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Vergesst Rom, vergesst Madrid!

Hauptstädte sind sowas wie die Hauptdarsteller eines Filmes. Ihr Bild ist ganz vorn auf dem Reiseführer abgebildet, sie werden bei der Reiseplanung immer als Erstes genannt, bekommen die meiste Aufmerksamkeit ab.

Doch wie im Film verdienen auch bei Städtereisen die Nebendarsteller Beachtung. Denn Italien ist lange nicht nur Rom, Portugal nicht nur Lissabon.

Wer statt der Hauptstadt eine kleinere Stadt ansteuert, erlebt oft Orte, die locker mit den Hauptstädten mithalten können – oder in manchen Fällen sogar besser sind. Denn, wie man weiß: Die ganz großen Stars haben oft auch ihre Attitüden.

Diese fünf europäischen Städte haben uns davon überzeugt, dass sie mindestens so gut sind wie die Hauptstädte:

Polen: Krakau statt Warschau

(Bild: Unsplash/Jacek Dylag)

Warum?

Nichts gegen Warschau: Die Hauptstadt Polens hat eine spannende Geschichte und es gibt viel zu sehen – aber Krakau ist tausendmal schöner. Weniger Sowjet-Klötze, mehr hübsche Altbauten. Dazu tolles Essen, Bars und viele junge Leute. Hin da!

Was sollte ich auf jeden Fall machen?

  • Durch die Wodkasorten probieren in den tollen Bars von Kazimierz – zum Beispiel Singer oder Alchemia.
  • Essen! Diese Stadt ist voll von Snacks und günstig sind sie auch noch. Futter dich über den Plac Nowy und probier alles von Maczanka bis Zapiekanka.
  • Auschwitz besuchen. Es liegt etwas außerhalb und ist daher ein Tagesausflug. Ja, es ist hart – aber auch eine wichtige Erfahrung.

Wie komme ich hin?

Von Berlin fahren Züge und Busse. Mit etwa acht Stunden Reisezeit muss man aber schon rechnen. Direktflüge gibt es von Berlin, Nürnberg, Frankfurt am Main, Dortmund und Stuttgart ab 19 Euro.

Wo übernachte ich?

Am besten irgendwo zwischen Altstadt und Kazimierz. Das "Secret Garden Hostel" ist sehr schön und hat statt knarzender Doppelstockbetten aus Metall normale Betten in hübschen Zimmern. Wer lieber ein Hotel will: Das "Eden" ist sehr günstig und hat das einzige Mikvah (ein traditionelles jüdisches Bad) in ganz Krakau.

Hier noch im Schnelldurchlauf neun Dos und Dont's für Porto.

Spanien: Sevilla statt Madrid

Warum?

Sevilla liegt im Süden Spaniens und hat so auch im Spätherbst noch 30-Grad-Tage, an denen du die Sonne und das Stadtleben auf der Straße genießen kannst. In Madrid wird es ab Anfang Oktober schnell kalt und verregnet. Vielleicht kannst du sogar noch ans Meer – in nur 50 Minuten kommst du nach Cadiz, einem der schönsten Atlantikstrände Spaniens.

Sevilla ist außerdem kompakter als die Hauptstadt: Da die Wohnviertel sich kreisförmig um den Stadtkern anordnen, kann man jede Attraktion zu Fuß erreichen.

Was sollte ich auf jeden Fall machen?

  • Das Metropol Parasol erklimmen: Von der größten Holzkonstruktion der Welt hat man einen atemberaubenden Blick über die Stadt – besonders bei Sonnenuntergang.
  • Eine Kneipentour durch Alfalfa, das Herzstück der sevillianischen Altstadt. Hier reihen sich Kneipen an Tapas-Bars und noble Restaurants.
  • In der Taberna "Los Coloniales" Tapas essen: Die Tapas-Bar mit zwei Standorten in Sevilla bietet dir die volle Bandbreite der kleinen spanischen Köstlichkeiten.

Wie komme ich hin?

Wenn du Glück hast, bekommst du mit Ryanair einen Flug schon für um die 30 Euro – mit Sicherheit die günstigste Möglichkeit, um nach Sevilla zu kommen.

Wo wohne ich? 

Alfalfa und Triana sind die lebenswertesten Viertel der Stadt. Hier leben Touristen neben Studenten und Einheimischen. Für eine Nacht im Hostel zahlst du ca. 15 bis 45 Euro. Wohnungen gibt es ab 40 Euro pro Nacht.

Portugal: Porto statt Lissabon

Warum?

Lissabon ist in den vergangenen Jahren eines DER Ziele für hippe Reisende geworden. Kaum ein Instagram-Feed kam ohne Fotos von blau-weiß gekachelten Häusern und roten Ziegeldächern aus. 

Für alle, die keine Lust haben, auch im Urlaub ihren gesamten Bekanntenkreis zu treffen, gibt es eine gute Nachricht: In Porto gibt es das alles auch – nur eben ein bisschen kleiner, entspannter, gemütlicher.

Was sollte ich auf jeden Fall machen?

