Und wieso es in der Türkei verboten ist.

Das persische Neujahrsfest Nouruz (auch "Noruz" oder "Newroz") ist eines der ältesten Feste der Menschheit. Seit etwa 3000 Jahren wird mit bunten Kleidern und üppigem Essen dem Frühling begegnet. Es wird vor allem im Iran und in den kurdischen Gebieten der Türkei und des Nordirak gefeiert. Aber auch auf dem Balkan, rund um das Schwarze Meer, im Kaukasus und Zentralasien wird Nouruz begangen.

Nach Angaben der Uno beteiligen sich jährlich mehr als 300 Millionen Menschen an den 13-tägigen Festlichkeiten. Kerntag ist der Frühlingsanfang am 20. oder 21. März, je nach Sonnenstand. Diese Dinge sind an Nouruz wichtig:

"Chuneh-Tekouni", der Hausputz

Vor den Nouruz-Feierlichkeiten findet der Hausputz statt. Dieser steht für das neu erwachende Leben im Frühjahr. Ebenso wie der Hausputz gehören auch bestimmte Waschrituale vor dem Fest dazu. Diese werden je nach Kulturkreis strengen oder lockeren Regeln unterworfen.

"Tschahar-Schanbe-Suri", das Mittwochsfeuer

Am Dienstagabend des letzten Mittwochs vor Nouruz wird über offene Feuer gesprungen. Das Feuer steht symbolhaft für Gott, ein "heiliges Element", das Leben erschafft und zerstört. Dem Feuer werden dabei Gesänge zugerufen. Zum Beispiel "Sorchi-je to az man, Zardi-je man az to". Übersetzt bedeutet das: "Meine Schwäche an dich, deine Stärke an mich".

"Haft Sin", der gedeckte Tisch

Haft-Sin ("Die sieben S") steht für einen gedeckten Tisch mit sieben Zutaten und Objekten, die mit "S" beginnen. Dazu gehören Serkeh (Essig) als Symbol für die Geduld und das Alter. Samanu (eine süsse Mehlspeise) steht für eine gute Ernte. Sendsched (die getrockneten Früchte der Ölweide) gelten als Symbol der Liebe. Andere Speisen und Dinge, die als Bedeutungsträger auf den Tisch gestellt werden sind beispielsweise ein Spiegel als Zeichen für Wahrheit, bemalte Eier symbolisieren Fruchtbarkeit. Dazu kommt neben vielen anderen symbolträchtigen Gegenständen ein Heiliges Buch, wie die Avesta (die heiligen Texte der Parsen), der Koran oder die Bibel.

"Nouruz", die Tag/Nacht-Gleiche

Der eigentliche Höhepunkt des Festes ist der Zeitpunkt der Tag/Nacht-Gleiche (persisch "Salgascht"). Zur Tag/Nacht-Gleiche am 20. oder 21. März sind überall auf der Erde Tag und Nacht ungefähr gleich lang. Dieser Tag ist der eigentliche Beginn der Nouruz-Festtage und leitet sie ein.

In den Tagen danach besuchen sich Verwandte und Freunde, um alte Streitigkeiten beizulegen und sich beim gemeinsamem Essen näher zu kommen. Des Weiteren wird in bunten Kleidern auf den Straßen getanzt.

Sizdah-Bedar

Sizdar-Bedar bedeutet so etwas wie "die 13 zur Tür hinaus". Wie in vielen Kulturkreisen gilt die Dreizehn als Unglückszahl. Am dreizehnten Tag nach Nouruz sollen böse Geister die Häuser besuchen. Der Tag wird deswegen mit der Familie in der freien Natur, bei Picknicks in Parks oder mit Ausflügen zum Beispiel zu Flüssen verbracht. Der Haft-Sin-Tisch wird abgedeckt.

Da Nouruz an vielen verschiedenen Orten gefeiert wird, haben Menschen das Fest mit lokalen Bräuchen erweitert.

Die Kurden erzählen das Fest als mythologische Geschichte des Widerstands gegen einen Despoten. Die Befreiung von dem grausamen Herrscher und die Freude darüber zeichnet sich im kurdischen Nouruz-Fest ab.

Die kurdische Bevölkerung, etwa 22 Millionen Menschen, lebt verteilt im Iran, im Irak, in Syrien und in der Türkei. Ihre Kultur kann die Ethnie nicht überall frei ausleben. In der Türkei war es den kurdischstämmigen Menschen viele Jahre verboten, ihre eigene Sprache an Schulen zu lehren oder kurdisch geprägte Städte selbst zu verwalten.

Darum ist Nouruz in der Türkei verboten

In der Türkei existieren verschiedene kurdische Widerstandsgruppen – manche engagieren sich in der politischen Opposition im türkischen Parlament, andere haben Terrorzellen gegründet. In den vergangenen Monaten erlebte die Türkei eine neue, schwere Anschlagsserie. Radikale kurdische Gruppierungen bekannten sich zu Selbstmordattentaten in Ankara und Istanbul. Zuvor hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan einen lange vorbereiteten Friedensprozess abgebrochen, jetzt gehen türkische Soldaten radikal gegen kurdische Zivilisten vor und die gesamte kurdische Interessenvertretung wird kriminalisiert.

Da viele Kurden das Nouruz-Fest in der Türkei nutzen wollen, um auf ihre unterdrückende Situation aufmerksam zu machen, hat die Regierung vielerorts die Versammlungen verboten.

Gefeiert und demonstriert wird trotzdem: