Bild: Unsplash, Phillip Goldsberry / Mathew Schwartz, Montage: bento/ cc 0
Ein kulinarischer und kultureller Trip nach Südostasien

Der sanfte Rhythmus der Wellen drückt das blaue Wasser über den feinen weißen Sand bis zu meinen Füßen. Das Meer ist warm, aber bei 39 Grad Lufttemperatur dennoch eine willkommene Abkühlung. Ebenso wie die frische Kokosnuss, die eben noch in einem Kühlschrank der Strandbar lag und nun fachmännisch mit einem gewaltigen Messer enthauptet wird. 

Wenn ich die Augen schließe, kann ich es fast wieder hören: Fetzen eines Reggaesongs, die sich mit Gesprächen von Reisenden aus Australien, Schweden und Argentinien mischen. Alle wollen an diesem Sehnsuchtsort etwas anderes finden. Entspannung oder Abenteuer, Gemeinschaft oder Abstand. Viele wissen nicht einmal, was sie suchen. In Thailand finden sie es trotzdem. 

Eine frisch aufgeschlagene Kokosnuss mit einem Strohhalm
(Bild: Sebastian Maas / bento)

An meinen Urlaub in Thailand vor zwei Jahren habe ich viele schöne Erinnerungen. Mittlerweile würde ich dort allerdings eher nicht mehr hinfliegen – mein gesteigertes Bewusstsein für klimaschädliche Langstreckenflüge und destruktiven Massentourismus verhindert das. Und die Coronakrise tut nun ihr Übriges. 

Stattdessen hole ich mir die schönen Seiten Thailands einfach nach Hause. Also rein in die Flip-Flops!

Weg ohne weg

Wegen der Coronakrise können wir derzeit nicht in den Urlaub – teilweise nicht mal vor die Tür. 

In unserer Urlaubsreihe "Weg ohne Dreck" stellen wir euch normalerweise schöne Orte vor, die mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind. In "Weg ohne weg" hingegen bringen wir euch Reiseziele näher – ohne, dass ihr dafür überhaupt euer Haus verlassen müsst. Also auch: Weg ohne Weg.

Mit Rezepten für lokale Spezialitäten, Musik und Traditionen könnt ihr euch den Urlaub so nach Hause holen. Klimafreundlicher geht's eigentlich kaum.

Das Foodie-Paradies

Thailand steht für mich vor allem für grandioses Essen. Alte Männer mit Motorroller-Küchen zaubern hier am Straßenrand einer achtspurigen Stadtautobahn leckere Mahlzeiten – und das für einen Euro pro Teller. 

Zu den bekanntesten Street-Food-Gerichten gehört Pad Thai, das man einfach zu Hause nachkochen kann. Für die Grundvariante der gebratenen Nudeln braucht man Ei, Lauchzwiebel, Sprossen, Limette, Erdnüsse, Chilli und ein paar Gewürze. Fischsauce ist empfohlen, aber optional. Wer als Profi noch einige Geschmacksebenen drauflegen möchte, findet hier ein tiefergehendes Rezept mit mehr Zutaten.

Noch einfacher nachzukochen sind die vielen Varianten der Thai-Currys. Vom milden "Massaman" mit Kartoffel, bis zu richtig scharfen grünen und roten Currys braucht man eigentlich nur Kokosmilch, frisches Gemüse und anständige Currypaste. Wer schöne Rezepte dafür sucht, kann sich das Kochbuch von May Kaidee besorgen, die Tausenden die Thailändische Küche vermittelt hat.

Angeber servieren ihr Curry so, es reicht aber auch eine normale Suppenschüssel

(Bild: Sebastian Maas)

Da kaum jemand alle Zutaten zu Hause hat, ist es Zeit, einzukaufen! Wer das gute Zeug haben will, sollte seinem örtlichen Asia-Shop einen Besuch abstatten. Seit Beginn der Coronakrise kämpfen diese aufgrund von irrationalen Ängsten ums Überleben. Und wenn ihr schon dabei seid, nehmt auch gleich Galgant, Limettenblätter und Zitronengras mit – dann könnt ihr in den kommenden Tagen noch eine legendäre Tom-Yam-Suppe kochen. Das alles gibt es meist sogar tiefgefroren, hält sich also lange.

