Bild: Susanne Blumenstein

Vielleicht denkst du gerade: Mit dem Fahrrad über die Alpen, von Deutschland nach Italien – das wäre nicht unbedingt mein Traumurlaub. Du musst schließlich

  • 700 Kilometer Reisestrecke zurücklegen
  • 4000 Höhenmeter überwinden
  • und sitzt jeden Tag mehrere Stunden auf dem Sattel.
Aber: Es lohnt sich!

Mein Rad und ich waren schon vor der Reise enge Verbündete. Der Arbeitsweg von 15 Kilometern? Perfekt: 45 Minuten Sport vor der Arbeit. Ich habe schon einige längere Touren gemacht. Dieses Mal wollte ich beides – Berge und Radfahren. Allein.

Google spuckte eine Route für Einsteiger aus: Die Via Claudia Augusta führt durch Deutschland, Österreich, Italien und zwei Gebirgsketten, die Alpen und die Dolomiten.

Mein Startpunkt: Landsberg am Lech, wo ich von meiner Heimat Frankfurt am Main mit dem Zug hinfuhr.

Mein Ziel: Venedig!

Anfangs war ich nervös und unsicher. Was, wenn ich abends keine Unterkunft fand? Wenn ich mich allein langweilte? Letztlich hatte ich nur einmal Angst: Ich geriert mitten am Berg auf einem einsamen Wegstück in ein heftiges Unwetter und hatte keine Ahnung, wo ich mich unterstellen sollte.

An den restlichen Tagen erlebte ich einen Serotonin-Glücksschub nach dem anderen.

Hier sind 11 Dinge, die ich während meiner Tour gelernt habe.
Der Reschensee in Südtirol(Bild: Susanne Blumenstein)
1. Es muss nicht immer die Fernreise sein.

Unberührte Landschaften, majestätische Berge und glasklare Gebirgsseen – auf der Strecke von Deutschland, über Österreich bis nach Italien gibt es wunderschöne Panoramen. Keine Frage, die Rocky Mountains in Kanada sind nicht umsonst ein beliebtes Reiseziel. Aber die Natur auf der Alpenstrecke ist genauso beeindruckend. Mindestens.

(Bild: Susanne Blumenstein)
2. Reise allein und bleib offen.

Würdest du einen Menschen ansprechen, der offensichtlich alleine reist? Auf meiner Tour habe ich festgestellt: Die meisten machen das mit großer Freude. So wie beispielsweise ein paar Italiener, die mich sofort zum Dorffest eingeladen haben. Ein anderer Abend endete in Südtirol damit, dass ich mit einer bayerischen Motorrad-Truppe feierte.

Im italienischen Feltre zwang mich ein Unwetter dazu, bei einer Landvilla Unterschlupf zu suchen. Diese entpuppte sich als Bed & Breakfast mit zwei Zimmern – meine schönste Übernachtung! Also: Offen bleiben und drauf einlassen!

(Bild: Susanne Blumenstein)
3. Lass deinen großen Backpack zu Hause.

Pack ganz sparsam, spätestens an der ersten Steigung wiegt jedes Gramm doppelt. Schuhe zum Wechseln? Überbewertet. Mehr als ein Oberteil? Luxus. Aber ein Zusatzakku für dein Smartphone ist essentiell, vor allem, wenn du auf Orientierungs-Apps angewiesen bist. Irgendwie selbsterklärend, aber wirklich wichtig: Flickzeug. Radläden gibt es in Österreich an jeder Ecke, nicht aber in den Dolomiten.

(Bild: Susanne Blumenstein)
4. Überschätz dich nicht.

Manche Anstiege sehen harmlos aus, aber zehn Kilometer sanft bergauf können dich echt fertig machen. Das macht nämlich doch 800 Höhenmeter in der Summe. Da sind Geduld und vor allem Durchhaltevermögen gefragt. Motivationshilfe: Denk an das Gefühl, wenn du endlich oben bist. Du hast dich selbst bezwungen und kannst den grandiosen Ausblick genießen.

Irgendwann kommst du eh in einen Zustand innerer Ruhe. Dein Kopf wird zur gedankenfreien Zone. Am Abend sinkst du in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen fühlst du dich fit wie selten.

