflung.

Wie passend in einem Jahr, in dem Brexit, Trump und die AfD den Glauben an das Gute im Menschen erschüttern. Nach den düsteren ersten Folgen zeigt die Serie, dass es trotzdem Hoffnung geben kann, lustige Momente bei allem Schmerz.

"The Leftovers" funktioniert als seelische Reinigung, als Katharsis. Die Serie fand dieses Jahr mit ihrer dritten Staffel ein grandioses Ende.


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