Bild: Marianna Deinyan
St. Petersburg ist meistens Kitsch. Wer sich in der Innenstadt umsieht, sieht Kirchen mit vergoldeten Kuppeln und verschnörkelten Fassaden, die sich aneinander reihen. Das Ambiente erinnerte an das Set der Sissi-Filme.
Die Hermitage ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.(Bild: Marianna Deinyan)

Doch die Stadt kann mehr als protzen und funkeln – viel mehr.

1. Es gibt Brücken, die dich in den Wahnsinn treiben.

Nachts werden die Schiffe durch die Stadt navigiert, dann gibt es für einige Stunden keine Verbindungen mehr zwischen dem Zentrum und den hinter den Flüssen gelegenen Stadtteilen, die Wasili-Insel zum Beispiel.

Wer ausgeht und nach dem Feiern zurück nach Hause will, dem kann das hier passieren: Ins Taxi steigen, Taxi fährt bis zur Brücke, in dem Moment fährt die Brücke hoch, Taxi kann nicht weiter – Taxifahrer sagt, er könne nichts machen. Es kann bis zum nächsten Morgen dauern, bis die Brücke wieder unten ist. Am besten gleich zurück in die Bar, warten, was trinken und irgendwie versuchen, nicht einzuschlafen.

Brücken wie diese fahren nachts hoch, damit Schiffe vorbei können.(Bild: Marianna Deinyan)
2. Du wirst Liebe spüren. Liebe fürs Essen.

Herzlich Willkommen, das hier ist das Teig- und Mayo-Paradies. Die russische Küche ist fettig. Richtig fettig. Genau das richtige für alle, die den ganzen Tag durch die Kälte stapfen.

Mehr als lecker: der Oliviersalat (russischer Kartoffelsalat), der Vinaigrette-Salat (Rote Beete-Salat), Pelmeni mit Smetana (gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Knoblauch und Sahne). Zum Naschen: Hering im Pelzmantel (Schichtsalat mit Kartoffeln, Hering, roter Beete und ordentlich Zwiebeln). Zum Trinken: Kwas (aus Brot gegärte Limonade) oder Mors (Waldbeer-Saft).

Und als Dessert: Blini (Pfannkuchen) oder Napoleon-Torte (Buttercreme umhüllt von Blätterteig). So etwas findet sich am besten in den traditionellen "Stolavaya"–Kantinen, in denen Locals mittags essen gehen. Das Essen dort ist spottbillig, und die Atmosphäre viel authentischer als in all den Hochglanz-Pelmeni-Bars, die es an jeder Ecke gibt.

Tipp: Probier auch das Essen anderer ehemaliger Ostblock-Staaten: Georgisch, Armenisch, Kasachisch – so etwas gibt es in Deutschland eher selten. Und. Es. Ist. Jeden. Bissen. Wert.

Pelmeni. <3(Bild: Marianna Deinyan)
3. Russischer Wodka ist nichts für Anfänger.

Was bei uns in Clubs und Bars als Wodka verkauft wird, ist nichts im Vergleich zu dem, was in Russland über die Theken geht. Wodka-"Pinnchen" von 100 Millilitern sind keine Seltenheit. Dazu gibt es Zitronen oder saure Gurken. Nichts für weiche Seelen. Wenn du dich allerdings vorher durch ein typisch russisches Menü gefuttert hast, bist du auch durchaus bereit für einen solchen Riesen-Absacker.

Gurken. Und Vodka.(Bild: Marianna Deinyan)
4. Hipster werden durchdrehen.

Über einen relativ versteckten Hinterhof-Eingang am Ligosvki Prospekt gelangt man in St. Petersburgs Hipster-Paradies, das "Lift Project Etagi“. In einer alten Brot-Fabrik liegt hier das größte Zentrum für zeitgenössische Kunst der Stadt: zwei Galerien, vier Ausstellungsbereiche, dazu mehrere Designer-Läden, Restaurants, Imbisse.

Café im dritten Stock des Etagi.(Bild: Marianna Deinyan)
Im Etagi kann man locker einen kompletten Tag verbringen. Abends unbedingt auf die Dachterasse gehen – und das hier sehen:

5. Gönn dir die Klassik-Schinken in der Hermitage.

Wer auf klassische europäische Kunst steht, der sollte einen Besuch im Hermitage-Museum auf seiner To-Do-Liste haben. Das leuchtend blaue Gebäude direkt an der Newa gehört zu den bedeutendsten Museen der Welt und ist vergleichbar mit dem Louvre in Paris oder dem Museo del Prado in Madrid.

