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ine Straße ist eine Straße ist – eine verdammte Schotterpiste. Google Maps vermisst die Welt? 

Nicht in Albanien. Auf der Karte im Handy sehen wir eine mittelgroße Straße. Vor uns eine willkürliche Abfolge aus Pfützen, Geäst und Achsenbrecher-Schlaglöchern, so tief und kantig, dass selbst Traktoren ausweichen sollten. Ich fahre einen weißen Fiat Punto.

Neben mir sitzt eine gute Freundin und atmet von Zeit zu Zeit scharf ein. Um uns herum erheben sich die albanischen Berge, wir ruckeln durch winzige Dörflein, fünf Häuser, Esel, Weinreben und frei laufende Hühner. Aber so richtig nehmen wir nichts davon war. Lorelai, so haben wir den Mietwagen getauft, liegt schief und schleift über etwas Raues. Vielleicht hätte ich mich doch für die Vollkasko ohne Eigenbeteiligung entscheiden sollen. Aber mir wurde mal erklärt, Autoverleiher verdienten das meiste Geld mit ihren Versicherungen und meinen Ängsten, und da falle ich natürlich nicht drauf rein.

Nach ganzen drei Tagen auf den albanischen Straßen waren wir eigentlich überaus selbstbewusst: Die Autobahnen waren viel besser als erwartet, sie können problemlos mit denen anderer europäischer Länder mithalten. 

Klar, abseits davon scheint es keine klaren Regeln zu geben, aber... 


... wen stören schon ein paar Mopeds, nächtliche Geisterradfahrer und todesverachtende Straßenhunde?

Nichts davor schien bisher ähnlich bedrohlich wie der Feldweg, der mindestens bis zum Horizont führt, vermutlich aber nach Athen.

"Wie lange noch?" frage ich. Meine Freundin zuckt die Achseln "Im Moment seht es nicht so aus, als würden wir uns von der Stelle bewegen", antwortet sie. 

Scheiße.

Albanien ist ein Land der relativen Distanzen. Es kann 15 Minuten oder 50 Minuten dauern, 20 Kilometer zu überwinden. 

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Man weiß nie, was hinter der nächsten Straßenbiegung wartet: griechische Tempelruinen, eine Pizzeria mit Wifi oder Kinder am Rand der Autobahn, die eine Kuh hüten; eine ärmliche Hüttenansammlungen voll Müll oder winzige Bunker, die sich am Strand aufreihen und auf Entfernung aussehen wie die ordentlichste Riesenschildkrötenkolonie der Welt.


Aber genau deshalb ist ein Roadtrip durch Albanien so verdammt gut. Man erlebt unterwegs echte Überraschungen! 

Vielleicht auch, weil die wenigsten genaue Vorstellungen von Albanien haben. Klar: Bis vor 30 Jahren war Albanien politisch isoliert. 

Nachdem der sozialistische Diktator Enver Hoxha 1944 übernahm, verabschiedete Albanien sich nach und nach aus allen internationalen Bündnissen und zerstritt sich mit potenziellen Verbündeten. Und weil das Land viel zu klein ist, als dass es die Aufmerksamkeit der internationalen Politik geweckt hätte, blieb es für fast ein halbes Jahrhundert ein Land ohne Zugehörigkeit oder Austausch.

Ein Flecken Erde, für einige Zeit wie aus der Geschichte gefallen. 



Die häufigsten Vorurteile, die mir vor meiner Reise begegnen: 
  1. "Das ist doch muslimisch, kannst du da als Frau reisen?" Das stimmt so nicht wirklich: Albanien proklamierte sich als ersten atheistische Staat der Welt, es gab eine Jagd auf Geistliche und nur besonders wertvolle Kirchen und Moscheen blieben stehen. Das ist natürlich längst vorbei, Religion darf wieder ausgelebt werden – aber der Eindruck eines säkularen Staates bleibt. 
  2. "Ist das nicht nur arm und grau?" Klar, es gibt Armut an allen Ecken, viele junge Menschen träumen davon, auszuwandern, und die sozialistischen Klotzbauten laden nicht immer zum Verweilen ein. Die Biergärten in der Haupstadt Tirana, die spektakulären Buchten am Meer und die wahnsinnig gastfreundlichen Menschen hingegen schon.
  3. "Achtung, da wird dir bestimmt was geklaut!" Wie in vielen anderen Ländern ist auch hier Kleinkriminalität ein Problem. Aber wer seine Sachen am Körper trägt und auf sie achtet, kann sich ruhig auch auf Tiranas Märkte wagen. 
Eine Albanien-Route, die sich anbietet: von Nord nach Süd an der Küste entlang. 

Die etwa 350 Kilometer kann man problemlos innerhalb einer Woche schaffen – oder ein bisschen mehr Zeit am Strand einplanen.

5 Dinge, die du dir dabei nicht entgehen lassen solltest:
1. Kepi i Rodonit


Im Norden starten wir am Kap Kepi i Rodonit. Die Landzunge ist knapp zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt und läuft fast zehn Kilometer in die Adria hinein. Mit dem Auto kommt man bis zur Kirche des heiligen Antonius, die aussieht, als sei sie aus der Toscana direkt hierher verpflanzt worden. Davor liegt ein ruhiger Strand – viele scheuen wohl die Anreise über holprige Landwege. 

Außer uns ist zumindest nur ein Paar da, das Hochzeitsfotos macht. Die Braut rennt unermüdlich immer wieder auf den Bräutigam zu und wirft sich ihm in die Arme, wir erkunden die winzigen Bunker, die am Strand aufgereiht sind. 

