Gastro, Kunst und Geschichte in Kanadas Atlantik-Provinzen

Vier kanadische Provinzen – vier junge Entrepreneure, die uns erzählen, was Atlantik-Kanada neben berauschender Natur und unvergesslichen Wanderungen noch alles zu bieten hat: eine lässige Szene mit aufstrebenden Köchen, Künstlern und Mikro-Brauereien. Aber auch viel Kultur, Geschichte und – nicht zuletzt – liebenswert dickköpfige Einheimische. 

Phil Mollowney, Inhaber von Bannerman Brewing in St. Johns, war über zehn Jahre Mitglied von „Hey Rosetta“, einer der erfolgreichsten Bands der Provinz. Seine Musikkarriere unterbricht er gerade, um Newfoundland & Labrador mit Craft Beer zu versorgen.

 „Ich bin Vollblut-Musiker, und Atlantik-Kanada hat einen ganz eigenen Beat. Ich denke, das kommt davon, dass wir immer nahe an der Natur sind und so den Rhythmus von Land, Meer und Gezeiten verinnerlichen. Das macht kreativ: An der Küste der Bonavista-Halbinsel kann man beispielsweise moderne Kunst-Installationen ablaufen, sehr spektakulär. Auch der kleine Ort Dildo, der seinen außergewöhnlichen Namen mit einem Hollywood-Sign feiert, ist ein kreativer Hotspot.

(Bild: Bannerman Brewing)

 „Es heißt, Neufundländer seien die nettesten Menschen – und hey, es stimmt! Wir nehmen uns nicht gegenseitig die Butter vom Brot! Und weil wir auf allen Ebenen miteinander kooperieren, tut sich im Nightlife und in der Food-Szene unglaublich viel. Mit Restaurants wie Raymonds Restaurant, The Merchant Tavern oder Mallard Cottage sorgt Newfoundland & Labrador in ganz Kanada für Aufsehen. Und: Wir haben Spaß hier, oft bis 4 Uhr morgens. George Street ist nicht umsonst berühmt für seine unglaubliche Dichte an Bars – das sagt ja schon alles.“

(Bild: Al Douglas Photography)

 Fotograf Al Douglas ist auf Prince Edward Island geboren und aufgewachsen. Trotz vieler Reisen um die Welt, freut er sich immer wieder auf seine Heimat – woanders zu leben, kann er sich nicht vorstellen.

„Die Landschaft von PEI ist definitiv einzigartig: Von den weißen Sandstränden mit ihren spektakulären Dünen bis zu den Gegenden, in denen die rote Erde die Szenerie bestimmt – für mich als Fotografen gibt es immer etwas Neues, Aufregendes zu entdecken. Ich denke auch, dass die Natur die Einheimischen kreativ macht, vor allem die Restaurant-Szene profitiert davon. Mein Tipp ist Richard´s an der Nordküste, die „Lobster Roll“ ist zum Niederknien. Das Blue Mussel Cafe in Rustico ist ebenfalls ein Muss.

(Bild: Tourism Canada)

Und dann ist da natürlich die Tatsache, dass Kanada auf PEI geboren wurde! Immerhin ist Charlottetown die Wiege der Nation: 1864 wurde hier über die künftige Kanadische Konföderation beraten. Dank sogenannten „Confederation Players“ (Guides in historischen Kostümen), kann man bei Führungen eine regelrechte Zeitreise machen. Aber auch die Kultur der indigenen Gemeinschaft der Mi'kmaq ist wichtiger Bestandteil der Insel. Archäologen haben Hinweise auf eine frühe Mi'kmaq-Besiedlung Tausende von Jahre vor der Besiedlung von Charlottetown gefunden. Bei einem Trip in das Lennox Island Mi’kmaq Cultural Centre erfährt man mehr über Geschichte, Traditionen und Kulinarik: So kann man beispielsweise mit einem Guide Muscheln am Strand sammeln und gleich am offenen Feuer kochen. Besonders toll ist es, Bannock – das ist eine Art Fladenbrot – mit den traditionellen Methoden der Mi'kmaq unter heißem Sand zuzubereiten.“ 

(Bild: Bang-On Photography)

Sebastien Roy, Inhaber von Fils du Roy, hat bereits als 14-Jähriger heimlich in der Ecke seines Schlafzimmers ein Labor eingerichtet. Heute hat seine Destillerie in Paquetville New Brunswick mehrere Preise gewonnen.

„Am Anfang war die Destillerie so groß wie eine Garage. Seitdem haben wir uns jedes Jahr verdoppelt – etwas, das New Brunswick möglich macht: Eine innovative Idee hat Raum zum Atmen. New Brunswick ist unglaublich kreativ. Mit Galerien, Restaurants, Festivals und Micro-Brauereien wie dem Harvest Jazz and Blues Festival pulsiert entlang der Queen Street in Fredericton eine innovative Szene – inmitten viktorianischer Architektur.

 „Was ich besonders liebe: Hier werden Kultur, Traditionen und arkadische Geschichte gepflegt. Die Arkadier waren die ersten französischen Siedler Kanadas. Wir, die Nachfahren, sind immer noch hier – wie man an unserem starken Akzent hört. Dass unsere Produkte und Rezepte eine lange Tradition haben, zeigen wir beim Tasting in der Destillerie. Man kann aber auch im Village Historique Acadien oder an der Kings Landing Historical Site in die Vergangenheit reisen – dort bringen Schauspieler die Anfänge der Provinz zum Leben. Der Blick zurück macht uns zudem deutlich: Wir sind alle irgendwann in dieses Land gezogen. Die wirklichen Einheimischen sind die First Nations. Im Metepenagiag Heritage Park und beim Esgenoôpetitj First Nation Powwow kann man mehr über Folklore und indigenes Essen erfahren – ein wirkliches Erlebnis.“

(Bild: Tourism Nova Scotia / Photographer: James Ingram)

 Ashlee Feener, Miteigentümerin der Lunenburg Walking Tours, ist in achter Generation Lunenburgerin. Auf ihrem Spaziergang führt sie durch die (oft Rum-durchtränkte) Geschichte Nova Scotias.   

 „Nova Scotia ist spektakulär! Die Natur-Highlights wie die Bay of Fundy, Peggy´s Cove und den Cabot Trail darf man nicht verpassen. Neben Whale Watching, Segeltouren und Kajak-Trips ist übrigens das Tidal Bore Rafting ein ganz spezielles Adrenalin-Abenteuer. Aber ich muss schon sagen: Lunenburg liegt mir im Blut. Meine Vorfahren waren Dutchmen (von „Deutschmann“), die 1753 nach Kanada kamen. Geblieben ist eine gewisse Dickköpfigkeit, ein starker Dialekt und die Spezialitäten: Wir lieben Sauerkraut mit Würstchen, aber natürlich auch frischen Fisch und Hummer! Local Spots wie Lincoln Street Food und The Old Fish Factory Restaurant kann ich nur empfehlen.

(Bild: Tourism Nova Scotia / Photographer: James Ingram)

„Und dann ist da noch der Rum! Wie das Getränk die Provinz durch schwierige Jahre gebracht hat, zeigen wir bei der Lunenburg Distilled Tour mit Geschichten über die „Rum-Läufer“: Sie exportierten einst Kabeljau aus Nova Scotia zu den Westindischen Inseln – auf dem Rückweg war Rum in den Fässern. Und während der Prohibition produzierte die Provinz lukrativen Rum, obwohl es illegal war. Heute kann man ein Rum-Boot besuchen und Hochprozentiges aus der Ironworks Distillery probieren. Anschließend gibt es ein Meeresfrüchte-Dinner auf einem alten Schoner. Ich liebe die Geschichte unserer oftmals starrköpfigen Gründerväter, die mit leeren Händen ankamen und ein Städtchen aufgebaut haben, das heute UNESCO-Weltkulturerbe ist. Die herrlich bunten Häuser Lunenburgs erzählen davon.“

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