Bild: Teresa Bechtold
Will er hier bleiben oder zurück nach Deutschland?

Wie sein perfekter Strand aussieht, André Schneegaß weiß es genau. Hunderte hat der 33-Jährige aus Thüringen schon gesehen und an vielen hatte er etwas auszusetzen. Zu grober Sand, zu große Bucht. Und vor allem zu viele Touristen: "Den perfekten Strand kann man nicht über eine Straße erreichen. Sonst kommen zu viele Leute."

In seinem Leben ist André schon viel gereist und hatte schon viele Jobs. Nachdem sein Vertrag als Eventmanager in Deutschland nicht verlängert wurde, setzte der studierte Wirtschaftsinformatiker sich ab. Die Welt sehen, raus aus Deutschland, irgendwo eine neue Existenz gründen – wann, wenn nicht jetzt? Das schoss ihm durch den Kopf.

Sieben Jahre später hat er es geschafft. Er war lange unterwegs, immer mit dem Plan, sich ein eigenes Business an einem besonderen Ort auszubauen, besonderer als Deutschland.

Wann, wenn nicht jetzt?

In den vergangenen Jahren hat er in Australien gejobbt, war in Thailand, Brasilien. Überall suchte er nach dem richtigen Verhältnis: Die Arbeit sollte stimmen – und das Lebensgefühl. Zwei Jahre arbeitete er in einer Goldmine in Australien, von dort aus ging er nach Asien. Einen schönen Ort finden, ein kleines Grundstück kaufen, in die Tourismusbranche einsteigen, das war sein Wunsch.

Dann kam er nach Myeik, eine Hafenstadt an der Südküste Myanmars. Und fand seinen Lieblingsstrand, bei dem alles stimmte – Sand, Bucht, Touristen.

Traumhaft, paradiesisch – aber auch ohne Menschen. So sieht Myanmar aus, das Land, in dem André gerade lebt:
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Das südostasiatische Land liegt zwischen Bangladesch, Indien, China, Laos und Thailand. Im Süden teilt sich Myanmar einen Küstenstreifen mit Thailand. Doch während der Tourismus in Thailand boomt, sich an der Küste Hotel an Restaurant an Bungalow reihen, sind die Strände in Myanmar leer.

Ein schmaler Streifen weißer Sand, auf der einen Seite spült das hellblaue Wasser bunte Muscheln an, auf der anderen spielen ein paar Kinder unter Palmen. Perfekt.

Und perfekt auch die Bedingungen, sich etwas aufzubauen. Denn in Myeik war vor drei Jahren, als André kam, wirtschaftlich noch nicht viel los. Es gab kaum Touristen, weil das Land bis 2011 eine Militärdiktatur war. Reisen waren nur eingeschränkt möglich, der ganze Süden Myanmars war komplett für Touristen gesperrt.

André kam vor drei Jahren – allein. Er wohnt in einem Hotel in der Stadt. Ohne Freunde. Eine Freundin hat er nicht, seine Familie lebt in Thüringen. "Es ist ein einsames Leben", sagt er.

Warum verlässt einer seine Heimat, um sich irgendwo auf der Welt eine neue Existenz aufzubauen?

"Ich hätte nach Thailand, Kambodscha, Taiwan oder sonst wohin gehen können, wo es einfacher gewesen wäre", sagt André. "Aber ich wollte niemandem was wegnehmen. Ich fand es toll, an einem Ort der Erste zu sein, der was organisiert."

Und das war er. Als er hergezog, war er der einzige westliche Ausländer in der Stadt. Selbstständig gründete er ein Reisebüro, veranstaltet seitdem Bootstouren zu den umliegenden Inseln. Ein Job, der seinem früheren Beruf als Eventmanager ähnelt. Ein Job, den Andé liebt, weswegen er gern hier ist.

Palmen, Abendsonne – und eine Frage: Bleibe ich?

Sein Leben in Myeik startete er als Attraktion. Wenn er mit seinen blonden Ringellocken durch die staubigen Straßen lief, drehten sich die Leute um. Das ist heute manchmal noch immer so: Kinder winken und rufen, Mopedfahrer halten an. Mittlerweile leben außer André noch fünf andere Ausländer hier, doch noch immer gilt er als etwas Besonderes.

Für jede seiner Touren muss er einen fingerdicken Stapel Formulare ausfüllen. Die burmesischen Behörden haben seine Ausflüge mit strikten Auflagen belegt. Unter anderem, weil sie einen Touristenansturm befürchten. Auch André ist dafür, dass der Tourismus in der Region nur langsam wächst.

Es ist auch einsam
André

Der Reiseführer beschreibt Myeik als "authentisch": Die Restaurants servieren alles außer westliches Essen, kaum jemand spricht Englisch und es gibt keine Taxen. Wer gefahren werden will, hält einen Mopedfahrer an der Straße an und fragt, ob er einen für ein wenig Kleingeld mitnimmt.

Mit den Einheimischen kommt André nicht auf eine Wellenlänge, obwohl er mittlerweile etwas Burmesisch spricht, sagt er. "Man merkt einfach, dass man einen ganz unterschiedlichen Hintergrund hat." Wann immer er Zeit hat, trainiert er mit der örtlichen Tischtennisgruppe.

Wohin es ihn als nächstes zieht, weiß André noch nicht.

Abends geht er trotzdem lieber mit westlichen Touristen essen – auch, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Er führt sie in sein Lieblingsrestaurant an der Promenade. Dort müssen sie die lokalen Spezialitäten probieren: gegrillter Rochen und Mangroven-Schnecken.

Es macht ihm Spaß, den Touristen etwas Exotisches zu zeigen, mit dem er sich nach all den Jahren auskennt. Mittlerweile managt er neben den Touren auch ein kleines Bungalow-Resort. Zeit für seinen Lieblingsstrand hat er nicht mehr so häufig, die meisten Tage verbringt er im Büro.

Drei Jahre hat er sich noch gegeben, dann soll es wieder weitergehen, weg aus Myeik. Ihm fehlen ein paar echte Freundschaften, sagt André. Wohin genau es ihn ziehen wird, er kann es noch nicht sagen. Nur eins steht fest: Einen besseren Strand findet er nicht mehr.


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Nintendos neue Konsole Switch kommt am 3. März

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Ab 3. März soll die Switch in Japan, den USA und einigen europäischen Ländern verkauft werden. In den USA soll die Konsole rund 300 Dollar kosten. Der Preis für Deutschland ist noch nicht bekannt.