Bild: Holger Hollemann / dpa
Die Insel Amrum ist wie Sylt, nur besser.

Der Wind peitscht mir ins Gesicht, als ich die letzten Stufen zur Deichspitze in Wittdün hochsteige. Ich hätte eine Mütze mitnehmen sollen. Umdrehen will ich trotzdem nicht, denn der Ausblick, der sich mir nun bietet, ist atemberaubend: kilometerlanger Sandstrand und die glitzernde Nordsee bilden ein beeindruckendes Panorama. Die salzige und frische Luft erinnert daran, wie Luft eigentlich riechen sollte. Auto-Abgase? Fehlanzeige. 

Nur ein paar Vögel kreisen über meinem Kopf, Menschen sind keine zu sehen. Ich habe endlich meine Ruhe. 

Alles, was ich jetzt zu tun habe? Durch die Dünen wandern, die Natur bestaunen, die wilden Vögel im Naturschutzgebiet fotografieren. Vorher hole ich aber noch kurz meine Mütze. Und eventuell ein Fischbrötchen.

(Bild: Sebastian Maas / bento)

Amrum ist das perfekte Reiseziel für alle, denen die Großstadt und ihre hippen Quinoa-Bowl-Soja-Latte-Cafés auf die Nerven gehen. Die Nordseeinsel ist an sich wie ihre Nachbarin Sylt, nur besser: weil weniger alternde Bonzen mit dicken Autos zum Angeben herkommen und die Mietpreise kaputt machen. Statt hipper "Cuisine" gibt es hier meist bodenständige und leckere Hausmannskost, statt Stau und Stress gibt es hier eine hohe Dichte an Fahrradverleihern – da es eigentlich nur eine richtige Hauptstraße gibt, lohnt sich das Auto hier eh kaum. 

Nicht mal einen Golfplatz gibt es, glücklicherweise. Oder zählt Minigolf? 

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Meine Wanderung durch die grüne Dünenlandschaft führt mitten durch ein Naturschutzgebiet. 

Holzbohlenwege sorgen dafür, dass die empfindlichen Sandriesen, die nistenden Vögel und die Vegetation nicht gestört werden – und erleichtern gleichzeitig mein Vorankommen. In der Wildnis verlaufen kann man sich durch die Wege nicht, stattdessen wird die Erkundung zum angenehmen Spaziergang. Wer lieber frei unterwegs ist, darf aber auch so kilometerweit durch den längsten zusammenhängenden Sandstrand Europas laufen. (NDR

(Bild: Sebastian Maas / bento)

Auf dem Weg dorthin passiert man haushohe Ausblicksdünen, Moore, Wälder, Seen und Brutgebiete von Zugvögeln. Naturfreunde sollten ein Fernglas oder Teleobjektiv mitnehmen, um alle Tiere beobachten zu können, ohne sie zu stören. Die Schutzstation Wattenmeer veranstaltet hier sogar Nachtwanderungen mit hilfreichen Tipps und spannenden Infos.

Wer genug von der Natur hat, kann im winzigen Friesendorf Nebel die kleinen, weißen Reetdachhäuser bestaunen und sich fragen, warum man nicht einfach herzieht und sein altes Leben hinter sich lässt. Im Museumshaus "Öömrang Hüs" kann man sogar in die Welt einer alten Kapitänsfamilie eintauchen.

In den verschachtelten Kopfsteinpflaster-Straßen des Örtchens Nebel findet man dann auch urige Cafés, in denen es noch Sahnetorte statt Natas gibt. Kulinarisches Highlight: Die Friesentorte, geschichtet aus Blätterteig, Sahne und Pflaumenmus. Dazu gibt es den international bekannten Friesentee: Die Insulaner mischen hierfür schwarzen Tee, süße Sahne und Kandiszucker zu einem köstlichen Aufwärmer zusammen. Das hört sich bekannt an? Ja, denn obwohl Amrum zu Nordfriesland gehört, behaupten manche hier, der berühmte Ostfriesentee habe auf der Insel seinen Ursprung. 

Nach dieser kulinarischen Lehrstunde gehts wieder aufs Leihrad, um die Kalorien loszuwerden. Toll: Wenn das Rad eine Panne hat, kannst du es zu jedem Shop bringen und bekommst dort sofort Ersatz – den ganzen bürokratischen Kleinkram regeln die konkurrierenden Verleiher untereinander. Ebenfalls eine gute Möglichkeit zum Training bieten die über 300 Stufen des Leuchtturms. Als Belohnung gibt es einen einzigartigen Blick über die komplette Insel und die vielleicht beste Foto-Location. 

Wer dann vom Wind durchgepustet heimkommt, kann sich erst direkt mit einem weiteren Signature-Drink aufwärmen, dem Grog, bestehend aus Rum, Zucker und heißem Wasser. Danach kann man nämlich nicht mehr Rad fahren. 

