Bild: imago/Andreas Beil
Bierwanderung und Lichterfest

Die Dämmerung legt sich über die Stadt. Da durchbrechen die Kirchturmglocken die Stille und geben das Signal. Hunderte Feuer leuchten an den Felshängen auf, der Schnee reflektiert das Licht und lässt alles rötlich schimmern: die Altstadt, den Himmel und die Gesichter der Menschen. 

Was für viele Einheimische ein besonderes religiöses Fest ist, ist für Touristen ein eindrucksvoller Einblick in die fränkische Kultur. Viele Städte in der Fränkischen Schweiz feiern Ende Dezember und Anfang Januar den Abschluss der "ewigen Anbetung". Doch nicht nur wegen der Lichterfester lohnt sich die Region auch dann, wenn es kalt wird.

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Die Fränkische Schweiz, eine bergige und felsige Region im Norden Bayerns, zieht vor allem im Sommer viele Touristen an. Klettergärten, Kayaktouren, Burgen und Wanderrouten machen die Region zu einem beliebten Ausflugsziel. Aktiv werden kann man in der Fränkischen Schweiz aber auch im Winter. Dick eingepackt und mit gutem Schuhwerk lohnt es sich, das Walberla, einen Berg beim Ort Leutenbach, zu besteigen. Von dort aus hat man bei gutem Wetter einen tollen Blick über die Region. Sobald es schneit, kann man die Wanderstiefel eintauschen und Skilanglauf oder Schneeschuhwanderungen machen.

Das bekannteste Kulturgut Frankens ist das Bier, die Region hat die höchste Brauereidichte Deutschlands. So kann man den Aktivurlaub einfach mit dem Getränk verbinden. Viele Biertouren schicken Touristen auf Wanderschaft zwischen verschiedenen Brauereien. Der Fünf-Seidla-Steig ist beispielsweise 17 km lang, führt an fünf Brauereien vorbei und ist auch im Winter begehbar, solange nicht allzu zu viel Schnee liegt. 

Wer bei kalten Temperaturen lieber etwas Warmes trinkt, kann auf den vielen verschiedenen Weihnachtsmärkten der Region vorbeischauen. In Franken gibt es dort neben Glühwein und gebrannten Mandeln auch "zwei im Weggla" also (fränkische-)Bratwurstbrötchen. 

Praktische Infos zur Fränkischen Schweiz:

Worauf sollte ich achten?

In der Wintersaison haben einige Sehenswürdigkeiten andere Öffnungszeiten. Biergärten und -keller haben geschlossen. In den Stuben der Brauereien und Gasthöfe kann man trotzdem ein Seidla (fränkisch für eine halbe Maß) trinken. Auch hier sollte man vor dem Trip klären, wie die Öffnungszeiten in der Wintersaison sind. 

Das bekannteste Lichterfest findet jährlich am 6. Januar in Pottenstein statt. Etwa 1000 Feuer entzündet die Gemeinde an den Felsenhängen um die Stadt.

In Pottenstein kann man zudem auch die Teufelshöhle erkunden. Dahinter verbirgt sich ein riesiges Höhlensystem, in dem die letzten 2,5 Millionen Jahre Stalagmiten und Stalaktiten gewachsen sind.

(Bild: imago images / Kickner)

Anreise:

Die Städte Bayreuth, Bamberg und Nürnberg rund um die Fränkische Schweiz sind einfach mit dem Fernzug zu erreichen. In die unterschiedlichen Teile der fränkischen Schweiz fahren öffentliche Verkehrsmittel. Um Wartezeiten zu vermeiden, ist eine gute Planung der Reise mit passenden Bus- und Zugverbindungen wichtig. Aber gerade Städte mit Sehenswürdigkeiten wie Pottenstein sind gut angebunden. 

Unterkunft:

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in der Region viele. Gasthäuser, Ferienwohnungen und Pensionen findet man in jedem größeren Ort. Wer nach einer spektakuläreren Unterkunft sucht, kann in einer der vielen Schlösser und Burgen der Gegend schlafen: Einige von ihnen wurden inzwischen zu Hotels umgebaut, zum Beispiel das Schloss Unteraufseß oder Burg Rabeneck.


Gerechtigkeit

Nietzsche in Pristina: Das Kosovo ist das jüngste Land Europas, doch die Jugend haut ab – warum?

Wir sind beim zweiten Bier und laufen durch das Stadtzentrum von Pristina, Kosovo, als Kastriot, 23, und Orbis, 22, vom Englischen ins Deutsche wechseln. Über uns leuchtet eine Straßenlampe dunkelgelb, um uns herum stehen niedrige Reihenhäuser, dahinter türmen sich auf einem Hügel Plattenbauten und halb fertige Hochhäuser in den dunklen Nachthimmel. “Kennt ihr das auch?”, fragt Orbis und schaut uns beide herausfordernd an. “TRL, MTV, Berlin, Neukölln, Abou-Chaker-Family; Sonny Black Prototyp, Nemesis, Taliban…” 

Kastriot, der ruhigere der beiden, überlegt kurz, räuspert sich und rappt weiter: “Araber, Terr-or-ist, Anführer Dschingis Khan.” Orbis johlt vor Freude, grinsend schaut er mich an. “Sonnenbank Flavour von Bushido”, murmele ich schließlich, gucke unsicher und gebe etwas beschämt zu, dass ich den Text höchstens noch zur Hälfte gekannt hätte. Wir müssen alle lachen. “Ja Mann”, ruft Orbis aufgeregt auf Deutsch in den Nachthimmel. “Wir kennen deutschen Rap besser als der Deutsche!”