Du möchtest im kommenden Jahr einmal richtig verreisen, aber machst dir Sorgen um deinen CO2-Fußabdruck? Du suchst nach dem perfekten Urlaubsziel, das man auch ohne Flugzeug erreichen kann?

Dann haben wir etwas für dich:

Vier Reisebloggerinnen und -blogger haben sich überlegt, wo man innerhalb Europas schöne Tage verbringen kann. Hier verraten sie ihre besten Tipps für deinen Urlaub 2020:

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Atemberaubende Bergkulisse: Zermatt in der Schweiz

(Bild: privat)

Lisa, 27, und Max, 28, wollen zeigen, dass sich die Themen Nachhaltigkeit und Reisen miteinander verbinden lassen – auch wenn sie selbst dabei manchmal an ihre Grenzen stoßen. "Wir sind nicht perfekt, aber wir wollen ein Bewusstsein für nachhaltiges Reisen schaffen", sagt Lisa. Auf ihrem Blog "zweidiereisen" und auf Instagram berichten die beiden von ihren Erlebnissen.

Obwohl wir mit viel Natur um uns herum aufgewachsen sind, werden wir den Moment, in dem wir mit dem Zug in Zermatt ankamen, wohl niemals vergessen. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft sahen wir das erste Mal das Matterhorn, das direkt hinter dem Hotel lag. Unglaublich schön.

Zermatt ist eine autofreie Bergregion und liegt im Süden der Schweiz. Wer Natur und die Berge sucht, ist hier richtig und das zu jeder Jahreszeit. Überall stehen kleine Chalets. Von A nach B kommt man entweder zu Fuß oder mit kleinen elektrisch betriebenen Wagen. Wer wie wir im Sommer nach Zermatt kommt, kann dort tolle Wanderwege entdecken. Und wer in wunderschönem Ambiente auch veganes hochwertiges Essen genießen möchte, sollte unbedingt das Restaurant Cervo besuchen.

(Bild: privat)

Praktische Infos

Von Zürich aus braucht man mit dem Auto knappe vier Stunden nach Zermatt. Die Bergregion, die schon fast an Italien grenzt, kann man aber auch gut mit Zug und Bus erreichen. Von München oder Zürich aus ist schon die Anreise durch die traumhafte Bergkulisse ein Erlebnis.

Unterkunft

Das einzige Manko an Zermatt sind die Preise. Für ein Standardzimmer im Hotel bezahlt man pro Nacht und je nach Saison schnell mal 250 Euro. In Zermatt gibt es aber auch Airbnbs und die Möglichkeit zu zelten, so kann man bei der Übernachtung ein bisschen sparen.

Möwen und Freiheit: Der Nordseewanderweg in Dänemark

(Bild: privat)

Kathrin ist 32 und hat ihr Basislager in München. Auf ihrem Outdoor-Reiseblog "Fräulein Draußen" und Instagram berichtet sie über (Fern-)Wanderungen, abenteuerliche Roadtrips, Naturerlebnisse und mehr. 

Auf der einen Seite die grasbewachsenen Dünen, auf der anderen Seite die tosende Nordsee. Dazwischen ein schier endlos weiter Strand, auf dem der Nordseewanderweg entlangführt. Nur ich, die Möwen, die salzige Luft – es war einer dieser Momente absoluter Freiheit, die ich nur beim Fernwandern finde.

Der Nordseewanderweg ist wegen der fehlenden Höhenmeter auch für Anfänger geeignet. Er ist gut beschildert und abwechslungsreich: eine Balance aus der Nutzung vorhandener Straßen und eigens angelegter Wanderwege. Obwohl Dänemark ein beliebtes Ferienziel ist, findet man dort – vor allem in der Nebensaison – unglaublich viel Ruhe und menschenleere Weite. Mein Tipp: Der Abschnitt zwischen Blokhus und Skagen (sechs Etappen) ist besonders schön für eine Mehrtageswanderung.

(Bild: privat)

Praktische Infos

Anreisen kannst du mit dem Zug oder Bus – zum Beispiel direkt nach Blokhus. Dann geht es zu Fuß weiter. Während der Hauptsaison von Mitte Juni bis Mitte August haben zwar alle Eis-, Hotdog- und sonstigen Buden an den Stränden geöffnet. Auch Unterkünfte, Restaurants oder Busse stehen vollständig zur Verfügung. Allerdings sind in dieser Zeit auch die meisten Touristen unterwegs. Wer es also lieber ruhig mag, sollte in der Nebensaison wandern gehen. Am besten dann, wenn es schon oder gerade noch warm genug ist, um nach einem langen Wandertag ins Meer zu springen.

Unterkunft

Je nach Etappe sind die Übernachtungsmöglichkeiten mal mehr, mal weniger zahlreich. Man sollte unbedingt vorher recherchieren und vorbuchen! Wer lieber mit Zelt unterwegs ist: In Dänemark gibt es zahlreiche Naturlagerplätze, wo man mitten in der Natur und ganz legal sein Zelt aufschlagen kann.

Am Ende der Welt: Die Bretagne

(Bild: privat)

Steven ist 30 Jahre alt und lebt in Berlin. Wenn er auf Reisen ist, achtet er besonders auf Nachhaltigkeit und berichtet auf seinem Blog "Funkloch" und auf Instagram davon. Dort sammelt er auch Spenden für verschiedene Projekte. Mit Freunden hat er die NGO WeWater gegründet.