2. Tirana, die Hauptstadt

Hier kann man wunderbar ein Wochenende verfeiern und verbummeln. Tirana ist verdammt bunt. Der ehemalige Bürgermeister und spätere Premieminister Edi Rama war Maler und glaubte daran, dass es die Menschen seiner Stadt glücklicher mache, wenn die sozialistische Klotzarchitektur zumindest farblich charmanter würde (Ted). Also überzog er die Gebäude der Stadt mit knallbunten Mustern.

Das war eine Zeit lang so heftig, dass Anwohner sich angeblich über Kopfschmerzen von den grellen Farben beschwerten – aber die gleißende mediterrane Sonne hat sie zum Glück schnell ausgeblichen. 

Unbedingt ansehen: Das sozialistische Mosaik über dem Nationalmuseum. 

Unbedingt genießen: Tirana ist keine der Städte, die einen mit der Masse an Sehenswürdigkeiten überfordern – eher eine zum rumlaufen und Menschen beobachten. Da kann man problemlos in einem der großen, schattigen Biergärten einen Nachmittag verplempern. 

3. Den Nationalpark Llogara

Die Strecke von Tirana dauert fast vier Stunden, aber für den Llogara-Pass sollte man sich Zeit nehmen und nicht zu müde ankommen. Hier fühlt sich Albanien ein bisschen so an, als habe jemand den Schwarzwald an eine Küste verpflanzt: Holzhäuser schmiegen sich in Pinienwäldern an steile Hänge, hinter einem liegt das Meer. 


Auf dem höchsten Punkt des Passes von Nord nach Süd wartet eine spektakuläre Aussichtsplattform, aber noch schöner ist es eigentlich, wenn sich in den folgenden Serpentinen der Blick auf das Meer öffnet. Man kann so weit sehen, dass Himmel und Wasser verschwimmen und man glauben möchte, der Frachter in weiter Ferne könne fliegen. 

Jetzt heißt es: Motor aus, den Wagen rollen lassen, die Köpfe aus dem Fenster strecken. Und auf übermütige Ziegenherden achten, die die Straße überqueren. 

4. Die Strände im Süden

Die schlechte Nachricht: Man muss sie leider auch hier ein bisschen suchen, die ungestörten Ecken. Denn seit Albanien das Potenzial im Tourismus entdeckt hat, schießen auch hier hässliche Hotelklötze aus dem Boden. Die gute Nachricht: Es gibt sie, die kleinen Buchten mit klarem Wasser, Sand und Felsen, an denen man beim Schnorcheln Fische beobachten kann. Am besten findet man sie, indem man sich auf der gut ausgebauten Küstenstraße Zeit lässt und spontan in die kleinen Straßen, die Richtung Meer führen, abbiegt. Das führt ab und an in Sackgassen, aber meistens zum Ziel.

Essen und Trinken

Besonders im Süden ähneln sich griechische und albanische Küche sehr. Salat ist oft eine Variante dessen, was wir als "griechischen Salat" bezeichnen – Oliven, Gurken, Schafskäse. 

Was in Meernähe immer geht: gegrillter Fisch. Der ist meist fangfrisch, wird gern im Ganzen serviert und kostet um die sechs Euro.

Der Nationalschnaps Rakia (nicht zu verwechseln mit Raki) ist ein Pflaumenbrandy – einen sollte man auf jeden Fall probieren, besonders, wenn man eingeladen wird.

Syri i Kaltër 

"Das blaue Auge" ist eine eiskalter See im Süd-Osten Albaniens, versteckt zwischen Wäldern und Seen. Berühmt ist er vor allem wegen seiner Farbe: Ein sattes Blau geht hier über in blendendes Türkis. Allzu lange hält man es darin nicht aus, nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen der starken Strömung. Aber erstens tut die Erfrischung im albanischen Sommer einfach gut. Und zweitens kann man hier quasi keine schlechten Bilder machen. Insta-Tipp: Den roten Bikini einpacken und von einer Plattform über dem "blauen Auge" aus fotografieren lassen!

Was kostet der Spaß?

Ein paar Zahlen zu Albanien im August – Preise können sich selbstverständlich ändern:

Anreise: Hin und Rückflug von Düsseldorf nach Tirana, z.B. von Düsseldorf, rund 250 Euro 

Mietwagen: Kleinwagen um 250 Euro pro Woche

Unterkünfte: Zimmer für 2 auf Airbnb ab 25 Euro pro Nacht, Hostelzimmer ab 17 Euro pro Person 


Food

Aldi-Kunde schaut nach, woher sein Hackfleisch kommt und flippt aus

Fleisch wird in Deutschland immer billiger, doch die Anbieter versprechen, dass dennoch alles super ist. Beste Qualität, engmaschige Kontrollen, alles nachvollziehbar. Viele Marken heißen, als wären sie noch kleine Familienbetriebe. Bei Rewe kommt das Fleisch von "Wilhelm Brandenburg", bei Penny beliefert der "Mühlenhof" und bei Aldi ist es "Meine Metzgerei". 

Doch als Aldi-Kunde Hendrik Haase wissen wollte, woher sein Rinder-Hackfleisch kommt, zeigte das "Transparenz-Siegel" beim genauen Hinsehen nur einen Ort: Deutschland. Haase forschte weiter und fand heraus, dass das Fleisch aus Oldenburg oder Husum kommen muss – vom Großkonzern "Danish Crown". Der schlachtet allein in Husum jährlich 600.000 Rinder. "Meine Metzgerei"? Wohl eher "Meine Fleischfabrik". 

Auf Facebook machte er seinem Ärger Luft: