Die drei wichtigsten Fragen beantwortet

Die Streiks bei Ryanair gehen weiter: Bereits im Juli hatten die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in mehreren Ländern ihre Arbeit niedergelegt (bento), jetzt trifft es auch Deutschland – mitten in der Urlaubsaison. 

Gestreikt werden soll für 24 Stunden, ab Freitag um 3.01 Uhr bis Samstag um 2.59 Uhr.

In welchen Ländern wird gestreikt?

Die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schließt sich mit dem Streik ihren Kolleginnen und Kollegen in Irland, Schweden und Belgien an, die ebenfalls am Freitag für bessere Bedingungen kämpfen wollen. Zusammen wäre das der größte Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair.

Was bedeutet das für die Flüge?

  • Die Airline hat für Freitag bereits 400 Flüge gestrichen, 250 davon entfallen auf Deutschland.
  • Rund 55.000 Passagiere müssen ihre Flüge umbuchen oder ihre Tickets erstatten lassen, erklärte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs am Mittwoch in Frankfurt. Die Betroffenen sollen per SMS oder E-Mail benachrichtigt werden.
  • Nicht alle der in Deutschland eingesetzten Pilotinnen sind bei der Airline angestellt, aber die Mehrzahl: Schätzungen schwanken zwischen 67 und 90 Prozent Festangestellter. Die übrigen Piloten arbeiten über Personaldienstleister bei Ryanair, sie werden also in jedem Fall fliegen.
  • Trotzdem werden laut Betriebschef Peter Bellew rund zwei Drittel der deutschen Kundinnen und Kunden von den Streiks betroffen sein.

Was fordern die Pilotinnen?

Bisher hatten in Europa nur irische Piloten an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt. Die Vereinigung Cockpit verlangt deshalb auch einen Schutz vor unfreiwilligen Versetzungen

VC-Chef Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren – die Airline sei für die Eskalation allein verantwortlich: "Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen", erklärte der Gewerkschafter. Ihm fehle die Fantasie, wie Verbesserungen für das Personal ohne Kostensteigerungen erreicht werden könnten.

Die VC hat keine konkrete Geldforderung gestellt – als Maßstab zieht die Gewerkschaft aber Tarifverträge von deutschen Fluggesellschaften wie der Tuifly heran, ohne auf den dort genannten Gehaltsstufen zu beharren. Vorhaltungen des Managements, man verlange Gehaltserhöhungen von mehr als 60 Prozent, wies Schumacher als falsch zurück. 

Ryanair müsse sich vom bisherigen Umgang mit ihrem Personal verabschieden, meinte VC-Vize Markus Wahl: 

Sie machen jedes Jahr Milliardengewinne, und das Durchschnittsticket kostet um die 40 Euro. Irgendwer muss dafür bezahlen. Das Personal wird es nicht mehr tun.

Vor zwei Wochen hatten streikende Flugbegleiter in Spanien, Portugal und Belgien Ryanair gezwungen, innerhalb von zwei Tagen rund 600 Flüge mit zusammen etwa 100.000 betroffenen Passagieren abzusagen. 

Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich aber europaweit untereinander. 

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Argentiniens Senat lässt Recht auf Abtreibung nicht durchgehen
Zwei Fragen, zwei Antworten

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Abtreibungen sind in Argentinien nur nach einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt. In einer 23 Stunden andauernden Diskussion haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier des Landes für die Legalisierung von Abtreibungen gestimmt (bento). Wenn auch sehr knapp. 

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