Bild: Karsten Kaminski
Lange Unterhose einpacken und los!

Eine Reise ins Baltikum mag vielleicht zunächst nach Oma-Kaffeefahrt klingen – aber die kleinen Länder im Nordosten Europas können wild sein. Estlands Hauptstadt Tallinn fasziniert mit atemberaubender Natur, eiskalten Temperaturen und interessanten Hot-Spots, an denen sich Hipster und Künstler herumtreiben.

Was du wissen musst, um dich in Tallinn zurechtzufinden:
1. Es gibt WLAN. ÜBERALL WLAN!
(Bild: Karsten Kaminski)

Estland ist das perfekte Land für alle Smartphone-Suchtis. In fast jedem Café, im Taxi, im Zug und an öffentlichen Plätzen kommt man umsonst und schnell ins Internet. Falls es echt mal vorkommen sollte, dass ihr kein WLan findet, könnt ihr einfach die Esten fragen, ob sie ihr mobiles Internet teilen. Für die ist das ganz normal: Sie begreifen den Zugang zum Internet als Grundrecht.

2. Die Reise geht zurück ins Jahr 1466.
(Bild: Karsten Kaminski)

Auf dem Marktplatz von Tallinn fühlt man sich so, als hätte man eine Zeitreise in das Mittelalter gemacht. Aus jeder Ecke dudelt alte Musik, die Menschen tragen Kleidung, die aussieht, als stamme sie aus einer sehr alten Welt. Bier wird hier aus Krügen getrunken, im Keller des alten Rathauses gibt es (die besten) sauren Gurken – die man sich selbst aus Holzeimern fischen muss.

3. Hier wohnen Kreative.
(Bild: Karsten Kaminski)

Wer es moderner mag, der sollte einen Abstecher in das Künstler-Zentrum Telliskivi machen. Es liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof. Hier trifft man die angesagten Leute aus Tallinn in Clubs, Restaurants oder im Theater.

Tipp: Dieses Viertel ist ein perfekter Ort, um den Instagram-Feed zu verschönern. Denn es war einst ein altes Industriegelände, das jetzt zum Hot-Spot für Hipster geworden ist: überall Straßenkunst, Graffiti, kaputte Wände und offene Ateliers.

4. Du shoppst im Oma-Style.
(Bild: Karsten Kaminski)

Auch direkt hinter dem Bahnhof: der traditionelle Markt. Hier gibt es eingelegtes Gemüse, frischen Fisch aus dem Meer und selbstgemachten Kuchen. Ganz oft werden auch Kräuter aus dem Wald verkauft. Wer über den Markt läuft und an sein Ende gelangt, der landet im Second-Hand-Paradies. Der Flohmarkt am Mauerpark in Berlin kann einpacken: Hier ist alles echte Second-Hand-Ware und sehr günstig. Dicke Pullis gibt es zum Beispiel für 3 Euro.

5. Das Essen schmeckt wie bei Mutti.
(Bild: Karsten Kaminski)

Die estnische Küche ist eigentlich ziemlich deutsch: Schnitzel, Kartoffeln, Sauerkraut. Weil Estland aber Teil der Sowjetunion war, gibt es hier viele russische Gerichte zum Essen.

Tipp: Pelmeni. Das sind mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, die mit saurer Sahne und Dill verfeinert werden. Für Vegetarier: Warenikis. Die gibt es mit Kartoffel-, Pilz- und Krautfüllung. Esten frittieren die Teigtaschen gern.

Fragt in Restaurants nach dem Daily-Special. Das bedeutet: super große Mahlzeit für 3 Euro.

6. Am Meer spazieren bedeutet durch Betonwüste spazieren.
(Bild: Karsten Kaminski)

Der beste Ort für Spaziergänge ist Linnahall – ja, trotz der Betonwüsten (siehe Bild). Von hier aus kann man das Meer am besten betrachten. Die Gelände stammen noch aus der Zeit der Olympischen Sommerspiele 1980, sie wurden für die Segelwettbewerbe errichtet. Die Einheimischen finden die riesigen grauen Steine hässlich und würden sie am liebsten entfernen lassen.

