Bild: Imago/Andreas Vitting
Wer sich wie in Schweden fühlen möchte, muss nur ein Wochenende in Thüringen verbringen.

Plötzlich war sie da. Die Entspannung. Irgendwo zwischen der zweiten Flussbiegung und der ersten Uferpause hatte sie mich heimlich eingenommen und breitete sich nun mit jedem Paddelschlag weiter aus. 

Als ich schließlich mit einem Pfirsich in der Hand auf einer Decke am Wasser saß, auf unser Kajak und den umliegenden Wald schaute, fragte ich mich, warum ich jahrelang in ferne Länder gereist war – und mich für das eigene kaum interessiert habe.

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Auf einem Kurztrip von Sachsen nach Bayern sah ich Seiten von Deutschland, die mir zuvor völlig fremd waren – wie die sogenannten "Thüringer Fjorde".

Eine Wasserlandschaft aus dem Fluss Saale und einer Reihe von Stauseen, für die mehrere Täler im Naturpark Thüringer Schiefergebirge geflutet worden sind.

Aus guten Gründen wird die Gegend mit skandinavischen Gletscherflüssen verglichen: Das Wasser windet sich in teilweise engen Schleifen um die Berg- und Hügelketten, gesäumt von Fichten- und Mischwäldern. 

Wer hier paddelt, wandert und radfährt, an dem zieht gelegentlich eine winzige Ortschaft vorbei, ansonsten sieht man... nichts. Genau das ist wunderbar. Die perfekte Chance für das Buch, das seit Monaten auf dem Noch-zu-Lesen-Stapel liegt.

Trotz der Schönheit dieser Ecke ist erstaunlich wenig los. 

Springt man hier bei einer Wanderpause nackt ins Wasser, muss man keine Touristengruppen befürchten, die einem auf den Hintern schauen. Selbst im Hochsommer stören höchstens mal die Motorboot-Ausflügler oder die Wasserskifahrer nahe des Ortes Neidenberga die Idylle. Eine Flussschleife weiter kann man wieder für sich sein.

Ereignislosigkeit als Gegensatz zum Überangebot der Großstadt. Digital Detox und mentales Ausklinken – ohne horrende Klimabilanz, mitten in Deutschland. Wer doch nicht ganz ohne einen Insta-Beweis auskommt, findet Motive wie diese romantischen Bahngleise, die durch das Fluten des hiesigen Tales nunmehr ins Nichts verlaufen:

Auf der Heimreise fühlt man sich im besten Fall tiefenentspannt, mindestens aber zufrieden damit, eine Ecke des Landes kennengelernt zu haben, die sehr wenige kennen. 

Praktische Infos zu den Thüringer Fjorden:

Worauf sollte ich achten?

Ausschau halten nach Thüringer Klößen. Die gibt es hier in jedem Gasthaus. Mit etwas Glück macht man sich mit dieser Bestellung bei der manchmal etwas distanzierten Bevölkerung beliebt.

Falls du im Sommer dorthin möchtest und zusätzlich auch noch Festivalfan bist: In der zweiten Augustwoche findet an der Bleilochtalsperre, dem südlichen Ende der "Thüringer Fjorde", das Elektrofestival SonneMondSterne statt. 

Anreise: 

Durch die Lage mitten in Deutschland ist die Gegend von fast überall innerhalb einiger Stunden erreichbar. Mit dem Zug fährt man über Gera, Jena oder Erfurt. Der Regionalverkehr bringt dich dann an Orte wie Ziegenrück, Saalburg-Ebersdorf oder Hohenwarte. 

Unterkunft: 

Je nach Jahreszeit und Aufenthaltslänge hast du verschiedene Optionen. Am günstigsten und meist auch sehr schön gelegen sind die Campingplätze an der Saale und der Talsperre Hohenwarte. Die Hotels und Ferienwohnungen in der Gegend sind zwar nicht übermäßig teuer, aber sicher nicht für jedes Budget eine Option. Im Ort Ziegenrück gibt es dafür ein Hostel.


Gerechtigkeit

Waß soll der Scheis, FDP?
Die FDP macht aus "Sieg Hail" ein "Sieg Heil" – und das soll lustig sein.

Die FDP hat am Donnerstag ein Video auf Twitter veröffentlicht. Nach 15 Sekunden musste ich es erstmal anhalten: durchatmen – überprüfen, ob das wirklich der verifizierte Account einer echten Partei ist. Ist er. Leider. 

Das Video zeigt, wie eine vermummte Person Rechtschreibfehler in rechtsradikalen Graffiti korrigiert: Aus "Sieg Hail" wird ein "Sieg Heil" gemacht und aus "Scheiss Asilanten" wird "Scheiß Asylanten".