Museen sind oft wie der "Mix der Woche" bei Spotify: Manchmal ist man begeistert und entdeckt Grandioses, machmal ist man tierisch gelangweilt – und regelmäßig fragt man sich, was zur Hölle einem da gerade präsentiert wird

Zur letzten Kategorie gehören die Ausstellungsstücke, die Museen gerade unter dem Titel "Strange Things Challenge" auf Instagram teilen. 

Verrückte, bizarre, sonderbare oder ganz und gar unerklärliche Exponate, die sich im Laufe der Jahre so bei ihnen angesammelt haben.

Gestartet hat die Instagram-Challenge das "Historische Museum der Pfalz" in Speyer. Sie funktioniert so, dass ein Museum fünf Tage hintereinander jeweils ein verrücktes Exponat vorstellt und dann ein anderes Museum nominieren darf. Die Challenge begann schon im Januar, läuft aber bis heute entspannt weiter – denn, klar: Den Museen läuft nix weg. Durch die Ausgeruhtheit ist die "Strange Things Challenge" zudem eine der wenigen Bewegungen im Netz, bei der man tatsächlich etwas lernen kann. 

Wir zeigen eine Auswahl der "Strange Things"-Exponate, mit steigendem Bizarro-Level: 

1 Hitlers Nadelpopo, Badisches Landesmuseum (Karlsruhe)

"Ein besonders subtiles Mittel der Kriegspropaganda gegen das Dritte Reich und seinen 'Führer'."

Ob man den heute auch mit US-Präsidenten kaufen kann? 

2 Fliegender Penis, Museum August Kestner (Hannover)

"Früher hat er Glück gebracht und die bösen Geister aus dem Haus vertrieben." 

Nicht nur die, würden wir wetten.

3 Frisuren-Klebeband, Museum für Gestaltung (Zürich)

Für fancy Achtzigerjahre-Ladys, die nichts sehnlicher brauchten, als Klebeband für die Haare.

4 Strahlenschutz-Unterhosen, Museum für Kommunikation Bern

Damit das beste Stück nicht vom Handy in der Hosentasche besiegt wird. Das Museum hat in einem anderen Post auch ein Töpfchen (genau, für Kleinkinder zum Toilettentraining) mit iPad-Halterung anzubieten. What a time to be alive!

5 Haschisch gegen Hühneraugen, Pharmaziemuseum Basel 

Früher wie heute: Nicht alles, was dir Dealer verkaufen, ist wirklich das, was du möchtest. Denn Haschisch ist keins in der Flasche, verrät der Urheber des Bildes. Ob das Mittel wenigstens gegen Hühneraugen geholfen hat? 

6 Der "Scheidenpulverbläser", Museum für Verhütung (Wien)

"Er wurde vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt, um ein spermizides Pulver einzubringen." 

Oder auch: Was Frauen nicht alles tun müssen, damit Männer kein Kondom tragen können.

7 Stadtplan für Männer, Kölnisches Stadtmuseum

"Wo gibts was: Straßenstrich, Lokalprostitution, Bordellbetriebe, Transvestitentreffs, Tanzpinten". 
Lässt uns nun auch ein wenig sprachlos zurück. 

8 Das Pussy-Heizkissen, ebenfalls Kölnisches Stadtmuseum

Ja, es war eine andere Zeit. Ja, das Wort hat eine andere Bedeutung. Aber wir lachen trotzdem drüber. Zum Glück ist das Teil "fernseh- und radiostörfrei", sonst müsste man vor der Benutzung wohl die Strahlenschutz-Unterhose von oben anziehen.

9 Dieser Präparatoren-(Alb)traum, Naturmuseum St. Gallen 

"Es handelt sich um einen typischen Wolpetinger - ein bayerisches Fabelwesen, welches über einen eigenen Wikipedia-Eintrag verfügt. Die erfolgreiche Legende nahm im 19. Jahrhundert ihren Anfang, als Tierpräparatoren aus Körperteilen von unterschiedlichen Tieren Souvenire für leichtgläubige Touristen schufen. Unser Exemplar war Protagonist eines 1.Aprilscherzes und ist auf unserer Teamseite zu finden." 

Die Challenge hat inwischen mehr als 500 Beiträge von Museen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen und Belgien. Hier kannst du sehen, was sonst noch so gepostet wurde. 



Gerechtigkeit

Zwei Krankenpflegerinnen erzählen, warum sexuelle Belästigung zu ihrem Berufsalltag gehört
"Es gab Zimmer, die ich nicht mehr betreten wollte."

Die Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege sind hart (bento) und manchmal unangenehm. Das weiß auch die Auszubildende Mara, als sie ihren ersten Einsatz im Krankenhaus hat. Sie ist im ersten Jahr der Ausbildung zur Krankenpflegerin und betreut einen älteren Patienten.

Er bittet sie, ihm mit der Urinflasche zu helfen. Also hält Mara sie an seinen Penis, während er in die Flasche uriniert. Ab diesem Moment möchte der Patient immer wieder, dass Mara ihm die Flasche hinhält.

Bis sie realisiert: Er könnte das auch selbst.

Der Patient ist nicht auf ihre Hilfe angewiesen – sondern belästigt sie sexuell.

Dass Mara mit ihrer Erfahrung nicht allein ist, zeigt eine Umfrage der Gesundheitspsychologin Claudia Depauli. Sie hat 2980 Pflegekräfte befragt: 67 Prozent berichten von sexueller Belästigung im Job (aerztezeitung.de) Besonders betroffen sind demnach junge Frauen.

In der Ausbildung sammeln Krankenpflegerinnen und -pfleger Wissen über den menschlichen Körper, über Krankheiten und den Krankenhausalltag. Über den Umgang mit sexuellen Übergriffen lernen sie zu wenig.

bento hat mit zwei Krankenpflegerinnen gesprochen. Sie erzählen, wo ihre Grenzen sind, wie sie mit Belästigungen umgehen und was der gesellschaftliche Stellenwert von Pflegearbeit mit #metoo zu tun hat. 

Mara, 22

Mein krassestes Erlebnis war eigentlich das mit der Urinflasche. Aber mir wird auch immer wieder ganz klassisch an den Arsch gefasst, während ich die Patienten mobilisiere. Dabei müssen sie sich an meine Taille festhalten – oft wird das ausgenutzt und die Hand rutscht nach unten.

In meiner Klasse kamen solche Übergriffe total oft vor. Ich glaube, mir hätte jeder mindestens vier Geschichten erzählen können, und oft laufen sie gleich ab. Dadurch, dass wir so eine körperbetonte Arbeit ausführen wird da eine ganz feine Grenze überschritten.