"So sweet" ist keine Untertreibung

(Bild: Sebastian Maas)

Komm mal runter!

Nach dem Schleppen der schweren Einkaufstüten und anschließendem Kochen ist man geschafft – auch ein Gefühl, das man nach langen Wandertagen mit schwerem Gepäck bestens aus Thailand kennt. Damit man sich nicht verspannt, böte sich jetzt doch eine Massage an, oder? 

In Thailand bekommt man an jeder Ecke Massagen angeboten, von seriösen und staatlich geprüften Fußmassagesalons bis zu shady Hinterhofklitschen mit Happy End. Wie man das zu Hause handhabt, ist da jedem selbst überlassen. 

Massage vom Ex-Gefängnisinsassinnen? Ja, denn der Job wird von der Regierung als Weiterbildungsmaßnahme subventioniert und reguliert.

(Bild: Sebastian Maas)

Wichtig nur: Bitte probiert nicht einfach an Mitbewohner oder Partner die traditionelle Thai-Massage aus, wenn ihr nicht dafür ausgebildet seid. Im schlimmsten Fall brecht ihr ihnen das Kreuz. Massiert euch lieber – in Ermangelung eines Partners notfalls auch selbst – ausgiebig die Füße und den Kopf. Mit angenehmen Wellensounds und geschlossenen Augen.  

Thai, Thaai, Thaaii?

Die Sprache Thailands, Thai, ist grammatikalisch eigentlich einfach zu lernen, weil man sich viele lästige Deklinationen beim Lernen sparen kann. Dafür muss man bei der Aussprache aufpassen, weil das (in deutschen Ohren) selbe Wort mit verschiedenen Betonungen ganz Unterschiedliches bedeuten kann. Zwischen "Hallo" und "Guten Abend" liegt da nur ein Hauch Luft. 

Zudem muss man bedenken, dass "Ich" in Thai ein Geschlecht hat: Derselbe Satz unterscheidet sich, wenn ihn ein Mann oder eine Frau erzählen. Wer trotz der Stolpersteine die Basics dieser spannenden Sprache kennenlernen möchte, bekommt sie kostenlos hier beigebracht. Und kann dann nach der Massage mit "Kophkhun Mak Khrap!" trumpfen. ("Vielen Dank" auf männlich.) 

The world's your Oyster

Entspannt und satt geht es nun schon dem Abend zu. In den Augen vieler Menschen steht Thailand auch für Party-Exzesse, die schlimmsten Touri-Meilen erinnern mit ihrem Eimergesaufe an den Ballermann. Wenn man vorher im Asialaden zugeschlagen hat, kann man natürlich jetzt mit Thailands Nationalbieren "Chang" und "Tiger" anstoßen – "ชนแก้ว"! (sprich: schonn gääo, bedeutet in etwa "Prost!")

Warum Thailand zu Hause vielleicht besser als das Original ist

Das Backpacker-Paradies hat seit Jahren einen zweifelhaften Ruf: Zu überlaufen, zu kommerziell. Auch die politische Situation ist ein Problem, von 2014 bis 2019 wurde das Land vom Militär regiert (Auswärtiges Amt) – nach dem inzwischen 19. Straatsstreich der Landesgeschichte. 

Die soziale Ungleichheit ist seit dem Putsch weltweit einzigartig: 70 Prozent des Wohlstandes liegen in den Händen des reichsten Prozents der Bevölkerung (arte). Dennoch zieht Thailand jedes Jahr Millionen Touristen an, 2018 waren es ganze 38,1 Millionen – ein Rekord, der auch eine enorme Umweltbelastung bedeutet. (UNWTO)

Wem eher nach antialkoholischer Berieselung ist, muss jetzt natürlich noch (ihr habt schon darauf gewartet) "The Beach" schauen. Der junge Leonardo DiCaprio hatte mit dieser kaputten Illusion von westlichem Abenteuer einen unfassbaren Einfluss auf den Massentourismus der vergangenen Jahre. Auf der völlig mit Hotels verbauten Partyinsel Koh Phi Phi (eine Insel von der inzwischen geschlossenen, "geheimen" Bucht aus dem Film entfernt) wird er immer noch regelmäßig in Pubs gezeigt. Hierzulande kann man ihn bei Amazon, iTunes und Joyn streamen.

