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Wildcampen bedeutet Freiheit: Einfach irgendwo sein Zelt aufstellen und die Natur genießen – ohne Mitcamper, Zeltplatzgebühren und zivilisatorischen Schnickschnack. Nur leider ist es in Deutschland verboten.

Schließlich ist Deutschland dicht besiedelt: Mit 229 Einwohnern pro Quadratkilometer leben hier im Vergleich zum Wildcamp-Paradies Schweden zehnmal so viele Menschen. Deswegen ist es sowieso schwierig, überhaupt ein Stück Land zu finden, das niemandem gehört – und das nicht unter Naturschutz steht.

Wir haben für euch zehn Tipps zusammengestellt, wie ihr trotzdem die eine oder andere Nacht in der freien Natur verbringen könnt.

1. Naturschutzgebiete meiden

Mehr als vier Prozent der Fläche stehen in Deutschland unter Naturschutz. Hier habt ihr mit eurem Zelt nichts zu suchen, denn mitunter reagieren die Tiere sehr empfindlich auf Stress oder Trittschäden. Oft dürfen nur Wissenschaftler diese Ruhezonen kurzfristig für ihre Forschung betreten.

Außerdem seien die Strafen für Campen in Naturschutzgebieten wesentlich höher, sagt Mathias Voigt, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Verbandes für bürgernahe Verkehrspolitik: "Dazu zählt das Zelten im Wald, in Naturparks und auf Flächen der Jagd- und Landwirtschaft.“ In manchen Bundesländern können Strafen von bis zu 5.000 Euro fällig werden.

2. Privatgelände meiden

Natürlich ist das Zelten auf Privatgrundstücken verboten. Anwohner bringen zumeist wenig Verständnis für Camper mit – außer der Eigentümer hat ausdrücklich die Erlaubnis erteilt. Hier kann sogar eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohen. Als "befriedetes Besitztum" gilt ein durch Hecken, Zäune oder Mauern oder ähnliches abgegrenztes Gebiet. Wenn das nicht der Fall ist, wie bei einer nicht eingezäunten Wiese, hat trotzdem der Besitzer das Hausrecht. Er kann die Camper zum Gehen auffordern, sowie Schadenersatz verlangen. Außerdem solltet Ihr Wanderwege und Ortschaften meiden.

3. Spät aufbauen und früh abbauen

Dieser Tipp eignet sich vor allem, wenn ihr zum Beispiel eine längere Fahrradtour macht und sowieso den ganzen Tag unterwegs seid. Wenn ihr euer Zelt erst kurz vor Sonnenuntergang aufbaut und am frühen Morgen wieder abbaut, besteht kaum Entdeckungsrisiko.

4. Kein Feuer machen

"Offenes Feuer ist nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt", erklärt Voigt. "In einigen Gebieten kann sogar das Entzünden einer Zigarette untersagt sein." Das gilt vor allem in trockenen Gebieten, in denen Waldbrandgefahr besteht. Auch hier drohen Strafen von bis zu 5.000 Euro. Also: Einfach kein Feuer machen, dass minimiert auch die Gefahr, entdeckt zu werden.

5. Leise sein

Lärm in Form von Musik oder lautem Gegröle ist absolut tabu. So stört ihr nicht nur die Tierwelt, sondern macht auch auf euch aufmerksam. Am besten verhaltet ihr euch so rücksichtsvoll und unauffällig wie möglich. Dabei gilt auch: Je mehr Leute ihr seid, desto mehr Lärm, desto Dreck und höchstwahrscheinlich auch Ärger.

6. Schnell weiterziehen

Schlaft am besten nur eine Nacht an einem Ort. Wer länger an einem Lagerplatz zelten möchte, erhöht natürlich die Chancen erwischt zu werden.

