Bild: Daniel Sessler/Unsplash
Jeden Tag ein anderer Weihnachtsmarkt, Bratwurst mit Senf und jede Menge Glühwein.

Ich saß mit einer Freundin in einem der schönsten Cafés Würzburgs. Wir hatten Waffeln und Tee bestellt, der auf einem  kleinen Nierentisch vor sich hindampfte und überlegten, ob wir auf dem Heimweg noch einen Glühwein auf der alten Mainbrücke trinken wollten. Drinnen klang durch das Stimmengemurmel leise Frank Sinatra und wünschte uns allen "a merry little christmas". Draußen wehten weiße Lampions im kalten Wind. Dann begann es plötzlich zu schneien. Der erste Schnee in diesem Dezember. Alle blickten verträumt aus dem Fenster und ich fühlte mich wahnsinnig zufrieden. 

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Ich habe sieben Jahre lang in Würzburg gelebt. Und die winterliche Entspannung, die die Stadt zu bieten hat, lieben gelernt.

Eigentlich ist der Sommer der perfekte Zeitpunkt, um die Stadt am Main zu besuchen. Denn an der Romantischen Straße gelegen und nicht weit vom lieblichen Taubertal entfernt, gibt es überall Radwege, Biergärten und nicht zu vergessen: wunderschöne Weinfeste und kleine Festivals. 

Wer die Stadt im Winter besucht, bekommt dafür gemütliche Cafés mit Großstadtflair geboten. Im "Café Fred" gibt es den besten Schokoladenkuchen, im "Nähcafé Edeltraud" kann man sich an einem eisigen Nachmittag an eine Nähmaschine setzen und im "Wunschlos Glücklich" gibt es an vielen Abenden nicht nur kleine Wohnzimmerkonzerte oder Lesungen, sondern auch einen "stillen Weihnachsmarkt" im Innenhof. Mit etwas Glück kann man dann auf einem alten Polstersessel sitzend beobachten, wie der erste Schnee vom Himmel fällt, während man eine der fantastischen Waffeln isst. Die schmecken als vegane Variante übrigens sogar fast noch besser als das Original.

Wenn man danach die Residenz der Stadt besucht, könnte man meinen, man sei in Versailles oder Schönbrunn. Und wer dann den ersten Glühwein des Tages auf der alten Mainbrücke trinkt, fühlt sich wie auf der Prager Karlsbrücke. Für den Aufstieg hoch zur Festung Marienberg braucht man von dort aus nicht mal eine besonders gute Kondition. Trotzdem ist der Blick auf die Stadt wunderschön. Bei schlechtem Wetter kann man das Programmkino "Central" im Kultur- und Kreativzentrum des alten Bürgerbräugeländes besuchen (die Kinosäle sind alte Gewölbekeller!) und abends im "Auflauf" essen gehen. Das perfekte Abendessen an einem Wintertag. 

Der Würzburger Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz der Stadt hat alles, was man braucht, um einen ganzen Abend dort zu verbringen. Eine Wildschweinbratwurst mit Senf gehört da einfach dazu. Wer es lieber beschaulicher mag, besucht den Weihnachtsmarkt im Garten der "Waldschänke Dornheim". Das historische Talaveraschlösschen ist seit 2016 einer der schönsten Klubs der Stadt. Wer sich mit kalten Händen um die Punschtasse doch kurz nach Teneriffa sehnt, muss hier auf jeden Fall "Urlaub" bestellen, auch wenn der nicht in der Karte steht. 

Wer länger bleibt oder mehr Bewegung möchte, wandert am nächsten Tag bei Wintersonne am besten schon am frühen Nachmittag durch die Weinberge los nach Sommerhausen – mit Blick auf den Main. Das kleine Dorf verwandelt sich im Advent gänzlich in einen Weihnachtsmarkt und es gibt Stände in jeder Straße und in vielen kleinen Innenhöfen.

Das beste an einem Trip nach Würzburg ist, dass andere wunderschöne fränkische Städte mit der Bahn gut zu erreichen sind. Wer nicht viel weiter reisen möchte, kann zweimal in der Stunde einen Zug nach Himmelstadt nehmen und schon zwanzig Minuten später dort einen Punsch trinken, wo das Christkind wohnt und jedes Jahr Tausende Wunschzettel landen.