Kultur gibt's auch 

Abseits von Hollywood und Partytourismus ist Thailand ein Land mit Jahrtausende alter Tradition, viel Nationalstolz (zum Beispiel darüber, niemals kolonisiert worden zu sein) und weit verbreiteter Spiritualität.

Diese Vielfalt Thailands kann man von der Couch aus mit Dokus und Podcasts erkunden – besonders spannend sind diese hier:

  • Eine Dokumentation über kritisches Reisen und die Auswirkungen des Massentourismus (WDR).
  • In dieser Episode der Netflix-Food-Show "Somebody Feed Phil" bekommt man eigentlich den Foodporn Bangkoks präsentiert. Doch dabei lernt man auch viel über das Land – und wird zum Nachkochen inspiriert. 
  • "Man lernt, zu gewinnen und man lernt, zu verlieren. Das ist wichtig fürs Leben." Beim NDR-Doku-Kanal gibt es eine Doku über den Nationalsport Muay Thai, der seit über einem Jahrtausend fast schon religiös verehrt wird.
  • Der in Deutschland aufgewachsene Jason führt die Tradition seines in Thailand geborenen Vaters weiter und geht für drei Monate als Mönch in ein buddhistisches Kloster. Diese ARD-Doku begleitet ihn und ermöglicht uns so, auch etwas über die in Thailand vorherrschende Religion zu lernen. Inklusive Kopfrasur, was im Lockdown ja auch ohne religiöse Hintergründe en vogue ist (bento).

Gute Reise!


Gerechtigkeit

Das Versteckspiel: Wie AfD-Mitarbeiter mit Copy-Paste-Propaganda um junge Leute werben
Am Ende lässt sich der Pressesprecher am Telefon verleugnen

Tim Beuter weiß offensichtlich, dass Beiträge im Internet nicht nur von Freunden gelesen werden. Seit Jahren ist er in der rechten Szene unterwegs. In den vergangenen Jahren verwischte der große blonde Mann mit dem kantigen Gesicht und den tiefsitzenden dunklen Augen immer wieder seine Spuren. In der vergangenen Woche war es wieder soweit. Internet-Profile von Beuter bekamen neue Namen, zuvor aufrufbare Bilder und Kontaktdaten lösten sich in Luft auf. Als Autor heißt Tim Beuter jetzt plötzlich Bastian Weber.

Kurz zuvor hatten bento und netzpolitik.org darüber berichtet, dass er einer der fleißigsten Autoren von "Fritzfeed" ist. Das Portal versucht, radikal rechte Themen im Stil von Buzzfeed zu verkaufen. Artikel über lustige Rechtschreibfehler in Kleinanzeigen wechseln sich ab mit Quizzen über "Gesinnungsjournalisten" und Listen über kriminelle Migranten.

Gleich mehrere "Fritzfeed"-Macher arbeiten für die AfD

Nun belegen neue Dokumente, dass die Verstrickungen zwischen der AfD, Rechtsradikalen und "Fritzfeed" noch viel weitreichender sind als zunächst angenommen. Sowohl der produktive Autor Tim Beuter als auch der Chefredakteur Christian Schäler arbeiten für die Partei beziehungsweise die Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen.

Die AfD versucht, diese Verbindungen mit teilweise grotesken Manövern vor der Öffentlichkeit zu verschleiern. Das zeigt, welche Konsequenzen sie offenbar fürchtet, wenn bekannt wird, dass ihre Angestellten ein Medienangebot aufziehen.

Christian Schäler hat nicht nur als "cschaeler" Pressetexte für die AfD-Fraktion veröffentlicht – er hat sogar eine Raumnummer und eine eigene Durchwahl im Landtag. Kurz nachdem er mit seiner Doppelrolle als Medienmacher und AfD-Mitarbeiter konfrontiert wurde, änderte sich sein Autorenkürzel auf der Fraktionsseite. Der 27-Jährige heißt dort jetzt nur noch "cs". Was seine genaue Aufgabe im Parlament ist, will er auf Nachfrage nicht beantworten. Mitglied der AfD ist er nach eigenen Angaben nicht.