Wenn Lucy von der Marslandung spricht, dann ist das für sie keine Theorie, sondern ein Fakt. Die Menschen werden den Mars besiedeln, vielleicht in ein paar Jahren schon. Sie will dann unbedingt dabei sein. Das Verrückte daran ist: Nichts davon ist verrückt. Die Nasa und die Firma SpaceX planen ihre ersten Marsmissionen, und wenn SpaceX nach Mars-Aussiedlern sucht, wäre die 24-jährige Mars-Expertin sofort dabei.

Warum der Mars so wichtig für uns ist, erklärt uns Lucy im Interview:

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Ist der Mars nicht nur eine langweilige rote Wüste?

Lucy Kissick: Der Himmel über dir ist pink, die Erde auf der du stehst orange, fast schon rostfarben. Bei Sonnenuntergang färbt sich der Himmel blau, das muss unglaublich schön sein. Die Landschaft könnte gegensätzlicher nicht sein: Es gibt die höchsten Berge, die du dir vorstellen kannst, und die tiefsten Schluchten. Ein Blick von einer Klippe führt kilometerweit ins Nichts, wie der Blick über den endlosen Ozean.

Was bringt uns eine Marslandung?

Lucy Kissick: Die Menschen haben auf der Erde viele Fehler gemacht, sie kennen nur eine bestimmte Art zu leben. Auf dem Mars könnte sich die Menschheit neu erfinden, sich überlegen: Was für eine Regierung brauchen wir eigentlich? Wollen wir überhaupt Kapitalismus? Wie wollen wir eine Stadt aufbauen? Und: Wie können wir unsere Ressourcen am besten schützen?

​Lucy Kissick

Ihr Leben dreht sich um den Mars. Die 24-Jährige forscht zu Chemischer Sedimentologie an der Oxford University. Vier Jahre lang untersucht ein Team aus acht jungen Forschern die ältesten Ozeane und Kontinente der Erde, um die Landschaft auf dem Mars zu rekonstruieren. Lucy hat Physische Geografie in Durham in England studiert und liebt Science-Fiction-Romane. 2015 war sie Datenanalystin bei ExoMars, einem Projekt der European Space Agency.

Also ein Neustart auf dem Mars?

Lucy Kissick: Die Menschen haben die Erde ausgeplündert, den Klimawandel ausgelöst und sind schuld am steigenden Meeresspiegel. An manchen Orten ist es bereits heute unmöglich zu leben. Hätte man eine zweite Bevölkerung auf einem anderen Planeten und irgendetwas liefe mal so richtig schief auf der Erde, könnte die Spezies Mensch dennoch überleben. Das ist der Gedanke hinter Unternehmen wie SpaceX. Sie suchen nach einer langfristigen Möglichkeit, das Überleben der Menschen zu sichern. Nach einer Festplatte für das finale Backup.

Wie lebt man auf dem Mars?

Lucy Kissick: Mit dicken Raumanzügen unter kleinen Glaskuppeln, denn die Atmosphäre auf dem Mars ist dünner als auf der Erde. Bis vor 3,7 Milliarden Jahren waren sich Erde und Mars noch sehr ähnlich, es gab wahrscheinlich Flüsse und Buchten. Man erkennt das an der Beschaffenheit des Gesteins und an ausgetrockneten Flussbecken.

Marsmissionen

Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt eine riesige Rakete und ein Raumschiff, um Menschen zum Mars und wieder zurück zu fliegen. Bis dahin dauert es aber noch. Frühestens 2030 könnte es soweit sein, wenn die Nasa bis dahin genügend Budget bekommt. Auch nur eine Person auf den Mars zu bringen, kostet viele Milliarden Dollar.

Dem Unternehmen SpaceX geht das nicht schnell genug. Schon im Jahr 2022 soll eine erste Mission starten, 2024 sogar mit Menschen an Bord – behauptet zumindest SpaceX. Langfristig will SpaceX eine Kolonie gründen und den Preis pro Passagier auf den Spottpreis von 200.000 Dollar drücken. Damit das klappt, müssten schon tausend Raketen gebaut werden, von der jede mindestens 100 Raumfahrer transportiert.

Die Menschen bräuchten Gewächshäuser für ihre Nahrung. Sie müssten Trinkwasser recyceln. Mittlerweile haben Forscher die Idee des "Terraformens" entwickelt, dabei wird die Atmosphäre auf dem Planeten verändert und die Menschen könnten unter freiem Himmel atmen. Aber solche Pläne übersteigen unsere Lebenszeit.

Also eine zweite Erde?

Lucy Kissick: Nein. Am Anfang gäbe es nur eine kleine Forscherbasis, die ersten Mission bringt sieben oder acht, vielleicht auch 15 Menschen zum Mars. Die Bevölkerungszahl würde nur langsam und kontrolliert ansteigen, damit nicht das gleiche wie auf der Erde passiert. Das ist jedenfalls die Idee dahinter.

Gefährlicher Mars

Auf der Erde schützen uns die Atmosphäre und das Magnetfeld vor gefährlichen Sonnenstrahlen. Für den Flug zum Mars brauchen Raumfähren speziell abgeschottete Bereiche - und auf dem Mars verstecken sich die Astronauten am besten in einer Höhle, die sie nur alle paar Tage für wenige Stunden verlassen. Aber auch dann steigt das Risiko, die Strahlung abzubekommen und an Krebs zu erkranken.

Atemluft, Nahrung, Treibstoff - alles müssen die Mars-Astronauten selbst mitbringen oder erzeugen. Passiert ein Fehler, kann ihnen niemand helfen. Schon ein Funksignal von der Erde zum Mars braucht rund 20 Minuten. Ein Raumschiff mit einer Rettungscrew oder Ersatzteilen wäre mehrere Monate unterwegs.

Ist das keine Träumerei?

Lucy Kissick: Es ist ein fantastischer Traum, auf dem Mars zu leben, und es ist theoretisch möglich, dort zu überleben. Momentan sind zwei Roboter dort, "Curiosity" und "Opportunity". Sie haben in etwa die Größe eines winzigen Autos und einer Schubkarre. "Opportunity" ist schon seit dreizehn Jahren auf dem Mars, er gibt der Forschung Informationen über die Entstehungsgeschichte.

Wie kommen Menschen auf den Mars?

Lucy Kissick: Forschung und Wissenschaft sind schon lange bereit, Menschen zum Mars zu schicken. Elon Musk will es mit seinre Firma SpaceX jetzt umsetzen und bezahlbar machen: 2024 soll das erste bemannte Raumschiff starten. An Bord sind dann nicht nur hochrangige Astronauten, sondern auch Experten auf allen möglichen Gebieten: Piloten, Ärzte, Botaniker, Menschen mit Durchhaltevermögen und Lust auf ein Abenteuer. Bis der erste Flug 2024 startet, sollte man also schnell seinen Lebenslauf aufbessern.

Und was denkst du?
Lucy, würdest du die Erde nicht vermissen?

Lucy Kissick: Ich würde den blauen Himmel vermissen, den Wind in den Haaren und auf dem Gesicht zu spüren. Einfach gedankenlos draußen zu stehen und in die Sterne zu schauen. Der Mars war für mich immer bloß ein kleines Leuchten am Himmel. Die erste zu sein, die die Erde in der Größe eines Sterns im Weltraum sehen kann, wäre unbezahlbar. Gäbe es ein One-Way Ticket zum Mars, ich würde es sofort nehmen.


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