7. Aufräumen

Hinterlasst auf keinen Fall Müll an eurem Lagerplatz. Das ist nicht nur respektlos, sondern einer der Gründe, warum Wildcampen verboten ist. Euren Biomüll könnt ihr vergraben, allerdings muss das Loch circa 50 Zentimeter tief sein, sodass Tiere nicht rankommen. Außerdem solltet ihr einige Plastiktüten dabei haben, um den Rest wieder mitzunehmen. Oberste Regel: Den Lagerplatz so verlassen, wie ihr ihn angetroffen habt.

8. Gesetzeslücke: Lagern oder Biwakieren

Lagern bedeutet so viel wie pausieren und ist erlaubt. Man darf sich also zu einer Pause hinsetzen, hinlegen und sich dabei auch vor dem Wetter schützen. Der Übergang zwischen Lagern und Campieren ist natürlich schwer festzumachen: Lagerst Du noch oder campierst Du schon?

Auch Biwakieren, das Übernachten im Freien ohne Zelt, ist nicht gesetzlich geregelt: Wenn ihr ein Tarp, sprich eine wasserdichte Plane aufspannt, oder euch mit Isomatte und Schlafsack niederlasst, kann euch nichts passieren. "Das Biwakieren ist also durchaus eine Alternative, da es im Gegensatz zum Zelten nicht ausdrücklich verboten ist. Offene Feuer, Lärm oder Sachbeschädigung sind jedoch weiterhin untersagt", sagt Voigt.

9. Recherchieren und fragen

Nicht super spontan, dafür aber sicher: Im Zweifelsfall vorher beim Bauern oder Förster nachfragen, ob du eine Nacht auf seiner Wiese zelten darfst.

Du willst trotzdem nicht Wildcampen? Es gibt in Deutschland einige Parks, wo wildes Campen erlaubt ist:
  • Im Pfälzer Wald dürft ihr abseits der Wanderwege legal campen – allerdings nur auf ausgewiesenen Plätzen, die ihr vorher buchen müsst. Auf den insgesamt zehn Plätzen können jeweils sechs Zelte aufgestellt werden. Hier dürft ihr eine Nacht bleiben und zahlt für ein Dreimannzelt zehn Euro. Falls ihr keine Lust auf andere Camper habt, könnt ihr den ganzen Platz für 60 Euro mieten. Alle weiteren Infos findest du hier.
  • Auch in der Sächsischen Schweiz könnt ihr draußen übernachten, ohne Gesetze zu brechen und zwar in sogenannten Boofen. Hierbei handelt es sich um Felsüberhänge, unter denen trockene Plätze zum Übernachten mit Isomatte und Schlafsack einladen. Das Zelten ist nicht erlaubt. Die 58 zugelassenen Boofen waren ursprünglich nur für Kletterer gedacht, doch in der Praxis kontrolliert keiner, ob ihr nun klettert oder wandert. Boofen geht übrigens auf das sächsische Wort "pofen" zurück, was so viel bedeutet wie tief und fest schlafen. Eine Karte mit den zugelassenen Boofen findest du hier.
Und wenn ihr trotzdem erwischt werdet?

Erst mal freundlich bleiben und anbieten, das Lager zu räumen. Das sollte in den meisten Fällen genügen, solange ihr nichts zerstört habt.

Trotzdem können Bußgelder drohen: Für das Aufstellen eines Zeltes kommen im schlimmsten Fall 100 Euro Strafe auf euch zu. Bei sogenannten Umweltvergehen entscheidet jedes Bundesland selbst, wie hoch das Bußgeld genau ausfällt. Vor allem wenn ihr die Natur verschmutzt, durch Feuer beschädigt oder Hausfriedensbruch begeht, können mehrere tausend Euro fällig werden. "Das Zelten in einem Landschaftsschutzgebiet etwa wird in Bremen mit bis zu 5.000 Euro bestraft", sagt Rechtsanwalt Voigt.

Also: Im Zweifelsfall jetzt noch mal die Punkte eins bis zehn genau durchlesen.

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