Am 26. April 1986 kam es in dem sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl zu dem gefürchteten Super-GAU – dem größten vorstellbaren Unfall in einem Atomkraftwerk. Ein starker Anstieg der Radioaktivität in ganz Ost- und Mitteleuropa war die Folge, am schlimmsten traf es die Region um das Kernkraftwerk wie die nahegelegene Stadt Pripjat. Der Landstrich wurde so stark verseucht, dass er geräumt werden musste und bis heute unbewohnt ist.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Reaktorkatastrophe am 24. April erinnern wir mit Streaming-Tipps zum Wochenende an die negativen Auswirkungen von Atomkraft. Mit Kurzfilmen über die Geisterstadt Pripjat, "Tagesschau"-Berichten von 1986, Dokus über Tschernobyl – und die Katastrophe von Fukushima vor fünf Jahren.

Tagesschau, April 1986

Zunächst verschweigen die ukrainischen Behörden die Tschernobyl-Katastrophe, doch in Schweden und Finnland misst man am 28. April 1986 teilweise eine sechsfach erhöhte radioaktive Strahlung.

Erst einen Tag später wird der Unfall im Atomkraftwerk im sowjetischen Fernsehen vermeldet. Die Brände im Kernkraftwerk sind tagelang außer Kontrolle, während sich draußen, über ganz Europa, eine radioaktive Wolke ausbreitet.

Von Russland bis nach Polen, Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen. Die Tagesschau berichtet über extrem besorgte Bürger, Kühe, die in den Ställen bleiben müssen, über verseuchtes Obst und Gemüse und Sicherheitsmaßnahmen von Pripjat bis Bonn.

Tschernobyl - Tage, die die Welt bewegten | WDR

Was geschah am 26. April 1986 im Atomreaktor von Tschernobyl? Eigentlich war in der Nacht ein Routinetest geplant, doch durch eine Kette von fatalen Fehlern und Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften kam es zur Explosion des Reaktors.

Brennende Uranteile wurden in die Atmosphäre geschleudert, radioaktiver Staub verbreitete sich in ganz Europa, und noch heute sind die Auswirkungen der nuklearen Katastrophe zu spüren. Der Film von Jane Quigley rekonstruiert eindrucksvoll, wie menschliches Versagen und eine Serie von Missverständnissen.

Verbotenes Paradies - Ein Dorf ohne Menschen | ARD

Stell dir vor, der Mensch würde von heute auf morgen verschwinden. Für die Natur wäre das gut. In einem entlegenen Winkel Europas gibt es solch ein "verbotenes Paradies" – von dort wurden die Menschen vor mehr als drei Jahrzehnten vertrieben.

Seitdem scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Verlassene Häuser verfallen, Gärten verwildern, Wildtiere kehren zurück und es entfaltet sich eine einzigartige Natur. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl führte dazu, dass die Stadt Pripjat und ihre Umgebung Schauplatz dieses unfreiwilligen Experimentes wurde.

Was für die Bevölkerung eine Katastrophe war, ist ein Segen für das Ökosystem, denn wann und ob der Mensch zurückkehren wird, ist noch unklar. Die ARD-Doku "Verbotenes Paradies - Die Tiere von Pripjat" erzählt eine erstaunliche und zugleich märchenhafte Geschichte.

Postcards from Pripjat - mit der Drohne über die Geisterstadt

Tschernobyl ist einer der interessantesten und gefährlichsten Orte, an denen Filmemacher Danny Cooke je war. Er ließ seine Drohne über die verlassene Stadt Pripjat fliegen und zeigt den aktuellen Zustand des Verfalls. In dem Film "Postcards from Pripjat, Chernobyl" zeigt er den Ort mit wunderschön grausigen Bildern.

Grüße aus Fukushima

Im Jahr 2011 wurden weite Landstriche der japanischen Präfektur Fukushima in Folge eines Tsunamis zerstört, eine nukleare Katastrophe brauch aus, die große Teile der Region bis heute unbewohnbar macht. Noch immer sind tausende Menschen obdachlos und leben in Notunterkünften, die Versorgung ist schlecht und die Aufmerksamkeit der Medien längst auf andere Themen gerichtet.

Der mehrfach ausgezeichnete Film "Grüße aus Fukushima" handelt von der jungen Deutschen Marie, die ihr Leben hinter sich lässt, um den Menschen im Katastrophengebiet zu helfen. Dort trifft sie auf die einsame Japanerin Satomi, die bei der Katastrophe ihr Haus verloren hat.

In Schwarz-Weiß erzählt der Film von zwei ungleichen Frauen, die sich vor der kargen Kulisse des verwüsteten Fukushima mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. "Grüße aus Fukushima" läuft aktuell auch in ausgewählten Kinos.

Meine Tante aus Fukushima | WDR

Fünf Monate nach der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima besucht Filmemacherin Kyoko Miyake ihre Tante in Japan, die nach der Katastrophe alles verlor. Die Lebensfreude und der Optimismus sind der alten Dame zunächst aber nicht abhanden gekommen: Bald möchte sie in ihren Heimatort Namie zurückkehren und ihr altes Leben wieder aufbauen.

Anhand von Privatvideos, Fotoaufnahmen und persönlichen Gesprächen erinnert sich die aufgeweckte Tante an ihr glückliches Leben in der malerischen Küstenstadt vor dem schrecklichen Unglück. Im Kontrast dazu stehen Auszüge aus einem absurden PR-Video der Atomenergie-Industrie, das der Bevölkerung Kernenergie als "absolut sicher" schmackhaft machen sollte.

Die Doku "Meine Tante aus Fukushima" auf WDR ist ein sehr intimes Portrait über eine traumatisierte Gesellschaft. Mit der schwindenden Aussicht auf eine Rückkehr in ihr Heimatdorf verliert auch langsam die Tante der Regisseurin ihre Hoffnung.

Die Fukushima-Lüge | ZDF

Korrespondent Johannes Hano deckt in Fukushima auf, dass sich die japanische Atomindustrie in einem gefährlichen Geflecht aus kriminellen Machenschaften und systematischer Ignoranz von Sicherheitsmängeln bewegt.

Inspektoren und ihre alarmierenden Befunde über die Sicherheitslage des Atomkraftwerks in Fukushima wurden mundtot gemacht und an der hochgefährlichen Situation änderte sich nichts. Diese Doku auf ZDF macht einmal mehr deutlich, dass die sozialen, ökologischen und geopolitischen Konsequenzen von Atomenergie uns alle betreffen – und dringend eine globale Lösung gefunden werden muss.

Mediasteak x bento

MediasteakAnne und Laura von Mediasteak zeigen, was in den Mediatheken steckt. Jeden Freitag empfehlen sie die besten Spielfilme, Dokumentationen und Serien bei bento.

Unsere Reportage aus Tschernobyl: 30 Jahre nach der Katastrophe
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Am Sonntag wird US-Präsident Barack Obama in Deutschland erwartet: Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wird er die Hannover Messe eröffnen.

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