Schluss mit Geschlechterklischees!

Alexander aus Sankt Petersburg schien ein netter Typ zu sein. Wir hatten uns im Frühstücksraum eines Hostels in Hanoi kennen gelernt und waren gerade mit dem üblichen Backpacker-Smalltalk durch: Woher kommst du? Wohin willst du? Wie lange bist du schon unterwegs?

Aber dann kam das Thema, das immer kommt auf meinen Trips als Alleinreisende. Alexander fragte, wo denn meine Reisebegleitung sei. Als ich antwortete, dass ich allein reise, brauchte Alexander erstmal ein paar Sekunden. Dann fragte er verblüfft: "Warum das denn?"

Warum. Eine Frage, die mir während der drei Monate, in denen ich mit dem Rucksack durch Asien reiste, gefühlt jeden zweiten Tag gestellt wurde. Meist direkt gefolgt von: "Und, wie geht es dir damit?" In einem Tonfall, als ob ich von einem schweren Schicksalsschlag berichtet hätte.

Ja, das ist eine Frau auf Reisen. Noch Fragen?(Bild: Unsplash)

In den ersten Wochen erklärte ich mich immer: Meine Freundinnen hätten keine Zeit, kein Geld oder kleine Kinder und mein Freund könne nicht aus seinem Job weg.

Aber bald fragte ich mich: Geht das Männern eigentlich auch so, dass sie ständig gefragt werden, warum sie allein unterwegs sind? Doch alle, mit denen ich sprach, schüttelten den Kopf. Männer, die allein reisen, müssen sich offenbar nicht erklären.

Aber von Frauen wird ein triftiger Grund erwartet, wie sie auf die Idee kamen, eine Fernreise ohne eine volljährige Begleitperson anzutreten. 

Es begann schon vor der Reise. Monatelang informierte ich mich über benötigte Medikamente, Gesetzeslage und das Frauenbild in meinen Zielländern. Das mache ich seit Jahren so, egal ob es nach Indonesien geht oder nur nach Barcelona. Einige Menschen in meinem Umfeld gehen trotzdem davon aus, dass ich als Frau mit der Organisation eines solchen Trips überfordert sein müsste.

Sie erinnerten mich an Impfungen, die ich längst hatte. Sie nervten mich mit Alternativvorschlägen: "Warum ins Himalaja? Die Berge in Österreich sind doch auch schön!" Und mit Vorwürfen: "Du kannst deinen Freund doch nicht so lange allein lassen!" 

Eine Kollegin wurde vor ihrer Solo-Reise nach Peru von ihrem Vater ermahnt: "Geh dort nicht mit Fremden mit!" Ein Ratschlag, den man normalerweise einem Vorschulkind gibt. Keiner 30-jährigen Frau.

Geht das auch Männern so? Nein!
Mika

Auch unterwegs kommen sie immer wieder, die vermeintlich gut gemeinten Bemerkungen. Matthew aus den USA lobte zum Beispiel meinen Mut. "You're a brave girl", sagte er zu mir.

Wir waren aber nicht in Nordkorea, sondern in Vietnam. Einem der einfachsten Reiseländer Südostasiens, voller Touristen. Bei so einem "Lob" kann ich gar nicht anders, als mich verarscht zu fühlen.  

Die vielen allein reisenden Frauen, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, wussten genau, was sie taten. Waren sich der Gefahren und Risiken der Länder, die sie bereisten, voll bewusst

Wenn wir doch mal Hilfe brauchten, organisierten wir sie uns einfach – etwa über die Facebook-Gruppe "Wenn Frauen solo reisen". Über 18.500 weibliche Mitglieder unterstützen sich darin bei der Reisevorbereitung, helfen bei medizinischen Fragen und im Falle eines Passverlustes. Außerdem gibt es unzählige Blogs für alleinreisende Frauen, wie Pink Compass oder Planet Backpack.

Und wo geht es für dich als nächstes hin?
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Allein unterwegs zu sein ist für mich keine Religion. Ich gehöre nicht zu denen, die bei jeder Gelegenheit predigen, dass die Solo-Reise der Weg zur Erleuchtung ist. Mir macht ein Trip mit Freunden genauso viel Spaß. Aber es ist auf jeden Fall besser, allein loszuziehen, als zu Hause zu sitzen und darauf zu warten, dass die anderen endlich Zeit haben, dich zu begleiten. 

Klar, es ist manchmal einsam, wenn ich niemanden habe, der für mich zur Apotheke geht, wenn ich über dem Klo hänge und das verdorbene Streetfood von letzter Nacht auskotze. Oder wenn ich niemanden habe, den ich packen kann, wenn ich etwas entdecke. Einen Elefanten am Flussufer in Laos, den ersten Sonnenstrahl am Morgen über dem Himalaja. 

Versteht mich nicht falsch: Allein unterwegs zu sein ist für mich keine Religion.
Mika

Aber gleichzeitig hätte ich niemals Tauchen vor Thailands Küste gelernt, wenn ich mit jemandem unterwegs gewesen wäre, der darauf vielleicht keine Lust gehabt hätte. Ich hätte nie stundenlang verzaubert durch das Museum für Stadtgeschichte in Singapur schlendern können, weil jedem anderen dort vermutlich innerhalb weniger Minuten langweilig geworden wäre.

Wenn es sich ergibt, reise ich gern allein. Aber dafür will ich weder Mitleid, noch Anerkennung. Ich will nur eine gute Zeit haben und mich nicht ständig wegen meines Geschlechtes erklären müssen.

An diesem Bild ist nichts besonders, gehen Sie weiter!(Bild: Unsplash)

Übrigens hören die kritischen Fragen auch nicht auf, wenn die Reise vorüber ist. Als ich zurückkehrte, wollten mehrere wissen: "Gab es brenzlige Situationen, weil du als Frau allein unterwegs warst?"

Uff. Es war alles super, wieder mal. Punkt.


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