  • Portwein probieren – der ist schließlich nach der Stadt benannt. Und selbst wenn er dir nicht schmeckt, ist eine Führung durch eine Kellerei ein Erlebnis.
  • Eine Stadtführung der anderen Art: Die "Worst Tour" zeigt die weniger malerischen Seiten der Stadt. Ortskundige sprechen über Gentrifizierung, Leerstand oder soziale Ungerechtigkeit.
  • Bar, Galerie, Konzertraum, Restaurant – das Maus Habitos ist alles auf einmal. In dem Kulturzentrum kannst du locker einen ganzen Tag verbringen.

Wie komme ich hin?

Der Flughafen Porto wird von mehreren (Billig-)Fluglinien angeflogen – von dort aus gehts entspannt mit der Metro ins Zentrum.

Wo wohne ich? 

In den Gassen der Altstadt gibt es zahlreiche Hostels, die sich so gar nicht wie Jugendherbergen anfühlen – zum Beispiel das "Poet's Inn".

Italien: Neapel statt Rom

(Bild: Marianna Deinyan)

Warum? 

Rom ist groß, staubig, Rom platzt – Neapel ist groß, staubig, und lange nicht so überlaufen. Die süditalienische Stadt am gleichnamigen Golf hat etwa anderthalb Millionen Einwohner weniger als Rom und ist viel weniger aufdringlich: Ja, es ist möglich, abends ein Restaurant zu suchen, ohne von mit Speisekarten wedelnden Kellnern belagert zu werden.

Ja, es ist möglich, beim Spazieren plötzlich in einer menschenleeren Gasse zu stehen, in die sich noch nie ein Tourist verirrt hat. Und ganz nebenbei noch die Luft des Ortes einzuatmen, an dem Elena Ferrantes berühmte Freundinnengeschichte geboren wurde.

Was sollte ich auf jeden Fall machen?

  • Eine Free-Walking-Tour buchen. Zum Beispiel hier. Eine Neapolitanerin oder ein Neapolitaner, meistens unter 30, zeigen Orte, die klassische Touristenführer nicht im Programm haben, geben exklusive Restauranttipps und verraten, wie beliebt Ferrantes Bücher in Neapel selbst sind: nicht so.
  • Bei "Etto" das Buffett leer räumen. Salate, Pasta, Pizzateilchen, und die eine drängende Frage: Was, wenn der Urlaub vorbei ist, und wir für lange Zeit nicht mehr zu Etto können?
  • Neapel befindet sich unweit des Vulkans Vesuv, der die nahe Römerstadt Pompeji 79 n. Chr. unter Asche begrub. Hinfahren, hochwandern, von oben runterspucken – und in den Krater gucken. 

Wie komme ich hin?

Mit dem Flugzeug geht es per Direktverbindung zum einzigen Flughafen Neapels, zum Beispiel von Berlin-Schönefeld, Hamburg oder Köln/Bonn. Wer Glück hat und lange im Voraus bucht, bekommt 50-Euro-Tickets. Ansonsten ist die Strecke teuer: Hin- und Rückweg gibt es in der Regel nicht für unter 200 Euro.

Wo wohne ich?

In der Altstadt. Unweit des Hafens, unweit der Shoppingstraßen, trotzdem ist es hier ruhig. Viele hippe Frühstückscafés, Secondhand-Läden. Szene, aber zivilisiert. Und zwischendurch, unscheinbar, Airbnbs mit uralten Treppenhäusern, riesigen Hinterhöfen und Palmenbeeten.

Bosnien: Mostar statt Sarajevo

(Bild: Pixabay )

Warum?

Wenn ihr dem Trubel einer Hauptstadt entkommen, das Stadtfeeling aber trotzdem nicht missen möchtet, seid ihr in Mostar genau richtig. Während Sarajevo oft droht, im Smog zu versinken, scheint in Mostar öfter die Sonne, als es den Einwohnerinnen und Einwohnern lieb ist. Außerdem ist Mostar deutlich überschaubarer – die Gefahr, dass ihr am Zebrastreifen von einem Auto erfasst werdet, ist hier deutlich geringer.

Was sollte ich auf jeden Fall machen?

  • Einen Gang über die Alte Brücke: Das Wahrzeichen der Stadt wurde 1993 während des Bosnienkrieges zerstört und 2004 wiedereröffnet. 
  • Durch die Altstadt laufen. Der Basar "Kujundziluk", der sich mitten in der Altstadt befindet, ist immer einen Besuch wert. 
  • Und sich dann in einem der Restaurants, z.B. "Sadrvan" oder "Rota" eine Portion Cevapcici mit ordentlich Zwiebeln und Kajmak gönnen.

Wie komme ich hin?

Der Flughafen in Mostar wurde erst kürzlich wieder in Betrieb genommen – es gibt auch Direktflüge, jedoch nicht aus allen Städten. Wer gerne ohne Zwischenstopps fliegt, kommt von Split, Dubrovnik oder auch Sarajevo in ein bis zwei Stunden nach Mostar. Alternativ nimmt man den Bus.

Wo wohne ich?

Besonders in unmittelbarer Nähe der Alten Brücke gibt es zahlreiche neue Hotels, aber auch private Unterkünfte.


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