Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Zwischen Hamburg und München liegen 800 Kilometer. Es gibt mehrere Wege, um dorthin zu kommen. Bahnfahren zum Beispiel. Dauert ewig. Und ist echt teuer. Am besten gleich fliegen, oder? Definitiv schneller. Und definitiv günstiger, wenn man Bahnpreise mit Flugpreisen vergleicht. Könnte man meinen. Aber stimmt das wirklich?

Max Lucks, Sprecher der Grünen Jugend, hat jedenfalls das Gefühl. Hier geht es um die Strecke Berlin bis Köln:

Der Tweet wurde Anfang der Woche von Hunderten kommentiert und Tausende Nutzerinnen und Nutzer favorisierten ihn.

Aber ein Gefühl muss nicht den Fakten entsprechen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat bereits vor einigen Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, um Antworten zu bekommen.

Zwischen Mai und September 2013 ließ der VCD 540 Tests durchführen und verglich 270 Flüge mit der entsprechenden Anzahl von Bahnverbindungen (Welt). Ausgewählt wurden die zehn Strecken mit dem höchsten Aufkommen an Fluggästen, unter anderem:

  • München – Frankfurt
  • Frankfurt – Hamburg
  • Hamburg – München
  • Köln/Bonn – Berlin
  • München – Düsseldorf

Das Ergebnis: In 91,5 Prozent der untersuchten Fälle ist die Reise mit der Bahn günstiger.

Wir haben Philipp Kosok, 30, gefragt. Er ist verkehrspolitischer Referent des Verkehrsclubs Deutschland. Wie sieht die Lage derzeit aus?

(Bild: VCD/Katja Täubert)

Wie kommt es zu der gefühlten Wahrheit, Flüge seien günstiger als die Bahn?

Werbeangebote von Fluggesellschaften bleiben länger im Gedächtnis und führen zu einer verzerrten Wahrnehmung. Auf Plakaten sieht man einen Flug für einen Euro nach London zum Beispiel. 

Die Airlines bieten immer nur einen kleinen Teil ihrer Sitzplätze zu einem solchen Preis an. Die Bahn hat aber in den vergangenen Jahren auch mit Niedrigpreisen geworben und damit Kunden gewonnen. Neun von zehn Menschen reisen abgesehen davon ohnehin nicht zum normalen Preis, es gibt Sparpreise und Bahncard-Rabatte. Ob man spontan reist oder einige Wochen im Voraus bucht: Die Bahn ist noch immer in den allermeisten Fällen günstiger. Das hat eine Studie des VCD gezeigt.

Die Studie stammt allerdings aus dem Jahr 2013. Hat sich in der Zwischenzeit etwas verändert?

Wir haben keine aktuelleren Ergebnisse. Wir gehen aber davon aus, dass sich nichts wesentlich getan hat. Die Bahn hat ihre Sparangebote sogar noch deutlich ausgeweitet. Und die Superniedrigpreise im Flugverkehr scheinen eher dem Ende entgegenzugehen. Das sieht man an der Ryanair-Krise. Und daran, dass andere Billigairlines pleite gehen, im Konkreten Air Berlin. 

Auf der anderen Seite gehen Fluggesellschaften wie die Lufthansa mit ihren Preisen hoch. Ich gehe davon aus, dass die Flugpreise in den nächsten Jahren nicht fallen werden. Der Markt bei den Billigflügen ist gesättigt. Das ist gut in Bezug auf die Treibhausgasemissionen.

Was fordern Sie?

Dass zwischen der Bahn und den Fluggesellschaften ein fairer Wettbewerb herrscht. Der Flugverkehr ist steuerlich massiv bevorteilt. Es gibt keine Steuer auf Kerosin. Die Bahn allerdings verbraucht Strom, auf den erhebliche Steuern anfallen. Auf Tickets der Bahn werden auch 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Das ist bei Flügen in Deutschland zwar auch der Fall – aber nicht, wenn sie ins europäische Ausland gehen. Ein fatales Zeichen in Zeiten, in denen die Klimaziele ohnehin schon schwer einzuhalten sind. Die deutsche Regierung müsste außerdem in ein besseres Bahnnetz investieren. Das Geld dafür wäre da. Stattdessen wird mehr in Straßen investiert ­– mit der Folge, dass das Autofahren gefördert wird.

Wie könnte man die Verbraucher von Inlandsflügen abbringen?

Die wenigsten Menschen steigen wohl in einen Zug, weil sie die Umwelt schützen wollen. Es geht vielmehr um die Schnelligkeit und ums Geld. Auch bei der Schnelligkeit liegt die Bahn, anders als viele meinen, oft vorn. Um in deutsche Großstädte zu kommen, die angeflogen werden, ist es von Haustür zu Haustür mit der Bahn schneller. Man vergisst gerne den zeitlichen Aufwand, der mit dem Fliegen zusammenhängt. 


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