Als Tourist aber kann man sich hier verstecken, in aller Ruhe auf das Wasser und in den Himmel schauen. Im Winter scheint die Sonne nur sechs Stunden pro Tag, das muss für den Besuch von Linnahall beachtetet werden.

Instagram-Tipp: Abends färbt sich der Himmel tiefrosa, das eignet sich besonders für Fotos.

7. Jeden Tag ist Halloween.
(Bild: Karsten Kaminski)

Der gruseligste Ort in Estland ist das alte Patarei-Gefängnis, direkt an der Küste von Tallinn. Wer will, kann auf eigene Faust das alte Militärgefängnis erkunden: verschimmelte Gänge, alte Arzt-Räume, Dokumente aus der Sowjetzeit, die auf dem Boden liegen – und die Wände sind voller geheimnisvoller Schmierereien.

Nichts für schwache Nerven – Taschenlampe mitnehmen!

8. "Terviseks" hat nichts mit Sex zu tun.
(Bild: Karsten Kaminski)

Die estnische Sprache klingt lustig. Wer abends in den Pubs unterwegs ist, der wird oft das Wort "Terviseks“ hören. Viele Touristen lachen dann laut, weil sie das Wort mit Sex assoziieren. Übersetzt heißt es jedoch einfach nur "Prost". Das estnische Wort "Appi" hat nichts mit Appetit zu tun – es bedeutet "Hilfe".

Gefühlt besteht die Sprache aus vielen Zungenbrechern, die es sehr kompliziert machen mitzureden. Lieblingssatz: "Ma ei räägi eesti keelt.“ Das bedeutet: "Ich spreche kein Estnisch."

9. Es ist kalt, aber es geht noch kälter.
(Bild: Karsten Kaminski)

Wer nicht genug von der Kälte bekommen kann, der sollte in die Ice-Bar gehen. Der Raum dieser Bar besteht aus 18 Tonnen Eis; zu Beginn bekommt man einen extra dicken Mantel umgelegt, damit man nicht erfriert. Die Gäste nehmen auf Eisklötzen Platz, der Vodka wird natürlich eisgekühlt serviert. Besonders schön: Nach der Ice-Bar weiterziehen in ein wärmeres Lokal – und dort einen heißen Tee genießen.

10. Werde eins mit der Natur.
(Bild: Karsten Kaminski)

In Estland gibt es sechs Nationalparks. Unweit von Tallinn befindet sich der größte: Lahemaa. Eine Busfahrt dorthin dauert etwa eine Stunde. Vor Ort gibt es gefrorene Sümpfe, Tannenwälder und jede Menge Rehe zu sehen. Wenn die Sonne scheint, dann hört man das Eis knacken.

Das alles hilft, mal wieder den Kopf frei zu kriegen. Die Weiten wirken unendlich. Es gibt Ausblicktürme mitten in der Landschaft und immer wieder Bänke am Rande der Wanderwege. Zwischen den Sümpfen liegen enge Holzpfade, auf denen man schon fast balancieren muss. Besonders angenehm: Der Nationalpark ist nicht überlaufen.

Geheimtipp für Pärchen: Macht ein kurzes Winterpicknick auf einem der Ausblicktürme.

11. Hier kannst du einfach mal wieder Kind sein.

Perfektes Wetter zum Schlittenfahren!


12. Nahverkehr und Folgereisen sind günstig.

Wer mehr als nur Tallinn entdecken möchte, der sollte die günstigen Bahn- und Busverbindungen in Estland nutzen. Innerhalb des Landes kann man für ein bis vier Euro reisen. Nach Riga kommt man zum Beispiel für 3 Euro, nach Helsinki bezahlt man ein wenig mehr – aber insgesamt auch nicht viel: Die Überfahrt mit der Fähre kostet 17 Euro.

Von Deutschland aus kommt man besonders günstig über die Flughäfen Düsseldorf-Weeze oder Bremen nach Tallinn. In Tallinn kostet eine 3-Tages-Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel 3 Euro. Tickets dafür gibt es in den Kiosks, die man überfall in der Stadt findet.

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