Hier bin ich: am Ende der Welt, im Département Finistère. Der Kapitän, der mich auf seinem Boot mitnimmt, zeigt Richtung Horizont. In etwa 200 Metern Entfernung schwimmt eine Gruppe Großer Tümmler. Nur für wenige Sekunden tauchen sie auf, verschwinden wieder, um etwas später an einer ganz anderen Stelle wieder aufzutauchen. Kurze Zeit später beobachten wir Kegelrobben. Es ist das erste Mal, dass ich diese Tiere in freier Natur sehe. 

In der Bretagne kann man Aktivitäten am und im Meer sowie Wanderungen und Fahrradtouren an der Küste kombinieren. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Inseln vor Le Conquet zu besuchen. Die Insel Molène ist wunderschön. Auf ihr gibt es die "Crêperie Le vent des îles". Dort kann man eine Spezialität der Bretagne probieren: Galettes, herzhafte. Die gibt es dort zum Beispiel mit Algen oder Jakobsmuscheln – direkt von der Insel.

(Bild: privat)

Praktische Infos

Die Bretagne liegt im Nordwesten Frankreichs. Der kleine Fischerort Le Conquet, den ich besucht habe, ist mit Bahn und Bus erreichbar. Dafür nimmt man ab Deutschland den Zug nach Paris, steigt in Richtung Brest um und nimmt von dort aus den Bus.

Im Norden der Bretagne sind die Auswirkungen der Gezeiten enorm. Zwischen Ebbe und Flut schwankt der Wasserstand über zehn Meter. Deshalb sollte man bei allen Aktivitäten am und im Meer einen Gezeitenkalender oder eine passende App dabeihaben.

Unterkunft 

Mitten im Ort gibt es viele schöne Hotels, wie das Öko-Hotel "La Vinotière". Besonders empfehlenswert in Le Conquet ist aber auch der Campingplatz "Camping des blancs sablons". 

Wie im Märchen: Colmar im Elsass

(Bild: privat)

Lena ist 28 und lebt in Stuttgart. Auf ihrem Blog "Inspiration de la Víe" und Instagram verbindet sie ihre Leidenschaft fürs Reisen und die Fotografie. Lena arbeitet im Kulturbereich, ihr Blog ist ihr gemeinsames Hobby mit Freund Philipp.

Im Winter glänzt und glitzert die ganze Stadt, im Sommer blüht es überall. Zwischen den alten Fachwerkhäusern, kleinen Kanälen, Brücken und geschwungenen Gassen fühle ich mich wie im Märchen. Colmar, die verträumte Stadt im Elsass, ist perfekt für einen Ausflug – ganz egal, wann.

Am besten schlendert man durch "La Petite Venise", ein romantisches Viertel unweit der Altstadt. Das Besondere an Colmar ist das Flair und der Charme der kleinen Stadt. Hier kann man sich treiben lassen, durch die kleinen Gassen schlendern, ein Glas guten Wein genießen – und unbedingt den Flammkuchen probieren! Neben "La Petite Venise" sind auch die Orte Riquewihr und Eguisheim absolut sehenswert.

Praktische Infos

Colmar liegt im Elsass, nur 50 Kilometer von Freiburg entfernt. Mit der Bahn gelangt man in etwa zwei Stunden nach Colmar – dabei kann man sogar noch einen Stopp in Straßburg einlegen. Mit dem Auto geht es noch etwas schneller – aber die Parkplatzsuche kann zum Problem werden. Deshalb parkt man am besten außerhalb der Stadt und nutzt dann die Shuttle-Busse. 

Unterkunft

In Colmar gibt es zahlreiche Hotels, aber besonders schön sind die kleinen Apartments in der Innenstadt, die man online buchen kann. Schon ab 40 Euro ist man dabei. Besser kann man in Colmar eigentlich nicht übernachten.


Gerechtigkeit

Sind Touren mit Obdachlosen nur Armutstourismus oder bieten sie einen Perspektivwechsel?
Unterwegs mit Chris bei einer Führung durch die Hamburger Hafencity.

"Ihr könnt mich alles fragen. Die einzige Frage, die ich nicht beantworte, ist wann ich das letzte Mal Sex hatte."

Mit diesem Satz beginnt Chris einen Stadtrundgang in der Hamburger Hafencity. Vor ihm sitzen knapp 20 Besucher in dicken Jacken. Chris ist 48, klein und trägt einen Schnauzer. Sieben Jahre lang hat er auf der Straße gelebt.  

Und heute soll er den Besuchern zeigen, wie das war. Sie haben eine Obdachlosen-Führung gebucht, zu Orten, an denen Chris früher als Obdachloser gelebt hat und an denen andere bis heute leben, und zu den Einrichtungen, die ihnen helfen, zu überleben. Die Tour heißt "Hamburger Nebenschauplätze". 

In Hamburg gibt es knapp 2000 Menschen, die auf der Straße leben (hamburg.de), in ganz Deutschland waren es 2018 etwa 41.000 (BAG Wohnungslosenhilfe). 

Führungen von Obdachlosen gibt es in jeder größeren deutschen Stadt. 

Warum eigentlich? Ist das Armutstourismus im eigenen Land? Sind Obdachlose so weit aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen, dass wir, um Einblicke in ihr Leben zu erhalten, "geführt" werden müssen? Oder können Touren nachhaltig Brücken schlagen und Menschen zusammenbringen?

Chris wird die zahlenden Gäste an Orte führen, die in der Regel nur Obdachlose kennen: das "Drob Inn", ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, wo die Heroinsüchtigen kontrolliert ihre Drogen nehmen können, oder das "Herz As" ein paar Häuser weiter, wo die Obdachlosen für 50 Cent eine warme Mahlzeit bekommen und duschen können.