Bild: bento / Nike Laurenz

TO DO: Nach Marrakesch fliegen und erfahren, wie das Leben auch sein kann – voller unbekannter Gerüche, Klänge und Geschichten. Die klare Bergluft zwischen den Kratern des Atlasgebirges atmen, sich vom Staub der hektischen Souks benebeln lassen, das Funkeln der Sterne zwischen Wüstendünen beobachten. Ein muslimisches Land kennenlernen, in dem das erste und letzte Wort noch immer beim König liegt.

Und dann: aufschreiben, was unvergessen bleibt.

1. Es ist eng.
(Bild: bento / Nike Laurenz)

Die Straßen und Gässchen von Marrakesch sind extrem überfüllt – besonders in der Medina, dem Kern der Stadt. Hier drängen sich schon ab frühmorgens die Menschen: Händler und Bettler, Frauen und Kinder. Sie rasen mit knatternden Mopeds über die holprigen Wege, ab vormittags dominiert der Geruch von Benzin die heiße Luft, die sich in den Gassen staut.

Es gibt hier kaum Autos: nur vollbepackte Esel, herumstreunende Katzen und klapprige Fahrräder. Die Häuserwände begrenzen die einzelnen Pfade. Mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften ergeben sie ein Labyrinth, dem sich nur mit richtig gutem Orientierungssinn entfliehen lässt.
2. Nichts kommt in den Müll. Alles wird repariert.
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Die in vielen Teilen Marokkos alles bestimmende Armut wird vor allem in der Haltung der Händler deutlich: Sie verkaufen alles – und als neu gilt auch, was zum fünften Mal repariert wurde. Dass Teekannen oder Wasserhähne kaputt gehen, lässt man nicht zu. Man tüftelt und schraubt lieber mit Leidenschaft an ihnen herum, bis sie wieder voll funktionsfähig sind.

3. Manches zerfällt dann aber doch.
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Und dann muss man sich ganz fest daran erinnern, dass man nicht durch eine Ruinenstadt in Kabul läuft, sondern durch eine Straße in Marrakesch. Für aufwendige Bauprojekte gibt es einfach kein Geld – besonders nicht in den ärmeren Vierteln der Medina. Hier fallen Hunderte Jahre alte Mauern in sich zusammen. Und das bleibt dann auch erst mal so.

4. Schöne Gewürze = heftiger Durchfall.
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Sehen toll aus, grummeln aber ordentlich im Bauch: die vielen Gewürze, die man in fast allen größeren Städten Marokkos auf Märkten kaufen kann. Auf manchen Gewürzbergen liegt eine dünne Staubschicht. Ein Indiz, wie lange die duftenden Berge schon herumliegen.

Tipp: Nur mal probieren, alles andere nimmt der Darm persönlich!

5. Das Essen ist... anders.
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Tajine, das klassische marokkanische Gericht (gekochtes Gemüse), kann köstlich sein oder völlig daneben schmecken. Lecker ist es, wenn das Gemüse nach dem Kochen nochmal in der Pfanne gewendet wurde. Reis muss kräftig gesalzen werden.

Viel vermisst: Olivenöl. Da könnte man das sehr trockene Brot hineintauchen, das zu jedem Essen gereicht wird...

6. In Marrakesch gibt es auch einen Supermarkt. Einen einzigen.
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Chips! Schokolade! Fanta! Kinderwurst!

Nach einiger Zeit werden Träume so aussehen. Wer typisch westliches Knabberzeug und Brotaufstriche vermisst, der fährt in Marrakeschs einzigen richtigen Supermarkt in der Menara Mall. Der tut sich auf wie eine andere Welt. Man sieht zwar keinen Marokkaner mehr, dafür aber ein paar Touristen.

7. Vergiss Klopapier. Das ist dein neues WC.
(Bild: Flickr.com / SuSanA Secretariat (cc-by))

Das Kanalisationssystem ist marode, Klopapier würde sofort alle Rohre verstopfen. Deswegen gibt es keins. Taschentücher mitbringen – und sich daran gewöhnen, dass manche Toiletten nicht so aussehen, wie man es kennt.

Tipp: Besonders auf dem Land sind Stehklos Standard, richtige Toiletten finden sich eher in Hotels, Hostels oder den für Marrakesch typischen Riads.

8. Die Wüste ist wundervoll.
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So, genau so, sieht es in der Sahara von Merzouga aus. Weiche Sanddünen, totale Stille, Kamelschnaufen. Und kein Mensch weit und breit. Die von Einheimischen geführten Touren führen quer durch die Wüste, die Nacht verbringen alle in einem echten Berberzelt. Dann heißt es: der Ruhe lauschen, sich in dicke Jacken einmummeln, nur noch flüstern – und die Milchstraße betrachten.

9. Es kann auch mal kalt sein.
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In der Sahara sinken die Temperaturen nach Sonnenuntergang bis in den frühen Morgen. Es wird eisig. Und es gilt: Alles anziehen, was du bei dir hast.

10. Deine Kamera wird bei diesem Anblick schlapp machen.
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Der Weg nach Merzouga führt durch das Atlasgebirge – mit Felsen und Schluchten, die wohl kaum eine Kamera einfangen kann. Wer auf der eintägigen Tour durch die Serpentinen mal anhält, wird ständig schlucken und staunen müssen: sooo hoch, soooo tief.

11. Hier wurde Game of Thrones gedreht.
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Ait Benhaddou, ein Dorf am Fuß des Atlasgebirges, war schon Kulisse für viele Filme und Serien. Zum Beispiel für "Die Mumie". Und "Gladiatior". Und zuletzt auch für die Serie Game of Thrones.

12. Deine Problemchen wirken plötzlich klein.
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Keine Lust, früh aufzustehen? Schon wieder total pleite? Die Sorgen aus Deutschland geraten in weite Ferne, wenn man den Alltag von Marokkanern erlebt, nur ein paar Flugstunden: keine befestigten Straßen und Esel statt Autos. Manche Menschen waschen ihre Kleidung am Ufer des Flusses. Der austrocknet, sobald es heiß wird.

13. Lagerfeuer mit Einheimischen sind traurig-schön.
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Weil man dabei ganz nachdenklich wird: Wie fühlt sich das Leben gerade an? Wie unterscheidet es sich von dem Leben der Einheimischen? Wie sind meine Werte, woran glaube ich? Und woran glauben die anderen?

14. Um solche Fotos muss man bitten. Und dafür bezahlen.
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Und das ist auch gut so! Denn niemand will ungefragt fotografiert werden, nur weil er anders aussieht oder sich anders verhält, als man selbst. In Marokko gilt überall: Wer die Kamera auf Menschen hält, muss sie vorher fragen – sonst werden sie womöglich sauer. Wer ein schönes Foto will, muss dafür auch manchmal einen Euro bezahlen.

15. Zusammen vor Ort sein ist besser als allein.
(Bild: bento / Nike Laurenz)

Das Auswärtige Amt empfiehlt: "Allein reisende Frauen sollten sich zurückhaltend verhalten und gesundes Misstrauen zeigen. Auch wenn viele Marokkanerinnen berufstätig sind, bleibt das Rollenverständnis insbesondere in ländlichen Gebieten von herkömmlichen Mustern bestimmt."

Kurzum: Die meisten Marokkaner sind humorvoll und wahnsinnig gastfreundlich. Und trotzdem: Im Dunkeln die Orientierung in den verschachtelten Gassen verlieren, mit den manchmal sehr eigensinnigen Marokkanern verhandeln, auf einem Kamel in den Sonnenaufgang reiten – das alles macht am meisten Spaß, wenn man es mit jemandem teilen kann.