Couchsurfen bei Familie Manal und Radfahren in der Steppe

Zwischen China und Russland liegt die Mongolei: Ein riesiges Land, mehr als vier mal so groß wie Deutschland, aber mit nur drei Millionen Einwohnern. Viele leben noch als Nomaden und ziehen mit Pferden und Vieh durch die Landschaft. Die ist abwechslungsreich, wenn auch karg: viel Steppe, Gebirge und die Wüste Gobi. Ein richtiges Abenteuerland also. Marco Fieber erzählt:

Zu Besuch bei den Manals

Eine Übernachtung im Wohnzelt, „Ger“ genannt, gehört eigentlich zu jeder Mongolei-Reise. Als weitgereister Couchsurfer lag es nahe, das Gastfreundschaftsnetzwerk auch in der Mongolei auszutesten. Insbesondere auf dem Land sind die Gastgeber zwar rar gesägt, noch dazu englisch sprechende. Doch bereits nur kurzer Anfrage habe ich Sumjabajar Manals Einladung im E-Mailpostfach. Ich solle ihn und seine Familie in Erdenet, der zweitgrößten Stadt der Mongolei, besuchen kommen.

Kühe melken

Familie Manal arbeitet in ganz normalen Berufen: Vater Sumjabajar vertreibt Baumaschinen, Mutter Orchon ist in der Verwaltung der örtlichen Mine beschäftigt. Aber auch Kühe melken gehört zum Alltag. „Unsere Familie besitzt vier der fünf mongolischen Nutztiere“, erklärt Orchons Schwester (im Bild). Die Familie hat Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde. Nur Kamele werden im Norden der Mongolei kaum gehalten.

Mongolische Wohnzelte

Viele mongolische Familien die in der Stadt wohnen und arbeiten, haben ein Ger weit draußen vor der Stadt stehen, wohin sie so oft wie möglich umziehen. Auch die Manals wohnen im Sommer so oft wie möglich in ihrem Ger. Sie errichten ihre Ger jedes Jahr in der selben Gegend, der Standort variiert dabei je nach gewachsener Vegetation. Im Winter wird das Zelt zusammengepackt, dann zieht die Familie in eine Wohnung in Erdenet. Der Auf- und Abbau des Zeltes mit etwa 10 Meter Durchmesser dauert nur etwas mehr als eine Stunde.

Essen!

Für das gemeinsame Abendessen bereitet Sumjabajar zusammen mit einer Familienangehören die landestypischen Buus vor. Die Teigtaschen werden mit kleingehackten Innereien, Gewürzen und Zwiebelstückchen gefüllt und anschließend im Wasserdampf gegart.

Der Älteste und die Jüngste

In Sichtweite von Sumjabajars und Orchons Ger haben sich noch andere Familienmitglieder mit ihren Zelten und Tieren niedergelassen. Sie alle kommen zum Abendessen in das Ger der Manals zusammen. Hier probiert das Familienoberhaupt, Sumjabajars Vater, die Teigtaschen. Dazu wird Tee, vergorene Stutenmilch (Airag) und mongolischer Wodka gereicht.

Mit dem Fahrrad durch die Steppe

Fahrräder und andere Technik sind inmitten der Steppe zur Normalität geworden. Eine kleine Solarzelle gehört seit einigen Jahren zur Standardausrüstung eines Gers. Damit wird eine Autobatterie gespeist, die nach Anbruch der Dunkelheit Kühlschränke, Telefone oder TV-Geräte mit Strom versorgt. Wasser ist hingegen nach wie vor ein Luxusgut. Das muss entweder aus der Stadt mitgebracht oder von einer Wasserstelle herangefahren werden.

