Bild: Helene Flachsenberg
Für echtes Italien muss man nicht nach Rom fahren.

Vorsichtig wate ich über glitschige Steine in das klare Wasser. Der Zugang ins Wasser könnte bequemer sein, zugegeben. Aber als ich mich endlich in den See gleiten lasse, fühle ich mich eins mit der Umgebung. Dem kühlen Wasser, den Bergen, dem blauen Himmel. 

Ungestört ziehe ich meine Bahnen zwischen Bojen und Enten. Und ich weiß, heute wird mich rein gar nichts mehr stressen – außer vielleicht die uralte Frage: Pizza oder Pasta?

Weg ohne Dreck

Wir alle wissen, dass wir an unserem Lebensstil schrauben und die Welt besser behandeln sollten. Gleichzeitig wollen wir aber auch leben, reisen, genießen und neue Orte sehen. 

In unserer Urlaubsreihe stellen wir schöne Reiseziele vor, die auch mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind.

Der Lago d'Iseo ist sowas wie der kleine Bruder des deutlich bekannteren Lago di Garda, dem Gardasee. Dabei ist er keineswegs das schlechtere Ziel.

Am Gardasee schieben sich noch bis weit in die Nebensaison die Touristen über die Strandpromenade. Besonders die Nordseite ist überflutet von Aktivtouristen, und zwischen Surfern, Seglerinnen und Mountainbikern entspannt es sich bekanntlich mittelmäßig gut. Und spricht man einen Kellner auf Italienisch an, antwortet er mit ziemlicher Sicherheit auf Deutsch.

Der Lago d'Iseo ist dagegen genauso schön – aber wesentlich entspannter. Die namensgebende Stadt Iseo hat hübsche Altstadt-Gässchen mit kleinen Läden, die nicht nur Surfbretter und Windjacken verkaufen. In den Restaurants gibt es gute italienische Küche zu fairen Preisen. Und überall findet man einen Sitzplatz – denn aus irgendeinem Grund scheinen die Touristenmassen immer am Gardasee festzuhängen.

Dabei dauert die Reise zum Lago d'Iseo von Deutschland aus gar nicht so viel länger. Von Verona ist man mit dem Zug in einer halben Stunde im nahegelegenen Brescia. Bei einem Roadtrip mit dem Auto verlängert sich die Anreise vielleicht um eine Stunde.

Und wo wir schon bei Verona sind: In der Nähe des Lago d'Iseo gibt es zahlreiche Städte, die sich in etwa einer Stunde erreichen lassen. Die Stadt von Shakespeares Romeo und Julia zum Beispiel. Bergamo, eine junge Stadt mit einer hoch gelegenen Altstadt (für Filmfans: Hier erleben Oliver und Elio aus "Call me by your name" ihre unbeschwerten Tage). Oder die Metropole Mailand, die kühl, stylish und gleichzeitig voller Prunk ist.

Fragt man Süditaliener, sagen die gerne, alles nördlich von Bologna könne man eigentlich nicht mehr Italien nennen. Aber ich finde: Der Lago d'Iseo bietet alles an Dolce Vita, was ich brauche.

(Bild: Helene Flachsenberg)

Praktische Infos zum Lago d'Iseo

Worauf sollte ich achten?

Im Grunde kaum zu übersehen: Inmitten des Sees liegt eine Insel, Monte Isola. 2016 erlangte sie kurzzeitig Weltruhm, als der Verpackungskünstler Christo die Insel über seine "Floating Piers", breite orangene Stege, mit dem Festland verband. Obwohl Monte Isola die größte Insel in einem südeuropäischen See ist, kann man sie bequem an einem Tag umwandern. Ein Glück – Autos sind dort nämlich nicht zugelassen. Seit Christo seine Stege wieder recycelt hat, kommt man mit der Fähre auf die Insel.

Anreise:

Zugegeben, ein bisschen Sitzfleisch braucht man schon. Der Lago d'Iseo ist deshalb nichts für einen Kurztrip, sondern eher für die längere Auszeit im Frühling. Von Süddeutschland braucht man mit dem Zug sechs bis acht Stunden. Je nachdem, wo man übernachtet, gibt es in der Umgebung verschiedene Bahnhöfe, von Rovato aus kommt man beispielsweise auch ohne Umsteigen nach Mailand. Die Zugfahrten plant man am besten über die Website von Trenitalia, der italienischen Bahn – die übrigens zuverlässig und günstig ist.

(Bild: Helene Flachsenberg)

Übernachten:

Schlafen kann man rund um den See in Ferienwohnungen und Hotels. Viel wichtiger ist die Frage, wo man essen sollte. Eine gute Wahl für die italienischen Klassiker ist die Pizzeria "Leon D'Oro" in Iseo. Auf Monte Isola bietet sich die Pizzeria "La Torre" für eine Halbzeitpause an – mit fantastischem Ausblick und Küche.

Und wer Pizza sagt, muss natürlich auch Eis sagen. Das holt man sich am besten bei "Le Chiatte" (mein Tipp: Grapefruit). Oder fährt nach Mailand – allein die Eisdiele "Fatto con Amore" ist diesen Weg wert.


Gerechtigkeit

"Shishas sind Teil unserer kulturellen Identität"
Was junge Migrantinnen und Migranten über den Anschlag von Hanau sagen.

Der Attentäter von Hanau kam mitten unter der Woche, mittwochabends gegen 22 Uhr. Feierabendzeit. Neun Menschen wurden getötet, als der 43-jährige Deutsche in einer Shishabar und einem Café um sich schoss. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund. (SPIEGEL)

In den Medien werden die Bars oft als anrüchig beschrieben, als gefährliche Halbwelt, irgendwo zwischen Popkultur und Clankriminalität. Rapper wie KC Rebell, Haftbefehl oder Xatar vermarkten mit diesem Image längst eigene Bars und Tabak. Erst vor wenigen Tagen berichtete das ZDF unter dem Titel "Das gefährliche Geschäft" 45 Minuten lang über das Thema. Bereits in den ersten Minuten fallen Begriffe wie "Menschenhandel" und "Kriminalität". Und auch im letzten Hamburger "Tatort" organisierten albanische Clans ihre Geschäfte in einer Shishabar. (Das Erste

Für die AfD sind die Lokale dagegen Symbol für die zunehmende “Nachahmung orientalischer Lebensweise” (SVZ). Immer wieder verbreitet die Partei bei Facebook oder Twitter Bilder, auf denen düstere Männersilhouetten Wasserpfeife rauchen und hellhäutige Frauen bitterlich weinen. Dazu heißt es in großen Buchstaben: “Kontrollen in Shishabars förderten Straftaten zu Tage” und “Gruppenvergewaltigung in Shishabar!” Schon vor langem forderte die Partei: “Im Zweifel muss der Betrieb untersagt werden!”

Dabei gelten Shishabars seit Jahren als Symbol für eine sich verändernde, multikulturelle Jugendkultur. Ihre Beliebtheit steigt. Inzwischen, schätzt das statistische Bundesamt, gibt es mehr als 6000 Shishabars in Deutschland – fast dreimal so viel wie es in Deutschland Kinos gibt. (RP Online/Statista)

Für viele sind die Bars Rückzugsorte. Orte, an denen man sich abends sicher fühlen konnte. Was bedeutet das Attentat von Hanau für sie? Drei junge Menschen erzählen:

Elmedin Sopa, 26, aus Berlin