Wer noch ein Stück weiter fährt, kann auch gleich noch Bamberg, Nürnberg oder Rothenburg ob der Tauber besuchen. Dort gibt es im "Käthe Wohlfahrt Weihnachtsdorf" zwar das ganze Jahr Weihnachten, im Herbst und Winter ist es aber natürlich besonders schön. Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt der Stadt lohnt sich übrigens ganz besonders. Und wer im Dezember die Stadt besucht, muss unbedingt einen "Schneeballen" essen.

Praktische Infos zu Würzburg und der Umgebung:

Worauf sollte ich achten?

Weil in Würzburg viele Studierende leben, sind die Preise in den Cafés, Kneipen, Klubs und Restaurants nicht zu hoch und abends ist immer was los. Das Bayern-Ticket eignet sich perfekt für alle Tagesausflüge in die größeren Städte der Umgebung. Viele der kleinen Weihnachtsmärkte haben nur am Wochenende geöffnet. Man sollte sich vorher also kurz informieren, was an welchen Tagen geboten wird. Die Bratwurst bestellt man natürlich mit Senf. Und man sollte es tunlichst vermeiden zu sagen, man sei in Bayern. Das ist Franken. 

Anreise:

Würzburg liegt in Unterfranken und ist mit der Bahn gut zu erreichen. Von Hamburg braucht man für gewöhnlich nur dreieinhalb Stunden bis nach Würzburg. Und von Köln sogar nur zweieinhalb. Die Anbindung an den Regionalverkehr ist sehr gut. Wer möchte, kann auch mit dem Fernbus anreisen. Der Bahnhof liegt zentral, direkt vor den Weinbergen und mit Blick auf die Innenstadt. Die lässt sich ohne Probleme zu Fuß erkunden. 

Unterkunft:

Die Unterkünfte in den Städten sind eher teuer. Es gibt aber gute Airbnbs und günstigere Hotelketten, für die man nicht ganz so viel Geld ausgeben muss. Da bleibt dann auch mehr Budget für die ganzen Weihnachtsmärkte.


Gerechtigkeit

“Beleidigungen und absurde Anschuldigungen”: Tim kämpft gegen Homöopathie-Fans bei den Grünen

"Fridays for Future" fordern: "Hört auf die Wissenschaft!" Und auch die Grünen verweisen beim Kampf gegen die Klimakrise auf die Erkenntnisse von Klimaforschern. (Grüne im Bundestag)

In anderen Bereichen tut sich die Partei hingegen schwer mit wissenschaftsbasierter Politik. Seit ihrer Gründung sprechen die Grünen auch Wählerinnen und Wähler an, die der evidenzbasierten Medizin skeptisch gegenüberstehen. Als der Bundestag über die Masern-Impfpflicht abstimmte, enthielten sich am Donnerstag fast alle Grünen-Abgeordneten (Bundestag). Auch beim Thema Homöopathie ist die Partei gespalten.

Junge Parteimitglieder sind davon zunehmend genervt. So wie Tim Demisch. Der 19-Jährige hatte deshalb für den Parteitag am Wochenende einen Antrag gestellt, der sich gegen Homöopathie als Kassenleistung ausspricht. Mehr als 250 Unterstützerinnen und Unterstützer kamen zusammen – so viele wie für keinen anderen Antrag in der Parteigeschichte.

Aber es gab auch Gegenwind. Die Parteispitze wollte einen Streit unbedingt vermeiden. Über den Antrag wird nun doch nicht abgestimmt – stattdessen soll eine Fachkommission bis Ende 2020 einen Kompromiss erarbeiten (taz). Die Delegierten müssen diesem Vorschlag auf dem Parteitag aber noch zustimmen.

Ein Dämpfer für die jungen Homöopathie-Kritiker? Wir haben mit Tim Demisch über seinen Antrag und die Esoteriker bei den Grünen gesprochen.

bento: Die Grünen in Bayern haben gemeinsam mit CSU und Freien Wählern für eine Studie gestimmt, die untersuchen soll, ob Homöopathie den Einsatz von Antibiotika teilweise ersetzen kann. Was sagst du zu solchen Vorschlägen?

