Von Wal-Saltos bis zu Eisberg-Giganten

New Brunswick: den Walen ganz nah 

Der erste Stunt kommt unerwartet: Elegant hebt sich eine graue Gestalt aus dem Wasser, dreht sich leicht zur Seite und taucht mit einem lauten Pfoppppp wieder ab. Wasser spritzt ins Boot, es herrscht kurze Stille, dann lautes Gekreische. Captain Pat nickt zufrieden und zeigt auf die Wasseroberfläche – aus der kurz darauf eine breite Flosse aufragt und spielerisch nach unten knallt. Buckelwale gelten als die Clowns des Meeres, lernen wir. Die drei Giganten vor unserem gut sieben Meter langen Zodiac sind jedenfalls in bester Show-Laune und kein bisschen scheu. Geknipst wird im Dauertakt. Die raue Landschaft der Fundy Bay wird zum fast unwirklichen Hintergrund für die Wal-Fotos: zerklüftete Felsen, aufragende Baumkronen, tiefblaues Wasser. Irgendwie möchte man in der Atlantik-Kanada-Provinz New Brunswick alles mit einem Superlativ versehen. Dass hier mit 21 Metern der höchste Tidenhub der Welt vorkommt, ist wiederum keine Übertreibung sondern Fakt, nachzulesen im Guinness Buch der Weltrekorde. Beim Gezeitenunterschied ziehen zwei Mal täglich 160 Milliarden Tonnen Wasser gen und wieder von der Bucht weg. Und: Das Naturspektakel versorgt die Gewässer auch mit reichhaltiger Nahrung für Wale, Robben, Papageitaucher oder Weißkopfadler, auf die Pat während der einstündigen Zodiac-Tour deutet. Das holprige Spektakel mit den Fundy Tide Runners ist ein Mix aus Abenteuer, Naturkunde und Magie. 

Newfoundland and Labrador: Ice, Ice, Baby

Wieder Wasser, wieder Giganten, wieder Atlantik-Kanada – und eine komplett neue Welt: Neufundland und Labrador. Hoch im Norden der Ostküste wird die Natur noch ursprünglicher und rauer. Die Weite dehnt sich aus, die Ortschaften wirken dafür immer kleiner, bunter und niedlicher: Battle Harbor, Point Amour, La Scie, Fogo Island oder Witless Bay sind nur ein paar der Namen. Alle haben mindestens zwei Dinge gemeinsam... freundliche Einheimische sowie die Nähe zur Iceberg Alley und deren wuchtige Giganten, die jedes Jahr aus der Arktis antreiben. Wer die eisigen Blöcke nicht nur vom Ortsufer aus bestaunen will, kann mit Ausflugsbooten, Fähren oder gar per Kajak nahe ran – und trifft mit etwas Glück auch Wale oder Robben. Und der optische Wow-Effekt ist noch längst nicht alles, was die 10.000 Jahre alten weißen Riesen schaffen! Schon mal Iceberg-Bier getrunken? Oder einen Iceberg Cocktail mit Gletscher-Vodka? Zeit, die Magie der eisigen Berge so richtig sacken zu lassen  und dabei die legendäre NFL-Hospitalität in vollsten Zügen zu genießen. Das reine Gletscherwasser kreiert delikate lokale Drinks, die in der berauschenden Szenerie noch besser schmecken. Und die sogenannten „Bergy Bits“, die kleinen weißen Eisbrocken, die an den Stränden angespült werden, eignen sich prima zum Kühlen mitgebrachter Iceberg-Köstlichkeiten.

Nova Scotia: Island Hopping trifft Luxus 

Zelten in der Wildnis, klar, das klingt nach Kanada. Aufwachen zwischen riesigen Tannen, die Füße in den frisch-kalten See tauchen, dann ins Kajak springen und ein paar Stunden die Inseln und Seewege von Nova Scotia abpaddeln. Wär doch herrlich, wenn danach ein frisch gemixter Cocktail bereit stehen würde. Viellicht noch ein paar Austern als Appetizer? Unsere Guides Sarah und Logan haben das Glamping-1-x-1 bis zum scharfen Meerrettich als Beilage zu den Austern verinnerlicht. Natur ist glorreich, ein bisschen Luxus kann aber nie schaden, stellen wir beim Cape LaHave Glamping fest. Und erkunden Nova Scotia auf eine lässig-schicke Weise: Ganz nah dran an Wasser, feinen Sandstränden, Felsformationen und den Locals. Ganz weit weg von ungemütlich harten Schlafmatten, Dosengemüse oder warmem Wein. Stattdessen futtern wir uns in den drei Tagen Island Hopping durch diverse frische Fische, Jakobsmuscheln und Salate vom Bauern. Wir stoppen an netten Fischerorten, paddeln vorbei an Ottern, sehen bei der Wanderung durch den Wald einen Braunbären und üben unter Sarahs Anleitung Yoga auf dem Stand-up Paddleboard. Am Abend werden bei Whiskey aus der lokalen Distillery die Smores übers Lagerfeuer gehalten, bevor in den robust-edlen Kanvaszelten das Licht angeht. Das einzige Problem bei all dem Glamping-Luxus? Der nächste Trip im „normalen“ Zelt wird wahrscheinlich ganz schön hart.

Prince Edward Island: Auf Muschel-Jagd

„Dig deep“, ruft Tom und lässt die Harke in Richtung Boden fallen, besser gesagt, in Richtung Meeresboden. Um ihn herum bohren sich Farm-Gabeln in den Schlamm, den die Ebbe zurückgelassen hat und ha, beim langsamen Hochziehen liegt eine riesige braun-graue Muschel auf den Zacken. „Clam Digging“ auf Prince Edward Island ist ein Mix aus fischen, jagen und sammeln. Unsere Gruppe ist bereits in bunten Kajaks ein gutes Stück von Victoria by the Sea zu den Offshore-Sandbänken gepaddelt und dementsprechend hungrig. Das hilft nichts, Clam Digging für den Lunch braucht seine Zeit, nicht jede Gabel bringt eine Muschel zutage. Wer zu wild herumstochert, spießt nur Schalenstücke auf und die machen sich nicht gut in der Clam Chowder, dem Ziel der Sammelaktion. Die wird später von Tom auf Gaskochern und einem Picknicktisch mit gehackten Zwiebeln und Paprika zubereitet – und schmeckt köstlich. 

Kundeninformationen

Haben wir Dich inspiriert? Ob Berge, Seen, Städte oder Meeresufer – von Halifax im Osten, Vancouver im Westen bis hoch nach Yellowknife im Norden, Kanada hat für jeden das richtige Ziel.

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