Ulaanbaatar, die Hauptstadt

Ganz anders sieht die Mongolei in der Landeshauptstadt Ulaanbaatar aus: Im Zentrum, rund um den Süchbaatar-Platz stehen etliche gläserne Wolkenkratzer. Im Süden sprießen moderne Apartmentblocks, an den Berghängen um die Stadt erstrecken sich riesige Ger-Siedlungen. Die Innenstadt mutet fast europäisch an: Die Englisch sprechende Touristenpolizei patrouilliert über die zentrale Peace Avenue, junge Mongolen in westlicher Kleidung trinken in hippen Straßencafés Latte Macchiato und surfen auf iPhones im Internet. Der Ausbau der örtlichen Infrastruktur hinkt jedoch seit Jahren dem rapiden Bevölkerungsanstieg hinterher. Nach dem Fall des Kommunismus verdreifachte sich die Einwohnzahl Ulaanbaatars nahezu – heute leben dort fast 1,4 Millionen Menschen.

Direktflüge nach Ulaanbaatar werden zweimal wöchentlich von Frankfurt am Main angeboten, alternativ steigen Touristen in Moskau oder Istanbul um. Die Reise dauert mindestens einen halben Tag, die günstigsten Verbindungen für Hin- und Rückreise kosten 600 Euro. Zumindest ist die Einreise problemlos, denn seit September 2013 ist der Aufenthalt für deutsche Staatsbürger für eine Dauer bis 30 Tage visumsfrei.

Die größte Reiterstatue der Welt

Auf jeden Fall angucken: Das Reiterstandbild von Dschingis Khan, die mit 30 Metern Höhe weltweit größte Reiterstatue überhaupt. Sie steht 54 Kilometer südöstlich von Ulaanbaatar. Der Legende nach soll dort der erste Großkhan der Mongolen seine goldene Gerte gefunden haben, die er in der rechten Hand hält. Im Sockel befindet sich ein sehenswertes Museum zur Geschichte des Landes. Mit einem Fahrstuhl kann man im Inneren des Standbilds empor fahren, im Kopf des Pferdes gibt es eine Aussichtsplattform.

Eröffnungszeremonie zum Nationalfest

Naadam ist das Nationalfest der Mongolei. Im ganzen Land findet es jährlich vom 10. bis zum 13. Juli statt, in der Provinz oftmals etwas eher. In Ulaanbaatar kostet der Besuch des Festes im großen Nationalstadion Eintritt, die Tickets sind heiß begehrt. In Erdenet, der zweitgrößten Stadt im Norden der Mongolei, ist der Andrang weniger groß und der Eintritt sogar frei. Bei der feierlichen Eröffnungszeremonie dürfen sich hier neben den Sportlern auch lokale Unternehmen und Vereine präsentieren, wie in diesem Bild die örtliche Müllabfuhr.

Mongolische Sportlerinnen

Der vollständige Name des Nationalfests lautet „Eriin Gurwan Naadam“ (die „drei männlichen Spiele“) und drückt aus, um was es dabei geht: sportlicher Wettkampf in den traditionellen Disziplinen Ringkampf, Pferderennen und Bogenschießen. Wie dieses Bild aber zeigt, dürfen bei den Wettkämpfen – außer beim Ringen – auch Mädchen und Frauen teilnehmen.

Pferderennen beim Nationalfest

Aus Zuschauersicht ist vor allem das Pferderennen interessant. Zwar ist es seit einigen Jahren verboten den teilweise hunderten antretenden Rennpferden per Geländewagen zu folgen, doch allein die Zielankunft ist – zumindest für Neulinge – spannend genug. Aufgrund der extremen Trockenheit ist diesmal zuerst eine Staubwolke zu sehen, bevor eines der Tiere erkennbar wird. Sumjabajar schätzt, dass die Reiter für die Rennstrecke etwa 30 bis 40 Minuten benötigen. Geritten werden die Pferde von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Sumjabajars Frau Orchon nahm früher selbst an Rennen teil, wie sie stolz erzählt. „Einmal wurde ich sogar zweite!“ Gefeiert werden aber nur die ersten Plätze, meint sie. Bereits nachdem ein gutes Dutzend Pferde das Ziel erreicht hat, löst sich die Menschenmenge an der Ziellinie wieder auf.