Bild: RTL
Nur auf dich ist Verlass

Jo, du warst da, als ich eine fünf in Latein mit nach Hause brachte. Leon, von dir habe ich gelernt, was zu tun ist, wenn ich Streit mit meinem Bruder hatte. Und Verena, deine Schuhe wollte ich in meinem eigenen Schrank sehen.

Seit 25 Jahren gibt es euch, meine GZSZ-Zweitfamilie, jetzt schon. Fast 20 davon bin ich mit euch ausgeflippt, habe mit euch gelacht und auch geweint.

Wer bei dieser Melodie eine Gänsehaut bekommt, der kann mich bestimmt verstehen: 

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als meine Mutter mir zum ersten Mal erlaubte, GZSZ zu schauen. Sechs Jahre muss ich etwa gewesen sein, als ich begann, auch ein Teil eurer Familie zu werden. Pünktlich um zwanzig vor acht saß ich mit meiner Mutter auf dem Sofa, gedanklich stand ich zehn Minuten später schon mit euch an der Theke vom Mocca. 

Am nächsten Tag in der Schule konnte ich endlich mitreden: Wieso war Deniz so komisch zu Verena? War er etwa in Verenas beste Freundin Sandra verliebt? Eine tragische Liebesgeschichte begann. 

Als Deniz später am Tag der Hochzeit mit Sandra bei einer Schlägerei starb, saß ich schluchzend auf dem Sofa, ich konnte und wollte ihr Schicksal nicht begreifen. In der Schule konnte ich mich kaum noch konzentrieren. GZSZ, du hast mir schon so oft mein Herz gebrochen – und trotzdem mag ich dich immer noch.

In der Slideshow: Die GZSZ-Stars
1/12

Da waren zum Beispiel John und Marie. So coole Leute wie euch wollte ich auch in meiner Clique haben. Ihr wart schon so erwachsen, während ich noch meinen Schulranzen schleppte. Ich wollte mit Jasmin und Emily im Mauerwerk tanzen, meine Probleme mit Tuner bei einem Kaffee im Vereinsheim besprechen oder mich so verlieben wie John in Paula. Hach.   

Ihr habt mir gezeigt, was Freundschaft und Liebe bedeutet. Aber ich war auch froh, dass mein privater Liebeskummer nicht gleich in Schlägereien endete. 

Auch wenn es bei mir mal schlecht lief und mir keiner zuhörte, auf euch konnte ich mich verlassen – pünktlich um 19.45 Uhr wart ihr für mich da. Mein großer Schwarm in der Schule wollte nichts von mir wissen. Aber ich wusste meinen Liebeskummer zu bekämpfen. Mit Jasmin und Emily, die schon mal so gefühlt hatten wie ich. 

Als sich meine Eltern immer weniger zu sagen hatten, sah ich mir Jo Gerner und Kathrin an und wusste: Nach einer Trennung kann auch vieles viel besser sein. Bei den beiden klappte es schließlich auch. 

Und das Schöne daran war: Eure Probleme waren meistens noch viel schlimmer und dramatischer als meine. Soweit ich weiß, habe ich nicht mit einem unbekannten Halbbruder geschlafen oder jemand meiner Freude kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Also alles halb so schlimm.

Ihr wisst ganz genau, wie ihr es anstellt, dass man bis 20:15 Uhr nicht mehr die Couch verlässt, denn kurz vor Ende kam natürlich der spannendste Moment. Eure Taktik habe ich mit der Zeit durchschaut: Am Montag zeigt ihr lieber Schnittbilder von Berlin, eurem Kiez oder ein Konzert von Tim Bendzko im Mauerwerk. 

Doch die wirklich wichtigen Dinge, wie das Liebesgeständnis von Anni an Jasmin, das Coming-out von Lenny oder der Suizid von Bommel, die spart ihr euch gerne für Freitagabend auf. 

Kein Wunder, dass ich meist mies gelaunt zu meinen ersten Partys kam. 

Und die Nächte am Wochenende verbrachte ich damit, davon zu träumen, wie es wohl weitergehen könnte.

Aber dann gab es da auch noch diesen Moment, an dem ich begann, an euch zu zweifeln: Auf einmal war Ayla nicht mehr Ayla. Sila Sahin durch eine andere Schauspielerin ersetzen – wie konntet ihr mir das antun? Hättet ihr nicht so tun können, als ob sie völlig verändert aus dem Türkei-Urlaub zurückkommt?

Bei euch ging es nicht nur um Herzschmerz. Ihr sprecht schwierige Themen wie Homosexualität, Magersucht, die Flüchtlingskrise, Pressefreiheit, Drogen oder Dreiecksbeziehungen an.

So wurde Lenny von anderen Rekruten bei der Bundeswehr misshandelt, Bommel wollte nicht auf seinen Krankheitstod warten und wählte den Suizid, Jo bestach als Verleger Journalist Alexander, damit der keine Geschichten enthüllte. Lilly verliebte sich in Amar, der aus Mali nach Berlin geflüchtet war und Jasmin unwissend in ihren eigenen Vater. 

Und der nächste Eklat folgt schon am 19. Mai in der Jubiläumsfolge von GZSZ: 


Genau deshalb gucke ich euch mit 24 immer noch. Ihr habt mich durch meine Jugend begleitet, und auch jetzt will ich nichts Wichtiges verpassen. Auch wenn ich nach einer wochenlangen Pause mal wieder einschalte, es fühlt sich so an, als würde ich Freunde von früher treffen. 

Hey Leon, lass mal wieder einen Kaffee trinken gehen.

Haha

Dieses Buch macht lustig
"Was wir denken, wenn wir uns ein Ei kochen"

Den Alltag erträgt man am besten, wenn man über ihn lacht. Wie lustig das sein kann, zeigt Nico Fauser. Von dem Autor und Illustrator ist gerade ein neues Buch erschienen: "Was wir denken, wenn wir uns ein Ei kochen". Darin hat er Illustrationen und Grafiken gesammelt, die dem ganzen drögen Alltagsgedöns ein bisschen Humor verpassen.

So illustriert Nico Fauser unseren Alltag: