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Gerade hat eine Bekannte Flugtickets für einen Trip nach Florida storniert, sie wollte eigentlich Verwandte besuchen. "Ich bin doch nicht dumm", sagt sie. "Meine Eltern kommen aus dem größten muslimischen Land der Erde – wie soll das bitte bei der Einreise werden?"

Sie ist Deutsche, ihre Eltern kommen aus Indonesien. Dort leben mehr als 200 Millionen Muslime, mehr als in jedem anderen Land (Pew Research Center). In den Augen des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist das ein ziemlich sicheres Zeichen, dass dort nur "schlimme Typen" hausen.

Trump hat als eine seiner ersten Amtshandlungen einen "Muslim Ban" beschlossen: Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern dürfen nicht mehr einreisen. Kritiker nennen das Dekret verfassungsfeindlich und rassistisch, die US-Justiz hat es mittlerweile gestoppt (bento).

Ein Land, viele Impressionen – Die USA in Bildern:
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Die Angst bleibt trotzdem, nicht nur bei der jungen Frau, nicht nur unter Muslimen. Selbst Nicht-Muslime entscheiden sich jetzt gegen eine USA-Reise, teilweise aus Angst, teilweise aus Abneigung oder Verzweiflung.

Was ist aus dem "Land of the Free" geworden? Verwandeln sich die USA unter dem Rassisten Trump in eine gruselige Autokratie? Kann ich da jetzt noch unbeschwert Urlaub machen?

In den ersten Wochen nach Trumps Amtsantritt sind die US-Reisen deutlich zurückgegangen. Die Buchungen brachen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zuletzt um insgesamt 6,5 Prozent ein ("Die Zeit").

Ehrlich, auf eine US-Reise verzichten, weil dort jetzt ein Kind im Manneskörper regiert? Ich halte das für den falschen Weg.

Denn: Trump ist nicht Amerika und Amerika ist nicht Trump.

Von unserer Seite des Atlantiks sieht es so aus, als seien alle Amerikaner verrückt geworden, als würden alle Trump zu jubeln. Oder, das andere Extrem: als würden sich alle gegen ihren gerade erst gewählten Präsidenten stellen und mit Massendemos ein Ende seiner Politik fordern. Der Eindruck varriiert, je nachdem in welche Filter Bubble man schaut.

Tatsächlich ist das Verhältnis der US-Bürger zu ihrem Präsidenten ziemlich ausgewogen. Die Zustimmungswerte für Trumps Arbeit liegen in den Umfragen der meisten Institute zwischen 40 und 44 Prozent, bei einem gar bei 52 Prozent (Real Clear Politics).

Das heißt: Knapp die Hälfte aller US-Bürger steht hinter der Regierung Trump. Es heißt aber auch: Die knappe Mehrheit lehnt ihn ab.

Wenn ich wissen will, wie die Menschen in den USA wirklich ticken, muss ich hin.

Das Schlimmste, was mir bei einer US-Reise passieren kann? Ich treffe nur Trump-Gegner, die mir erzählen, wie ihnen der neue Präsident auf die Nerven geht.

Das Beste, was mir passieren kann? Ich treffe Trump-Fans, die mir helfen, besser zu verstehen, was da gerade passiert. Und denen auch ich erzählen kann, wie Europa gerade auf die neue US-Regierung schaut.

Wenn Trump auf Twitter über "Nazi-Deutschland" herzieht oder es mal eben als "total mess-big crime" bezeichnet – dann kann ich davon erzählen, wie es wirklich ist. Die beste Chance, all diesem Wahnsinn zu begegnen, ist miteinander ins Gespräch zu kommen. Das geht nicht, wenn wir einen großen Bogen um die neue USA machen.

Ich halte es für den falschen Weg, jetzt US-Reisen zu canceln. Vielmehr sollten wir bewusst Urlaub außerhalb der eigenen Filter Bubble machen.

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Gerechtigkeit

​"Erwache Rumäne, aus deinem Todesschlaf": Wir haben Demonstranten in Bukarest begleitet

Es ist Sonntag, der 13. Tag des Protests, die Temperaturen nur knapp unter Null, aber der Wind weht eisig über den Piata Victoriei in Bukarest, Rumänien. Rund 50.000 Menschen haben sich heute Abend hier versammelt, eingepackt in Winterjacken und Schneeanzügen, umgeben von Ständen, die Plastikbecher mit heißem Tee verteilen.

"Springt, springt gegen die Kälte", rufen die Demonstranten, und die Menschen hüpfen auf und ab, danach singen Tausende die rumänische Nationalhymne, deren erste Strophe nicht besser zu den Forderungen der Demonstranten passen könnte: