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Erlebnisse passen in keinen Koffer

Reiseprofis berichten, wie sie auf Unnötiges verzichten und nur mit dem Handgepäck unterwegs sind:

Vor sechs Jahren kündigten die Briten Erin McNeaney und Simon Fairbairn ihre Jobs und verkauften alles, was sich an beweglichen Dingen in ihrer Wohnung befand. Seitdem ist das Blogger-Paar permanent auf Reisen. Sie ritten auf Pferden in Panama, schwammen im Toten Meer in Jordanien, schlenderten über Märkte in Hongkong. Insgesamt besuchten sie 32 Länder und buchten dafür unzählige Flüge. Nicht ein einziges Mal checkten sie einen Koffer oder Rucksack ein - weil sie nur mit Handgepäck unterwegs sind.

Reiseblogger Erin und Simon(Bild: neverendingvoyage.com)

"Das macht unsere Reisen so viel einfacher", sagt McNeaney. "Wir sparen Zeit am Flughafen, verschwenden kein Geld für Gepäckgebühren und haben keinen Stress mit schwerem Ballast."

Wir können alles, was wir haben, in zehn Minuten einpacken und zum nächsten Abenteuer aufbrechen
Erin McNeaney & Simon Fairbairn

Während "normale" Reisende für einen Zwei-Wochen-Urlaub einen 20 Kilo schweren Koffer aufgeben und später staunen, was sie davon alles nicht gebraucht haben, hinterfragen Profis wie die beiden Blogger jedes Gramm.

"Das Wichtigste ist, alle Gegenstände zu vermeiden, die man 'nur für alle Fälle' einpackt", sagt McNeaney, die mit ihrem Partner das Blog neverendingvoyage.com betreibt und eine Reise-App veröffentlicht hat. "Alles muss seinen Platz im Gepäck verdienen, indem es regelmäßig zum Einsatz kommt. Packe keine Wanderschuhe ein, nur weil du möglicherweise eine Wanderung planst, aber meistens in der Stadt unterwegs sein wirst. Verzichte auf die dicke Jacke, wenn du nach Südostasien reist. High Heels, falls man zu einer schicken Party eingeladen wird? Lieber Ledersandalen oder flache Schuhe einpacken.

Alles an den Körper?

Seit Billigfluggesellschaften für eingechecktes Gepäck happige Zusatzgebühren erheben, steigt die Motivation, sich das zu ersparen. Regelmäßig sieht man in der Ryanair-Warteschlange Menschen, die michelinmännchenhaft aufgeplustert alles am Körper tragen, was der Kleiderschrank hergab. Manche Passagiere tragen extra für Billigflug-Passagiere konzipierte Jacken und Westen, die so viele Taschen haben, dass sich locker fünf Kilo Klamotten oder mehr darin unterbringen lassen. Was die Chancen auf einen Flirt mit dem Sitznachbarn angeht, kann für die Nutzer allerdings keine optimistische Prognose abgegeben werden.

Die wahren Könner setzen dagegen auf Reduktion. So wie die Berliner Bloggerin und Unternehmerin Conni Biesalski, die seit zwei Jahren ausschließlich mit Handgepäck reist. "Ich bin meistens in den Tropen unterwegs, da brauche ich nicht viel." Wenn es sie doch einmal in kältere Regionen verschlägt, kauft sie vor Ort warme Kleidung. Oder improvisiert: "In Südamerika bin ich mit Sportschuhen bis auf 5000 Meter Höhe gewandert."

Connie nimmt Klamotten immer nur für eine Woche mit, lässt sie dann vor Ort waschen. Das ist oft günstiger als man denkt.(Bild: Conni Biesalski)

Häufig verbringt Biesalski Monate am Stück im Ausland und arbeitet von unterwegs aus. Egal, wie lange sie Deutschland verlässt: Sie packt immer nur Kleidung für sieben Tage ein und wäscht dann einmal pro Woche. "Gold wert sind dabei Gegenstände, die mehr als eine Funktion haben, zum Beispiel ein Sarong - man kann darin schlafen und ihn als Handtuch oder Kleidungsstück benutzen." Oder eine Allzweckseife, bei der drei Tropfen zum Haarewaschen reichen und die gleichzeitig als Waschmittel taugt. Nur einen Luxusgegenstand gönnt sie sich: ihre Yogamatte. Anfängern empfiehlt sie, mit dem Kauf eines kleineren Gepäckstücks anzufangen. "Schon zu große Maße sind ein Fehler.

Mein Leben passt in einen 38-Liter-Rucksack, das ist für mich die größte Freiheit
Conni Biesalski

Je nach Fluggesellschaft sind gewöhnlich acht bis zehn Kilogramm Handgepäck erlaubt (eine Liste mit Details der Fluglinien). Wenn der Trolley oder Rucksack nicht größer als 55 mal 35 mal 20 Zentimeter ist, sollte man nirgendwo Probleme kriegen. Mit dem erlaubten Höchstgewicht kommt Biesalski nicht immer aus, doch bislang hatte sie noch nie Ärger - auch weil sie immer vorab online eincheckt, wodurch die Gefahr geringer wird, dass etwas am Schalter nachgewogen wird. "Wenn man ganz leger den Rucksack über der Schulter trägt, fällt gar nicht auf, wenn das mal 12 oder 14 Kilo sind", sagt sie.

Längst ist Minimalismus für Biesalski zu einer Lebensphilosophie geworden: "Wichtig sind Erlebnisse und Erfahrungen - Dinge, die man nicht in einen Rucksack packen kann."

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