(Bild: Sebastian Maas / bento)

Die beste Reisezeit ist natürlich außerhalb der Schulferien. Obwohl sich selbst zur Hauptreisezeit niemand auf die Füße tritt: Zu den etwa 2.300 auf Amrum lebenden Menschen kommen dann zwar Zehntausende Touristen – die den kilometerweiten Sandstrand jedoch nicht ansatzweise ausfüllen. 

Allerdings ist gerade im Winter auch das Angebot an Restaurants und Aktivitäten eingeschränkter, da viele Gastwirte die Zeit für Renovierungsarbeiten oder eigenen Urlaub nutzen und weniger Personal auf der Insel ist. (shz

Tagesaktuelle Infos, welches Café und Restaurant wann und wie lange geöffnet hat, findet man hier. 

Praktische Infos zu Amrum: 

Was gibt es zu Essen? 

Fisch, Fisch, Fisch, immerhin bist du hier nicht nur am, sondern im Meer. Nahezu jedes Restaurant auf der Insel bietet eine starke Auswahl an frischem Fisch. Besonders toll: Auf der Insel wird kein Exzess gelebt und verrücktes Zeug eingeflogen, weshalb schon mal Zutaten ausgehen können. Man muss dann eben auf den Fang oder die Lieferung am kommenden Tag warten. 

Wer es rechtzeitig schafft, krallt sich eine leckere Scholle Müllerin Art (mit gesalzener Milch, Mehl und Petersilie paniert) im "Hafen 31" oder die friesischen Tapas im "Hal Mei". Keine Lust auf Fisch? Dann statte den Exil-Österreichern im "Stadl am Meer" einen Besuch ab, hier bekommst du erstklassige Wiener Schnitzel, Käsespätzle und Kaiserschmarrn.

Anreise: 

Am besten mit der stresslosen Kombi aus Zug und Fähre. 

Zuerst mit der Bahn bis nach Dagebüll, was von Hamburg aus rund drei Stunden dauert und 30 Euro kostet. Von Dagebüll gehts dann mit der Fähre rüber nach Amrum. Die Fährfahrt dauert inklusive Zwischenstopp auf Föhr etwa 120 Minuten, an Bord gibt es aber ein solides Restaurant und ein windiges Sonnendeck mit tollem Ausblick. Fährtickets kosten für die Hin- und Rücktour zusammen etwa 20 Euro.

Alternativ kann man auch das Auto bis nach Dagebüll nehmen, das man auf der Insel aber eh nicht braucht und am bewachten Großparkplatz beim Fährterminal abstellen kann. 

Wo komme ich unter? 

Beliebte Reisebuchungs-Seiten wie Airbnb, Booking und Co. sind hier noch nicht so weit verbreitet. Es lohnt sich ein Blick auf das inseleigene Buchungsportal. Anstatt fetter Luxus-Hotels oder hipper Condos findet man hier ehrliche Ferienwohnungen und günstige Zimmer, die für junge Familien, Menschen mit Hund oder Selbstversorger geeignet sind. 

Welchen Fehler kann man vermeiden?

Die kleine Insel lebt nicht nach dem Rythmus der Großstadt, die Restaurants und ihre Küchen schließen früher als im Deliveroo- und Lieferando-Land. Man sollte daher frühzeitig Abendessen gehen. Wer nach einem langen Tag an der frischen Luft nicht schon um 18 Uhr Hunger wie ein Seebär hat, hat eh etwas falsch gemacht. Selbstversorger beachten auch die kurzen Öffnungszeiten der Supermärkte.

Architekturfans machen einen weiten Bogen um Wittdün, das mit seinen Bausünden der Siebziger und Achtziger keine Augenweide ist – dafür aber den Fähranleger, Leuchtturm und gut sortierte Supermärkte zu bieten hat. 

Und natürlich sollte man in jedem Fall wetterfeste Kleidung mitbringen. Egal, ob im Frühling, Sommer oder Herbst – wenn es mal regnet, kommt das Wasser wirklich von allen Seiten. 


Style

So richtest du dein WG-Zimmer für rund 500 Euro im Industrial-Stil ein

Ein riesiges, lichtdurchflutetes Loft, meterhohe Decken, nackte Ziegelwände, freiliegende Rohre – das Sinnbild des Industrial-Stils. Der ist entstanden, als die Menschen Mitte des letzten Jahrhunderts – zuerst in New York City – alte Fabriken für sich entdeckten, um sie als Künstlerateliers oder Wohnraum zu nutzen. Damals war der Industrial-Stil ein Gegenentwurf zu allem, was im Trend lag. Mittlerweile hat er es auch in die vier Wände von Nicht-Loft-Bewohner geschafft. 

Kein Wunder, schließlich ist der Industrial-Stil mit seinem Fabrikcharme rau, schlicht, geradlinig – und genau deswegen so cool. Schnickschnack gibt es kaum, jedes Teil hat Sinn und Zweck. Im Mittelpunkt stehen Materialien: Kaltes Metall, unentbehrlich in jeder Fabrik, trifft auf warmes Holz, das nicht bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurde. Farblich ist alles neutral, unaufgeregt. Absichtliche Unvollkommenheit, etwa in Form von abgenutzten Flohmarktfunden, macht die Sache nur noch besser.