Tim Demisch: Ich schäme mich und finde das schade. Manche Grüne versuchen, sich herauszureden und sagen, dass in dem Beschluss des bayrischen Landtags noch andere wichtige Dinge standen. Ich verstehe das. Trotzdem ist es fatal, wenn wir so tun, als sei die Homöopathie eine Wissenschaft.

bento: Warum ist dir die Globuli-Frage so wichtig? Tatsächlich geht es ja um verhältnismäßig wenig Geld. Die Techniker Krankenkasse sagt, dass der Anteil von Homöopathie an ihren Gesamtausgaben im Promillebereich liege.

Tim: Mir und den Unterstützerinnen und Unterstützern des Antrags geht es nicht um Geld, sondern ums große Ganze: Darum, dass wir unsere Gesundheitspolitik nach der Wissenschaft ausrichten. Uns stört es, dass es noch Positionen und auch Personen in der Partei gibt, die unwissenschaftlich argumentieren oder die Wissenschaft komplett ignorieren. Wir sollten in allen Politikfeldern eine Wissenschaftspartei werden.

bento: Hat dich der Erfolg deines Antrags überrascht?

Tim: Das ist ein Konfliktthema in der Partei. Es war also zu erwarten, dass der Antrag Beachtung findet. Aber dass er so hohe Wellen schlägt, hätten wir nicht gedacht.

bento: Es gab ja auch viele negative Reaktionen, das Thema spaltet die Partei.

Tim: Ja. Ich wurde mit Beleidigungen und absurden Anschuldigungen übergehäuft. Das scheint im politischen Rahmen leider üblich zu sein. Mir wurden beispielsweise Machenschaften mit der Pharmaindustrie vorgeworfen. Es gab aber auch viel sachliche Kritik.

bento: Vor allem junge Grüne treiben das Thema voran. Warum?

Tim: Ich sehe bei jungen Menschen ein stärkeres Bekenntnis zur Wissenschaftlichkeit. Auch "Fridays for Future" steht ja unter dem Leitspruch "Unite behind the Science". Dinge wie die sogenannte Alternativmedizin spielen für sie kaum eine Rolle. Ich würde aber nicht sagen, dass das vom Alter abhängt, sondern auch vom persönlichen Umfeld.

bento: Glauben denn überhaupt so viele Grüne an Homöopathie – oder gibt es einfach die Angst, dass sonst potenzielle Wählerinnen und Wähler abgeschreckt werden?

Tim: Ich glaube, die Personen, die gegen unseren Antrag sind, befürworten die Homöopathie. Aber es gibt auch Leute, die der Meinung sind, dass man mit dem Thema anders umgehen sollte oder es auf anderem Wege klären könnte als mit unserem Antrag.

bento: Der Bundesvorstand hat das Thema jetzt vertagt. Wie siehst du die Chancen, dass dein Antrag die Haltung deiner Partei ändert?

Tim: Ich bin relativ optimistisch, würde mich aber nicht darauf ausruhen. In der Fachkommission haben wir den Vorteil: Die Wissenschaft steht hinter uns. Wenn bekannte Medizinerinnen und Mediziner unsere Position teilen, dann können wir in diesem Gremium dafür sorgen, dass die Grünen künftig eine kritischere Haltung zur Homöopathie einnehmen.

bento: Du sagst, die Wissenschaft stehe hinter euch. Dann sollte die Fachkommission sich in jedem Fall gegen Homöopathie entscheiden. Was lässt dich noch zweifeln?

Tim: Der Kompromiss, auf dessen Grundlage die Fachkommission eingerichtet wird, ist inhaltlich relativ neutral formuliert. Es wird keine Richtung vorgegeben. Das heißt, dass wir in der Fachkommission nur erfolgreich sein werden, wenn wir uns auch richtig ins Zeug legen, gute Argumente liefern und damit andere überzeugen.

bento: Wen in der Partei hast du schon umgestimmt?

Tim: Viele fühlten sich durch unseren Antrag und die damit verbundene Parteiarbeit ermutigt, neu über das Thema Homöopathie und allgemein über Wissenschaftlichkeit in der Politik nachzudenken. Da haben unsere Aktionen schon einiges bewegt.