Allein von außen ist die Hermitage wunderschön.(Bild: Marianna Deinyan)

In der klassischen Ausstellung gibt es Werke von da Vinci, Picasso und Rembrandt. Im Bereich für moderne Kunst gibt es auch immer wieder Fotoausstellungen. Aktuell hängen dort Bilder vom Fotojournalisten Steve McCurry, der 1985 mit seinem Portrait eines afghanischen Mädchens auf dem Cover des "National Geographic" landete und so berühmt wurde.

Das Foto des afghanischen Mädchens hat Steve McCurry weltberühmt gemacht.(Bild: Marianna Deinyan)
6. Russen stehen auf Aberglauben. Try it out!

Die Petersburger Bustickets sind mit einer sechsstelligen Nummer bedruckt. In der Stadt erzählt man sich: Wer die ersten und letzten drei Zahlen addiert und beide Quersummen 10 ergeben, darf sich was wünschen.

Fast 10, aber auch nur fast.(Bild: Marianna Deinyan)

Falls das mit dem Ticket nicht klappt, kann man sein Glück auch beim Čižik-Pyžik (Tschijik Pijik) versuchen. Čižik-Pyžik ist ein kleines Metall-Vögelchen, das auf der Außenwand einer Brücke am Fontanka-Fluss befestigt ist. Die Legende: Wer eine Münze auf den Sockel der Mini-Statue wirft und sie liegen bleibt, der darf sich was wünschen.

7. Wer Floskeln kennt, gewinnt die Herzen der Russen.

Es gibt Postkarten, die mit dem Satz "From Russia with indifference and apathy" bedruckt sind.

Zugegebenermaßen haben nicht alle Russen ein Lächeln ins Gesicht getackert. Spricht man sie aber an, sind sie trotzdem sehr viel kommunikativer und herzlicher, als Vorurteile es erwarten lassen.

Man kommt einfacher mit ihnen ins Gespräch, wenn man einige Floskeln ihrer Sprache auswendig kennt. Also: Wörterbuch schnappen und nicht nur die Basics lernen, sondern auch ganze Phrasen und Sprichwörter.

8. Deine Followerzahl auf Instagram wird explodieren.

Die Zahl deiner Insta-Follower wird auf dieser Reise ins Unermessliche steigen. Aus irgendeinem Grund sind Russen offenbar sehr folge-freudig. Sie lieben Instagram sogar so sehr, dass es überall in der Stadt Print-Automaten gibt, an denen man seine Lieblingsfotos aus dem eigenen Feed ausdrucken kann.

Wenn du auf der Suche nach coolen Fotomotiven bist, dann schau dir die Accounts von Top-Instagrammern aus St. Petersburg an: @mark.in, @st.petersburger, @vladislavkarpyuk und @urayxor geben dir einen tollen Blick auf die Stadt und liefern Ideen für Ausflugsziele und Fotomotive.
9. Du bist grundsätzlich underdressed.

Zumindest als Frau. Denn während du in Schal, Daunenjacke und gefütterten Schuhen über dünne Eisschichten tippelst und alles dafür tust, nicht auszurutschen, wird eine überdurchschnittlich attraktive Russin an dir vorbei stolzieren.

Ganz ehrlich, dein #ootd wird vermutlich aus Schal, Schal, Schal, Mütze und Handschuhen bestehen.(Bild: Marianna Deinyan)

In High Heels und elegantem dünnem Mantel. Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob ein solches Outfit bei eisigem Wind und Schneeregen das Richtige ist, aber wenn du dich – zumindest beim Feiern – nicht komplett fehl am Platz fühlen willst, dann pack neben Wollpullovern vielleicht auch ein Lieblingskleid ein.

10. Tütü? Tata!

In St. Petersburg steht eines der berühmtesten Ballett-Häuser der Welt: das Mariinsky-Theater. Wer es also bis hierher geschafft hat, sollte sich unbedingt eine Aufführung ansehen. Man muss nicht zwingend seit dem dritten Lebensjahr in einem Tütü gesteckt haben, um dabei Spaß zu haben.

(Bild: Marianna Deinyan)
(Bild: Marianna Deinyan)

Denn allein schon, wenn ihr den großen Saal betretet, wird sich der Eintritt gelohnt haben: überall Stuck, Gold, Engelchen, Samt-Vorhänge. Es ist unglaublich, mit was für einer Leichtigkeit menschliche Körper hier in die Luft gehoben und herumgewirbelt werden.

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