(Bild: Susanne Blumenstein)
5. Rechne mit jedem Wetter. Jedem.

Fast lebensnotwendig sind Regenkleidung und Sonnencreme. Im Frühsommer ist es in den Alpen meist mild und sonnig. Hier reicht eine Stunde Sonne für einen tomatenroten Teint. Regentage und kräftige Schauer sind aber nicht ausgeschlossen.

(Bild: Susanne Blumenstein)
6. Österreicher sind hilfsbereit.

Im Örtchen Pfunds steckte mir jemand ohne große Worte einen Müsliriegel zu. Der kleine Dorfladen öffnete dort extra für mich nach Ladenschluss noch mal die Türen. Ein paar Kilometer weiter in Nauders ölte mir ein Radmechaniker kostenlos die Fahrradkette. Ich habe die Österreicher mit ihrer hilfsbereiten und liebenswerten Art sehr ins Herz geschlossen.

Der Reschensee(Bild: Imago)
7. Improvisiere!

Fünf Tage und 225 Kilometer nach dem Start stand ich vor meiner ersten großen Herausforderung: dem Reschenpass an der österreichisch-italienischen Grenze. Nach eineinhalb Stunden Fahrt bergauf erreichte ich den Lago die Resia auf der italienischen Seite. Bis dahin waren die Radwege klasse, wenig später jedoch weitgehend verschwunden. Dafür war das italienische Nahverkehrssystem erstaunlich gut, zumindest im Norden. Moderne Züge, niedrige Preise – da übersteht man auch mal einen Regentag.

(Bild: Susanne Blumenstein)
8. Du hast hier absolute Ruhe.

Wer die Einsamkeit sucht und fernab jeglicher Zivilisation abschalten will, sollte in die Dolomiten reisen. Nach 500 Kilometern, vorbei an Merano und Trient, lag Lamon vor mir im Tal. Die Straßen (wenn es welche gibt) sind menschenleer, vereinzelt gibt es einige wenige kleine Dörfer. Das Gefühl, dass hier die Natur regiert und man gnädigerweise geduldet wird, ist einmalig.

(Bild: Susanne Blumenstein)
9. Plane realistisch und vermeide Muskelkater.

Starke Anstiege bedeuteten für mich: Alle 30 Minuten eine Pause machen. Am nächsten Tag dann nur eine kürzere Etappe fahren – das hilft, Muskelkater zu verhindern. Du wirst an manchen Tagen bis zur Mittagspause schon 50 Kilometer geschafft haben, an anderen nur 30.

(Bild: Susanne Blumenstein)
10. Verlass dich nicht auf Straßenschilder – sondern auf praktische Apps.

Dass der Verkehr in Italien manchmal chaotisch ist, ist nichts Neues. Aber auch Fahrradfahrer suchen hier verzweifelt nach ein bisschen Orientierung. Ich stieß in Treviso zwar auf eine unverständliche Schilderflut an Rad- und Fußgängerwegen – aber den Weg zu meinem Bed & Breakfast habe ich nicht gefunden.

Mein Tipp: Vorher die App OsmAnd aufs Smartphone laden, mit dazu gleich die Karten. Die Offlinenavigation ist zuverlässiger als manch teures GPS-Gerät. Und GoogleMaps funktioniert zwar, geht aber auf Dauer ins Geld.

(Bild: Susanne Blumenstein)
11. Lass dich nicht von Touri-Städten abschrecken.

Venedig ist an seinen schlimmsten Stellen die Stadt der Touristenmassen, teuren Gondelabenteuer und Selfie-Sticks. Ein wenig besser ist es in den Seitenstraßen, wo man in kleinen Bistros wie dem Café Princi Ruhe findet. Das Princi ist klein, aber stylisch. Es gibt leckere Snacks und den besten Kaffee der Stadt. Nebenbei sparst du dir den Besuch der öffentlichen Toilette – mit 1,50 Euro teurer als ein Espresso.

Für Radfahr-Fans: In der Fotostrecke zeigen wir, was passiert, wenn Menschen ein Fahrrad aus dem Kopf zeichnen sollen.
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​Den kompletten Artikel zu den Fahrradfotos, ​kannst du hier lesen​.

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